12. Sonntagsspaziergang – Schwetzingen, Teil 4

Der Mai ist gekommen – ja und die Bäume schlagen aus und wie sie das tun, das schauen wir uns heute bei unserem finalen #Sonntagsspaziergang, der schon wieder mal ein Montagsspaziergang geworden ist, im Schwetzinger Schlosspark an.

Passend zum 1. Mai sind es frühlingshafte Orte, die wir uns heute im Schwetzinger Schlosspark anschauen werden, hier auf der rechten Seiten des Parks (vom Schloss aus betrachtet). Viel Botanik, Wasser, Vögel und der Apollo-Tempel erwarten uns. Aber lassen Sie uns erst einmal loslaufen.

Sie erinnern sich an unseren letzten Spaziergang? Wir endeten am großen See, genauer gesagt an der Chinesischen Brücke, die auch Lügenbrücke genannt wird. Von dort aus laufen wir nun wieder in Richtung Schloss und zwar in gerade Linie. Hier empfängt uns zunächst das Badehaus.

Badehaus Schwetzingen
Eingang zum Badehaus im Schwetzinger Schlosspark – Foto: A. Kircher-Kannemann

Dieses auf den ersten Blick eher etwas unscheinbar anmutende Gebäude geht auf eine Idee Kurfürst Carl Theodors persönlich zurück. Tja, manchmal konnte der Mann einfach nicht umhin sich einzumischen. Das hat er hier getan und teilte seinem Architekten – Nicolas de Pigage (wer hätte es auch sonst sein können) – mit, dass er gerne einen kleinen intimen Rückzugsort in seinem Schwetzinger Park hätte. Genau den hat Pigage hier geschaffen.

 

Das Badehaus im Schwetzinger Schlosspark

Vor dem Badehaus empfängt den Besucher ein freier Platz mit einem interessanten kleinen Wasserspiel, alles wirkt sehr ruhig, beinahe unspektakulär, beinahe modern und fast so, als wäre es erst später in den Park hineingebaut worden, aber dem ist nicht so. Vielleicht liegt es auch daran, dass Viele behaupten, dass dieses im Vergleich zum Rest des Parks schon beinahe unscheinbare Gebäude die „wertvollste architektonische Schöpfung unter den Bauten des Schwetzinger Gartens“ darstellt.

Wie auch immer, es fällt sofort ins Auge, auch dem architektonisch nicht so sehr bewanderten Besucher, dass dieses Gebäude außerordentlich modern anmutet: In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein ovaler Raum an den Eingangshallen in der Form eines Halbkreises anschließen. Dieser ovale Salon ist prunkvoll ausgestattet mit vergoldeten Skulpturen, die die vier Jahreszeiten darstellen. Sie wurden von Konrad Linck (1730-1793) geschaffen, der als kurpfälzischer Hofbildhauer bekannt wurde. Zuvor hatte er sich bereits einen Namen gemacht, als er an den Skulpturen des Schlosses in Sanssouci mitarbeitete. Aber nicht nur große Skulpturen waren sein Metier, auch kleine Formen setzte er groß in Szene und zwar in Form von Porzellan, nachdem er von Carl Theodor im Jahr 1762 an die Frankenthaler Manufaktur berufen worden war.

Von diesem ovalen Salon aus, der von einem „Aurora und die fliehende Nacht“ darstellenden Deckengemälde quasi bewacht wird, gelangt man zu beiden Seiten jeweils in ein quadratisches Zimmer. Es sind aber lediglich Durchgangszimmer an die sich jeweils zur rechten und zur linken rechteckige Räume anschließen. Dem Geschmack und der Mode der Zeit entsprechend findet sich hier, gen Osten, ein Chinesisches Zimmer, ausgestattet mit herrlichen Chinatapeten.

Arkadien hingegen ist das Thema des gegenüberliegenden Schreibzimmers, ausgestattet mit Landschaftsveduten Ferdinand Kobells (1740-1799), der sich als Landschaftsmaler, Kupferstecher und Radierer einen Namen machte.

