Relations aus der Sicht eines Bloggers

Viel ist über Blogger Relations in den letzten Monaten und Jahren geschrieben worden. Google schmeißt bei der Suchanfrage „Blogger Relations“ über 2,6 Millionen Treffer aus, eine schier unglaubliche Zahl. Und jetzt kommt noch ein Artikel dazu …

Man kann sich sicher fragen, warum ich auch noch meine zwei Cent zum Thema beisteuere, wo doch eigentlich schon alles zum Thema gesagt und geschrieben wurde. Nun, ich finde es einfach wichtig, zumal die meisten Artikel von „großen“ Bloggern stammen, von jenen mit großer Followerschaft und seit Jahren eingesessenen Blogs oder auch von den Menschen auf der anderen Seite, jenen, die von Institutionen und Firmen stammen, die sich an Blogger wenden oder aber auch Blogger eher als irrelevant und nervig ansehen, denn auch deren gibt es immer noch genug.

Ich kenne beide Seiten des Bloggens, jene des gefragten Bloggers, der für große Unternehmen Blogtexte verfasst und jene des „kleinen“ Bloggers, der auf Anfragen vorzugsweise keine Antwort erhält, trotz der Tatsache, dass ich meine Anfragen nicht mit „Hallo“ oder ähnlichem beginne und im Grunde alle Regeln einhalte, die gemeinhin propagiert werden.

Michelle vanderVeen hat bereits 2015 auf ihrem Blog „museumsglueck“ zwei ausführliche Artikel über Blogger-Relations geschrieben. Im ersten Teil wandte sie sich an die Institutionen, die von Bloggern angesprochen werden und betonte die Notwendigkeit sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn „obwohl es Blogs seit über 10 Jahren gibt, steckt der Umgang zwischen Bloggern und Institutionen/Firmen immer noch in den Kinderschuhen.“

Zwei Jahre wird der Artikel bald alt, einiges hat sich inzwischen geändert, manch anderes nicht.

Firmen sind inzwischen, zumindest in manchen Branchen, man möchte fast sagen, dem „Bloggerwahn“ verfallen. Da gibt es kaum mehr eine Kampagne die ohne die Unterstützung von Bloggern auskommt und auch „kleinen“ Bloggern wird hier immer mal wieder eine Chance eingeräumt, wenn sie denn gut sind, denn jeder hat mal klein angefangen und kein Blog und kein Social-Media-Account startete direkt mit 10.000 Lesern oder Followern.

Was also zumindest in manchen Branchen inzwischen zum Alltagsgeschäft gehört, scheint im kulturellen Bereich immer noch nicht wirklich angekommen zu sein.

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, insbesondere große Kunstmuseen haben das Potential und die Chancen erkannt, die Blogger zu bieten haben, so etwa die Kunsthalle Karlsruhe.

Historische Museen, Schlösser und andere Kultureinrichtungen hingegen scheinen noch immer häufig ein Problem mit bloggenden Zeitgenossen zu haben. Da hilft es auch nicht, wenn man als Blogger selber aus dem Metier kommt, denn man nutzt ein Medium mit dem der durchschnittliche Mitarbeiter einer Kultureinrichtung noch immer fremdelt.

Es wäre schön, wenn sich die Einstellung eben jener Institutionen gegenüber Bloggern wandeln würde. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn der Wunsch über eine Ausstellung, das ein oder andere Exponat oder auch die ganze Institution zu schreiben abgelehnt wird. Dafür kann es tausend Gründe geben, so etwa, dass das Blog als solches nicht gefällt, dass man nur mit Bloggern zusammenarbeitet, die bereits eine gewisse Reichweite haben, dass man bestimmte Dinge nicht öffentlich, im Internet haben möchte oder auch schlicht und simpel, dass die Schreibe des Bloggers nicht gefällt.

All das sind (gute) Gründe die Zusammenarbeit mit einem Blogger abzulehnen und im Regelfall auch Gründe, die aus Sicht des Bloggers akzeptiert werden können. Aber eines wäre wirklich nett, liebe Mitarbeiter von Kultureinrichtungen, wenn Sie Bloggern eine Chance geben könnten und Ihnen zumindest eine Antwort zukommen lassen und sei es nur ein schlichtes „es tut uns leid, aber …“.

