11. Sonntagsspaziergang: Schlosspark Schwetzingen, Teil 3

Jetzt ist aus dem Sonntagsspaziergang doch tatsächlich mal ein Montagsspaziergang geworden. Aber nun gut Ostermontag ist ja fast wie ein Sonntag, also kommen Sie hoffentlich trotzdem mit und folgen mir zum inzwischen dritten Mal in den Schlosspark von Schwetzingen.
Heute zieht es uns in den hinteren Teil des Parks und es gibt eine Menge Wasser zu sehen und auch ein paar Götter sind wieder mit von der Partie, ebenso wie zwei Flüsse, aber dazu später mehr.

Plan Schwetzingen Zeyher
Gartenplan Zeyhers mit hinterem Teil des Schwetzinger Schlossparks

Beim letzten Mal hatten wir uns die Moschee angeschaut und den Tempel der Minerva. Wenn wir nun von dort aus weiter gen Ende des Parks gehen, dann finden wir hinter einer kleineren Wasserfläche, die sich hinter der Moschee erstreckt, den nächsten Tempel, der einer antiken Gottheit geweiht ist. In diesem Fall ist mal ein männlicher Gott und auch als Planet ist uns der Herr bekannt „mit einem Durchmesser von knapp 4880 Kilometern [ist er] der kleinste, mit einer durchschnittlichen Sonnenentfernung von etwa 58 Millionen Kilometern der sonnennächste und somit auch schnellste Planet im Sonnensystem. Er hat mit einer maximalen Tagestemperatur von rund +430 °C und einer Nachttemperatur bis −170 °C die größten Temperaturschwankungen aller Planeten.“ Das sagt zumindest Wikipedia über ihn. Und? Haben Sie ihn erkannt?

 

 

Merkurtempel Zeyher
Zeichnung des Merkurtempels aus Zeyher „Schwetzingen und seine Gartenanalgen“

Der Merkurtempel im Schlosspark von Schwetzingen

Für alle, die die mit der Astronomie nicht ganz so vertraut sind: Der Herr – oder besser gesagt der Gott – dessen Tempel wir uns nun anschauen ist Merkur, wobei richtiger wäre eigentlich Mercurius, denn so nannten ihn die Römer wirklich. Abgeleitet wird sein Name vom Wort merx für Ware. Er war also ein Händler dieser Gott. Sein Feiertag war der 15. Mai, den könnten wir also bald feiern und uns damit vielleicht einen guten Handel verschaffen. 😉
Übrigens haben die Römer auch diesen Gott – wie so viele andere auch – von den Griechen … nun … entlehnt (um es höflich zu formulieren). Das Vorbild des römischen Mercurius war der griechische Hermes (ähm, nein, nicht die Firma, wobei die ihren Namen durchaus nicht ganz zu Unrecht von diesem griechischen Gott entlehnt hat). Hermes war bei den Griechen nicht nur der Gott der Händler und übrigens auch der Diebe, er war auch der Götterbote. Passend dazu trug er Flügelschuhe, damit geht’s einfach schneller, außerdem einen geflügelten Helm und den Hermesstab. Oftmals trägt er auch noch einen Geldbeutel mit sich herum, man braucht ja Wechselgeld.

Merkurtempel
Merkurtempel Schwetzinger Schlosspark
Foto: A. Kircher-Kannemann

Interessant ist übrigens, dass zu römischer Zeit der gute alte Mercurius ausgerechnet hier bei uns, also bei den Germanen und Kelten, höher verehrt wurde als in Rom selber. Was auch immer uns dies über unsere Urahnen sagen soll.
Erhebt sich nun also die Frage wie Nicolas de Pigage (in diesem Fall gemeinsam mit Sckell) auf den Gedanken verfiel ausgerechnet diesem Gott einen ruinösen Tempel im Schlosspark zu errichten; denn im Gegensatz zu den anderen Tempeln, die wir schon gesehen haben oder die uns auf der anderen Seite des Parks erwarten werden, ist der Tempel des Merkur von vornherein als Ruine geplant und gestaltet worden. Von ihrem Obergeschoss aus hat man einen herrlichen Blick auf Moschee und den Park mit einem kleinen Weiher.

Merkurtempel
Merkurtempel
Foto: A. Kircher-Kannemann

Vielleicht war die Widmung der Ruine an Merkur einfach eine Art von Verzweiflungstat, denn geplant war dieses Areal ursprünglich vollkommen anders. Es sollte eine ägyptische Anlage werden mit einem Grabmonument des Königs Sesostris. Dieses Projekt allerdings zerschlug sich, so kam es zur römischen Tempelruine, gebaut aus Tuffstein, ruhend auf einem Felsengewölbe, das an seinen Eingängen mit Motiven aus dem Mythos des Merkur versehen ist.