Badehaus Schwetzingen
Baderaum mit Gipsvorhang – Foto: A. Kircher-Kannemann

Geht man auf die westliche Seite der kleinen Villa, so findet man zunächst einen Ruheraum, auch er ist mit Chinoiserien ausgestattet. Das absolute Highlight des Hauses aber beherbergt jener Raum, den wir nun als letzten betreten. Sie haben sicher auch immer wieder von diesen Geschichten gehört, dass es in der Frühen Neuzeit (und in der befinden wir uns hier ja) nicht so sehr weit her war mit der Hygiene, ja, dass die Menschen Wasser (zumindest zum Waschen) nahezu gänzlich ablehnten und sich lieber mit Parfüms übergossen. Auch Sie haben sicherlich gelesen und vielfach gehört, dass es in den Schlössern überall auf dem europäischen Kontinent schrecklich stank, dass die hygienischen Zustände unhaltbar waren und wir heute ein solches Schloss (so denn eine Zeitreise möglich wäre) nurmehr mit Gasmaske und Gummihandschuhen betreten würden. …. Nun: Vieles an diesen Geschichten ist wahr, aber wie so oft im Leben hat auch diese Medaille zwei Seiten, denn es gab auch eine saubere Seite 😉

Eben diese saubere Seite finden wir hier: ein prunkvolles und prachtvolles Bad aus dem man selbst Aphrodite respektive Venus wohl nicht mehr herausbekommen hätte. Das tiefe Marmorbassin, die vier Schlangen, die als Wasserzuleitungen dienen, ein unglaublich echt und lebendig wirkender geraffter Vorhang, der eben nicht aus Stoff, sondern aus Gips gefertigt wurde und eine mit Halbedelsteinen und Spiegeln geschmückte Decke machen diesen Raum, zumindest für jede Badenixe, zu ihrem Lieblingsraum in diesem Parkgelände, wenn nicht sogar auf dieser Welt. 😊

Badehaus Schwetzingen
Decke des Baderaums im Badehaus Schwetzingen – Foto: A. Kircher-Kannemann

Übrigens: eine verkleinerte Version eben dieses Baderaumes findet sich auch im „Tochterschloss“ von Schwetzingen – in Schloss Benrath in Düsseldorf.

 

Zeichnung Zeyher Apollo Tempel
Zeichnung des Apollo Tempels aus Zeyher “Schwetzingen und seine Gartenanalgen”

Der Apollo-Tempel im Schlosspark von Schwetzingen

Wenn wir es irgendwie geschafft haben uns von diesem einfach traumhaft schönen Badehaus loszureißen (was mir persönlich immer ausgesprochen schwerfällt, ich bin nämlich bekennende Badenixe 😉), dann brauchen wir nur ein kleines Stück weiter zu gehen und treffen auf den Apollo-Tempel. Majestätisch auf einem kleinen Hügel, im besten Fall in Sonnenlicht gehüllt, empfängt uns dieser Tempel schon von Weitem.

Der Apollo-Tempel ist in eine größere Anlage eingebettet, die sicherlich zu den schönsten Partien des Schwetzinger Schlossparks gehört. Auch sie geht auf Nicolas de Pigage zurück und entstand in den Jahren 1761-1763.

Apollo Tempel
Unterer Teil des Apollo Tempels in Schwetzingen – Foto: A. Kircher-Kannemann

Es ist ein heiterer Rokokostil, den Pigage hier eingefangen hat. Nichts erinnert an die Modernität des Badehauses, einzig die teilweise englisch anmutende Art mit der Natur und ihrer Einbindung umzugehen, zeigt, dass die Zeit des Rokoko dann doch schon ihrem Ende entgegenging.

Vor dem Apollo-Tempel liegt ein Parterre, es ist von Sphinxen bewacht, die hier halbkreisförmig den Vorplatz des Tempels bewachen.

Der Tempel selbst steht auf einem kleinen künstlich angelegten Hügel. Die Basis des Tempels wird von einer Grotte gebildet. Mit ihren geheimnisvoll anmutenden Gängen bildet sie den Aufgang zum Licht, zur Kunst, die uns im oberen offenen Rundtempel empfangen.

Apollo Tempel Schwetzingen
Grotte unterhalb des Apollo-Tempels – Foto: A. Kircher-Kannemann

Nicht weniger als zwölf ionische Säulen tragen das Dach dieses Tempels. In der Mitte befindet sich die schlanke Gestalt des Gottes Apoll, jenes Gottes des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste. Er war der Sohn des Zeus und der Göttin Leto; der Zwillingsbruder der Artemis und jener Gott, dem das Heiligtum in Delphi geweiht war.

