4. Sonntagsspaziergang: Kaster

 

Kaster Tor
Kaster Agathator Foto: A. Kircher-Kannemann

Bei meinen Sonntagsspaziergängen zieht es mich ja gerne mal in kleine Orte, vor allem in kleine Orte, die anscheinend niemand kennt, obwohl sie eigentlich wunderschön sind und man sie eigentlich dringend einmal besuchen sollte. Ein solcher Ort ist auch Kaster.

Kaster werden sie jetzt wahrscheinlich denken: Wo liegt denn das? Was ist denn das für ein Ort? Was macht denn den so besonders?

Kaster Tor
Kaster Erfttor Foto: A. Kircher-Kannemann

Nun, Kaster ist heute ein eigentlich sehr kleiner Ort, der auch eigentlich vollkommen unbedeutend ist; aber das war nicht immer so, denn im Mittelalter zählte Kaster zu den Residenzstädten des Herzogtums Jülich-Berg. Von der alten Herrlichkeit ist heute nicht mehr viel zu bemerken in diesem kleinen Städtchen, es fällt nur auf, dass es eine starke Befestigungsanlage besitzt, eine massive Stadtmauer, mit Türmen und Toren und wenn man genau hinschaut, dann entdeckt man auf einem Hügel oberhalb der Stadt einen letzten steil in den Himmel aufragenden Rest eines offenbar sehr alten Turmes und wenn man sich dem Hügel nähert, dann finden sich noch ein paar wenige Mauerreste, oft halb im Boden verschwunden und von Bäumen und Büschen überwuchert. Man erahnt, dass dieser Ort einmal von Bedeutung gewesen ist …

Kaster 016
Kaster: Agathator Foto: A. Kircher-Kannemann

Aber beginnen wir der Reihe nach:

Die Geschichte von Kaster

Kaster liegt an der Erft und ist heute ein Ortsteil von Bedburg, soweit die Geographie. Woher der Name des Ortes kommt ist nicht zu klären, „burch und stat Caster“ finden sich 1361 erwähnt und aus dem Jahr 1405 stammt die Erwähnung von „castrum Caster cum Cast villa murata“. Die erste urkundlich Erwähnung Kasters findet sich im Jahr 1278 im Zusammenhang mit der Zerstörung des Ortes durch den Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg. Im 14. und beginnenden 15. Jahrhundert war der Ort, das legt vor allem die zweite Erwähnung nahe, doch recht bedeutend.

Kaster Stadtmauer
Kaster Stadtmauer mit Turm Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Anfänge der Siedlung Kaster gehen, soweit man der spärlichen Quellenlage entnehmen kann, wohl auf ein Reichslehen zurück und bereits seit Mitte des 12. Jahrhunderts wurden regelmäßig Personen mit dem Zusatz „von Kaster“ erwähnt, so etwa 1148 ein Gerhard von Kaster oder auch 1156 ein Reinhard von Kaster. Offenbar starb diese Familie im 13. Jahrhundert aus und so kam der Ort 1273 an die Grafen von Jülich, die 1336 zu Markgrafen und dann 1356 zu Herzögen erhoben wurden. Der Aufstieg der Familie ging noch weiter, als sie 1423 ihr Territorium Jülich mit dem Bergs vereinigen konnte und dann 1511 bzw. 1521 auch noch die Vereinigung mit dem Herzogtum Kleve-Mark erfolgte.

Erfttor
Blick durch das Erfttor Foto: A. Kircher-Kannemann

In eben jenen Jahrhunderten erlebte auch Kaster offenbar einen großen Aufschwung, denn vom 14. bis zum 16. Jahrhundert war der Ort eine der meist genutzten Residenzen der Herzöge. Häufig diente die auf einem natürlichen Hügel liegende Burg auch als Witwensitz, zuletzt ab 1511 für Sibilla von Brandenburg.

Kaster Gasse
Kaster Blick durch Gasse auf den Kirchturm Foto: A. Kircher-Kannemann

Einen zusätzlichen Bedeutungsschub verlieh dem Ort der Sitz des Landrentmeisters und die Etablierung des Urkundenarchivs der Herzöge eben hier. Kaster war also einer der zentralen Verwaltungsorte des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg und an manchen Stellen erahnt man noch etwas von dieser ehemaligen Bedeutung, denn viele Häuser, die hier zu sehen sind, sind eigentlich zu groß und eigentlich auch zu prachtvoll für so ein kleines „Dorf“.