Blogger, zumindest wenn sie gut sind, bieten eine ungeheure Chance. Eine Chance darauf eigene Inhalte und Produkte in die Welt zu tragen, bekannter zu werden und durchaus auch neue Kunden (oder im Kulturbereich neue Besucher) zu generieren.

Robert Weller hat für Unternehmen vor allem zwei Gründe genannt, warum die Zusammenarbeit mit Bloggern attraktiv und gewinnbringend ist:

  1. Blogger genießen aufgrund ihrer Ehrlichkeit und Authentizität das Vertrauen ihrer Leser und sind Meinungsbilder.
  2. Leser informieren sich vor einer Kaufentscheidung in Blogs und werden durch die Meinung der Autoren und der Community beeinflusst.“

 

Zwei Phänomene, die im Übrigen nicht nur im Bereich der Wirtschaft und somit für Firmen gelten, sondern auch ganz allgemein gültig sind und daher auch für Kultureinrichtungen zukünftig mehr bedacht werden sollten.

 

Ich persönlich wünsche mir einfach etwas mehr Kommunikation. Es ist völlig in Ordnung eine Absage zu erhalten, sicher macht eine Zusage mehr Spaß, aber es passt halt nicht immer zusammen. Wirklich frustrierend aber ist es gar keine Antwort zu erhalten, auch nicht auf Nachfrage nach einer angemessenen Wartezeit, denn natürlich haben die Mitarbeiter von Museen und anderen Kultureinrichtungen viel zu tun, teilweise lange Arbeitszeiten und entsprechend nicht immer die Möglichkeit zeitnah auf eine Anfrage zu antworten.

In diesem Sinne möchte ich mich dem Schlusssatz von Angelika Schoder, Wera Wecker und Michelle vander Veen anschließen, die, ebenfalls 2015, in einem gemeinsamen Artikel unter dem Titel #KulturBlogger United | Statement zu erfolgreichen Kooperationen mit Institutionen schrieben: „Wir wissen, Blogger Relations sind nicht ganz einfach und es gibt vieles zu beachten. Wer aber den Schritt wagt, kann ein wichtiges Netzwerk bauen und viele neue Möglichkeiten entdecken, um ein Projekt auf kreative Art zu fördern und bekannt zu machen.“

 

 

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2 Antworten auf „Relations aus der Sicht eines Bloggers“

  1. Liebe Anja,

    vielen Dank für das Verlinken, was mich daran erinnert hat, dass da doch einige neue Artikel in der Warteschleife schlummern, die ich mal schreiben muss. Gott sei Dank ist seit 2015 einiges passiert und nicht mehr alles hat Gültigkeit, jedoch habe ich den Eindruck, dass sich nach wie vor nicht so richtig viel getan hat in den meisten Institutionen. Es gibt die, die auch schon vor zwei Jahren dem Thema offen gegenüber standen und heute noch besser und erfahrener darin sind und solche, die sich bis heute nicht so richtig für die neuen Medien und ihre Akteure öffnen. Was aber natürlich auch an den Strukturen und gewissen Sachzwängen der Branche liegt.

    Umso wichtiger, dass immer mal wieder jemand das Thema verbloggt!

    Viele Grüße
    Michelle

    1. Liebe Michelle,

      danke für Deinen Kommentar und ich bin gespannt auf Deine neuen Beiträge, die da schlummern.
      Ich stimme Dir vollkommen zu, dass sich in den letzten Jahren viel bzgl. Kulturinstitutionen und Internet, vor allem auch in Bezug auf Blogger-Relations getan hat, aber leider eben, wie Du auch angemerkt hast, nicht überall und man eben manchmal nicht einmal eine Antwort auf eine Anfrage erhält, was ich persönlich sehr schade und auch ein wenig demotivierend finde. Gerade deswegen finde ich es auch wichtig das Thema immer mal wieder anzusprechen, nach dem Motto „steter Tropfen höhlt den Stein“.
      Mir persönlich jedenfalls ist eine nette Absage bedeutend lieber als gar keine Reaktion und nach einigen Jahren Museumsarbeit denke ich mir, dass das möglich sein müsste.

      Herzliche Grüße
      Anja

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