5. Sonntagsspaziergang: Bacharach

Bacharach
Foto: A. Kircher-Kannemann

Ja, ja, die Weinregionen, sie ziehen mich magisch an, auch wenn ich gestehen muss, dass ich sie längst nicht alle wirklich mag. So meine liebe Not habe ich seit Jahren mit dem Mittelrheintal. Nun gut, es gehört zu den UNESCO Welterbestätten und das zur Gänze, doch so recht anfreunden kann ich mich mit diesem Tal nicht und auch die Weine des Mittelrheins und ich, wir haben so unsere Probleme miteinander. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen versuch ich es immer wieder einmal mit diesem Tal, das so mystisch und so mythisch ist, das so deutsch ist, wie wohl kaum ein anderer Flecken dieses Landes, diesem Tal, das oft besungen wurde, nicht zuletzt wegen seiner Loreley. Ich versuch es immer wieder und vielleicht find ich ja irgendwann den Schlüssel zu diesem Tal, wer weiß, man wird es sehen.

Bacharach
Foto: A. Kircher-Kannemann

Gezogen hat es mich in diesem Fall nach Bacharach, ein eigentlich verschlafenes kleines Städtchen keltischen Ursprungs, das von der Burg Stahleck überragt wird. Gerade einmal gut 1800 Einwohner hat Bacharach und gehört zur Verbandsgemeinde Rhein-Nahe im Landkreis Mainz-Bingen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort zu Beginn des 11. Jahrhunderts und es hat sich nicht wirklich viel verändert seit jener Beschreibung, die H. Malten im Jahr 1844 in seiner „Neuesten Weltkunde“ über Bacharach lieferte:

Merian Ansicht von Bacharach
Matthäus Merian the Elder [Public domain], via Wikimedia Commons
Schon im Mittelalter war der Weinbau in dieser 9 Stunden nordwestlich von Mainz gelegenen, von 1200 Einwohnern bevölkerten k. preuß. Stadt, sehr bedeutend. [Nun gut, heute braucht man keine 9 Stunden mehr von Mainz bis hierher, aber die Einwohnerzahl hat sich nur marginal verändert, genau genommen ist sie gesunken bedenkt man, dass im Jahr 1969 die Gemeinde Steeg mit etwas über 800 Einwohnern zu Bacharach eingemeindet wurde.] Lange war sie der Haupt-Stapelplatz des Weinhandels am Rhein. Die hier gezogenen Weine sind vortrefflich. [Darüber lässt sich heute vortrefflich streiten.] Papst Pius II. (Aeneas Sylvius) ließ sich von dem bei Bacharach gewonnenen Muskatellerwein [den sucht man hier heute vergeblich] jährlich ein Fuder nach Rom bringen, und Kaiser Wenzel gestand der Stadt Nürnberg, gegen ein Geschenk von 4 Fuder dieses Weins, ihre Freiheit zu. Gleich Bacharach ist auch die Umgebung dieses Städtchens sehr weinreich und ihr Erzeugniß wird nicht minder geschätzt.

Ansicht von Bacharach 1832
William Tombleson [Public domain], via Wikimedia Commons
Die vorzüglichsten Lagen [von denen heute längst nicht mehr alle erhalten sind] von Bacharach sind: Wolfshöhle, Hahn, Bill. Ketzer und Dell, 22 Morgen; die von Mannebach: Reg, Blank und Mittelnack, 41 Morgen; die von Ober-Diebach: Schloßberg und Teich, 22 Morgen; die von Steeg: Flur, 67 Morgen; im Ganzen 248 preuß. Morgen Weinberge. Die Weine der vorangedeuteten guten Lagen von Bacharrach und Steeg sind im Handel unter dem Namen Steeger, und die von Mannebach, Ober- und Rhein-Diebach unter dem Namen Mannebacher bekannt. Alle Weinberge der vorgenannten Ortschaften betragen 1448 Morgen. Davon kommen auf Bacharach, mit Henschhausen, Neurath und Medenscheid (eine Gemeinde bildend) 347 Morgen, auf Mannebach 272 Morgen, auf Ober-Diebach, mit Rhein-Diebach und Winzberg (eine Gemeinde bildend) 448 Morgen, auf Steeg, mit Breidscheidt, 381 Morgen. In diesen 1448 Morgen wurden 1824 gewonnen 16,616 Eimer Wein. Die Moststeuer betrug 11,867 Thaler.

Im Herbst kann man die Weine zu sehr billigen Preisen kaufen [das funktioniert heute auch nicht mehr]; selbst in Hauptjahren kommt das Fuder Steeger oder Mannebacher von den besten Lagen nur auf 140 bis 180 Thaler zu stehen; später kosten sie doppelt so viel. Der Weinsatz besteht bei Bacharach und den andern Orten durchgehend aus Riesling. Die Lage Wolfshöhle erzeugt bei guter Pflanzung einen Wein, der den Steeger und Mannebacher noch übertrifft, obgleich im Allgemeinen der Wein von Bacharach unter den beiden letztgenannten steht. Die Ober-Diebacher und Bacharacher rothen Weine [sucht man heute meist vergeblich] kommen jedoch dem Steeger und Mannebacher gleich. Sie sind stark, fein und wohlschmeckend. In gewöhnlichen Jahren werden diese Weine, von der Weinpresse hinweg, zu 80 bis 130 Thaler das Fuder verkauft.“

 

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