Die Stadt Kaster

Die Siedlung Kaster hat sich wohl im 13. und 14. Jahrhundert, wie so viele Ortschaften, aus der Vorburg der bereits länger existierenden Burg entwickelt und wurde zwischen 1315 und 1339 zur Stadt erhoben.

Kaster Blick durch Tor
Kaster Blick durch Agathathor Foto: A. Kircher-Kannemann

Die erste Kapelle, die wohl im 14. Jahrhundert entstand, wurde 1542 zerstört und um 1551 wieder aufgebaut und dann zur Pfarrkirche erhoben. Aber auch ihr blieb eine Zerstörung nicht erspart, denn 1624 wurde die Stadt durch einen Brand in weiten Teilen zerstört, betroffen waren vor allem die Kirche, die Korn- und Ölmühle und auch die Kellnerei. Die heute in Kaster zu sehende Kirche stammt aus dem Jahr 1785.

Kaster 06
Kaster: Kirchstraße Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Stadtmauer Kasters, in Form eines unregelmäßigen Fünfecks, stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1405 erstmals in einer Urkunde erwähnt.

Kaster Stadtmauer
Kaster Stadtmauer mit Türmen Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Burg Kaster

Aus welcher Zeit die Burg stammt, von der heute beinahe nicht mehr zu sehen ist, ist nicht zu klären. Auf jeden Fall scheint sie schon recht früh, vor der Zeit der jülichschen Herrschaft entstanden zu sein, obwohl sie erst im Zusammenhang mit ihrer ersten Zerstörung im Jahr 1278 erwähnt wird. Die Witwe des Grafen Wilhelm IV. ließ die Burg wieder aufbauen und ihr Sohn Gerhard (1297-1328) wurde Herr über Kaster.

Kaster Burg
Kaster: Reste der Burg Foto: A. Kircher-Kannemann

Einstmals lag die Burg auf einem natürlichen Hügel nordwestlich der Stadt, ragte mit ihrer Vorburg bis in die Stadt hinein und bildete zusammen mit der Stadtbefestigung eine zusammenhängende Wehranlage. Ihre genaue Bauform ist leider nicht bekannt. Im Nordosten der Burg lag die Mühle, direkt an der Erft. Im Nordwesten war die Burg durch Wall und Graben gesichert. Auf diesem Wall könnte sich eine zweite, kleinere Vorburg befunden haben. Die Grundfläche der Burg maß 30 mal 40 Meter, die Vorburg war mit all ihren Wirtschaftsgebäuden nochmals etwas größer und durch eine zusätzliche Mauer zur Stadt hin geschützt. Zerstört wurde die Burg im Jahr 1648, im Zuge des Dreißigjährigen Krieges und dann nicht wieder aufgebaut, denn inzwischen hatten andere Orte, vor allem Düsseldorf, Kaster längst den Rang abgelaufen und zudem waren Burgen als Landesbefestigungen nun nicht mehr zeitgemäß.

Von der ehemaligen Vorburg ist noch heute ein prachtvolles zweistöckiges Barockgebäude erhalten, dessen umliegende Wirtschaftsgebäude deutlich älter sind.

Kaster Haus
Kaster: Kirchstraße 29 Foto: A. Kircher-Kannemann

Kaster heute

Heute ist Kaster ein beschaulicher und durchaus romantischer kleiner Ort an dem man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Ein Spaziergang rund um die Stadtmauer lässt erahnen wie der Ort im Mittelalter gewesen sein muss und die vielen historischen Gebäude innerhalb der Mauern lassen den Besucher in die Frühe Neuzeit eintauchen, in das 17. und 18. Jahrhundert.

Kaster Stadtmauer
Kaster: Stadtmauer Foto: A. Kircher-Kannemann

Es ist ein idealer Ort, um Ruhe und Geschichte zu genießen und einfach mal einen Sonntag lang auszuspannen.

 

 

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