Rhein und Donau
großer See im Schwetzinger Schlosspark mit Statuen für Rhein und Donau
Foto: A. Kircher-Kannemann

Der große See im Schwetzinger Schlosspark

Wenn wir uns nun von Merkurtempel aus nach rechts wenden, dann sehen wir einen großen Weiher. Ursprünglich hatte der „große See“ eine andere Form, wie wir noch dem Plan von Zeyher entnehmen können und wurde „großes Bassin“ genannt, wobei schon Zeyher von einer möglichen Umgestaltung sprach. Er schrieb über diesen Teil des Parks:

„Dieses Bassin ist ein längliches Viereck, hat eine ganz regelmäßige Form, und ist mit gehauenen Steinen eingefaßt. Nur in der Mitte desselben auf der Abendseite ist ein Theil unregelmäßig ausgegraben, und geschmackvoll geordnete Gruppen von Trauerweiden, Ellern und andern Bäumen, zieren seine Ufer und geben ihm ein romantisches Ansehen.
Diese kleine Abweichung von der Regelmäßigkeit des Ganzen ist wohl ein Beweis, daß man gleich Anfangs die Absicht hatte, dieser Wasser-Parthie eine schönere Gestalt zu geben.
Die Umschaffung ist nicht schwer, nur muß sie mit Ueberlegung und Einsicht gemacht, und dabei Rücksicht auf die umgebenden Anlagen genommen werden; mit diesen muß man diesen großen Kanal in Verbindung bringen; dann wird diese Parthie einen eigenthümlichen Reitz erhalten, und mit zu den schönsten des Gartens gezählt werden können.“

großer See Schwetzingen
Blick über den grossen See im Schwetzinger Schlosspark
Foto: A. Kircher-Kannemann

Recht hatte er übrigens wirklich der Herr Zeyher, es ist heute wirklich eine der schönsten, romantischsten und interessantesten Teile des Parks.
Es war also gut, dass eben jener Gartendirektor seinen Plan in den Jahren 1823-1824 umsetzen konnte, die Umfassungsmauern abtragen ließ und so dem Bassin den Anschein eines natürlichen Sees verlieh. Die Mauer, die man heute im Mittelteil des östlichen Ufers sehen kann stammt aus dem Jahr 1928, ebenso wie die Freitreppe.

Blick auf Schloss Schwetzingen
Blick auf Schloss Schwetzingen über den grossen See
Foto: A. Kircher-Kannemann

Steht man an neben diesem See, so ist das erste, das ins Auge fällt das Götterpaar, das sich vor dem See befindet. Sie sind reichlich monumental die beiden und stellen den Rhein und die Donau dar. Zwischen ihnen hindurch spiegelt sich bei schönem Wetter das Schloss im See – ein irdisches Schloss getragen von Göttern des Wassers. … Sie merken, ich gerate ins Schwärmen 😉

Chinesische Brücke
Die Chinesische Brücke im Schwetzinger Schlosspark
Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Chinesische Brücke im Schlosspark von Schwetzingen

Wir kamen aus Richtung des Merkurtempels und haben den See, das ehemalige Bassin nun halb umrundet, haben uns die beiden Götter Rhein und Donau angeschaut und gehen nun ein Stückchen weiter ans Nordufer des Sees.
Hier finden wir eine ausgesprochen interessante Brücke, die vor allem für Liebespaare eine große Bedeutung hat.
Eigentlich ist sie die „chinesische Brücke“, bestehend aus vielen – genau genommen ausgesprochen vielen – Holzbohlen, die Treppenartig ineinander geschichtet sind. Sie sollten vernünftiges Schuhwerk tragen, wenn Sie diese Brücke überqueren wollen, mit Flipflops oder Highheels würde ich persönlich es nicht probieren wollen.
Und offenbar sind schon reichlich viele Leute auf dieser Brücke gestolpert, obwohl sie regelmäßig erneuert und repariert wird, um nicht noch zusätzliche Stolperfallen entstehen zu lassen.
Der Volksmund jedenfalls nennt diese Brücke auch „Lügenbrücke“, vor allem weil hier schon so viele Liebesschwüre abgelegt wurden, die anschließend gebrochen wurden, wie wohl sonst nirgends in Schwetzingen und Umgebung (es ist aber auch ein herrlich romantischer Ort, da kann man eigentlich gar nicht anders).
Ja und außerdem sagt der Volksmund, dass wir Frauen genau hier unsere (angehenden) Männer testen können. Wie? Ganz einfach: Er soll die Augen schließen und über die Brücke laufen, stolpert er nicht, dann ist die Liebe echt, stolpert er, dann sollte man seine Wahl wohl noch einmal überdenken.
Ich ahne es, Sie wollen jetzt wissen, ob da wohl was dran ist. Nun: ich habe meinen Göttergatten noch vor der Hochzeit über eben jene „Lügenbrücke“ geschickt und … er ist nicht gestolpert und wir sind seit … (nein, das verrate ich jetzt nicht 😉 ) vielen Jahren glücklich verheiratet. Wenn Sie mich also fragen: Die Brücke lügt nie!

Rhein, Donau Merkurtempel
Rhein, Donau und Merkurtempel im Schwetzinger Schlosspark
Foto: A. Kircher-Kannemann

Und damit lassen wir es dann heute auch bewenden. Wir gehen jetzt langsam zurück zum Schloss, genießen noch einen schönen Kaffee und treffen uns nächsten Sonntag wieder, um den Rest des Schwetzinger Parks zu erkunden.

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