Apollo Statue
Statue des Apollo im gleichnamigen Tempel – Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Statue wurde von Peter Anton von Verschaffelt (1710-1793) geschaffen, einem flämischen Bildhauer und Architekten, der in Paris, Rom, London und später in Mannheim und eben in Schwetzingen, tätig war. Über die Statue erhebt sich eine gewölbte Kassettendecke von der herab die Sonne, das Symbol des Gottes Apoll, auf ihn herabscheint.

Verschaffelt hat sich übrigens mit dieser Apollo-Statue ein Denkmal gesetzt, allerdings kein gutes. Noch zu seinen Lebzeiten machten sich diverse Dichter und Besucher des Schlossparks über diesen Apoll lustig; so schrieb der deutsche Schriftsteller und Bibliothekar Wilhelm Heinse (1746-1803) dereinst jener „linke Gott“ habe einen „erbärmlichen Hintern“ und Friedrich Schiller (1759-1805) stellte fest, dass dieser Apoll die Leier „mit der Linken“ regiere und ergänzte „wen nimmt es noch wunder, daß er in diesem Revier immer so linkisch gespielt?“ Schiller lästert hier gleich zweimal, denn zum einen spricht er das „Problem“ an, dass Apoll hier tatsächlich als Linkshänder dargestellt wird (und die Älteren unter uns werden noch wissen, dass dies das „böse Händchen“ ist) und zum anderen, dass die kurpfälzischen Hofdichter wirklich nicht zur Crème de la Crème ihrer Zeit zählten.

Verschaffelt selbst soll diese Kritik seiner Zeitgenossen allerdings mit Humor genommen haben. Es geht das Gerücht er habe auf all diese bissigen Bemerkungen stets geantwortet, dass der Gott Apoll ja wohl erbärmlich sei, wenn er nicht mit beiden Händen die Leier spielen könne.

 

Apollo Tempel Schwetzingen
Kassettendecke im Apollo-Tempel Schwetzingen – Foto: A. Kircher-Kannemann

Der Tempel der Botanik im Schwetzinger Schlosspark

Wenn wir es endlich geschafft haben uns vom strahlenden Apollo-Tempel, seinen Geschichten und der übrigens herrlichen Aussicht, die man von dort hat, zu verabschieden, dann spazieren wir jetzt weiter ganz in den nordwestlichen Teil des englischen Teils des Schwetzinger Schlossparks. Hier können wir den Mai, den Frühling so richtig feiern und zwar am Tempel der Botanik.

Verglichen mit dem hellen und leuchtenden Apoll-Tempel wirkt er allerdings er dunkel, verschlossen und schwerfällig.

Tempel der Botanik Schwetzingen
Zeichnung des Tempels der Botanik aus Zeyher “Schwetzingen und seine Gartenanalgen”

Auch er wurde von Nicolas de Pigage entworfen und gebaut und besteht aus einem massiven Zylinder. In der Literatur findet man teilweise die Geschichte er solle in seiner Form einem alten Eichenstamm gleichen. In seiner Massivität steht er einem solchen auf jeden Fall in nichts nach.

Fenster hat dieser Tempel nicht, nur eine Tür durch die ein wenig Licht hineingelangt. Die Tür wird, wie auch schon am Apollo-Tempel gesehen, von Sphinxen flankiert.

Tempel der Botanik
Eingang zum Tempel der Botanik – Foto: A. Kircher-Kannemann

Im Inneren des Tempels finden sich eine Figur der Göttin Botanik und vier Bildnisse von Naturforschern und zwar von Plinius, Theophrast, Tournefort und Linné. Über ihren Bildnissen sind Darstellungen der vier Jahreszeiten und der zwölf Tierkreiszeichen angebracht.

Verglichen mit dem, was wir zuvor gesehen haben, wirkt dies eher unspektakulär. Wir sind also recht schnell fertig und können nun an den äußersten Rand des Parks gehen.

Sphinx Botaniktempel
Sphinx vor dem Tempel der Botanik – Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Die Ruine der Römischen Wasserleitung (Wasserkastell) im Schlosspark von Schwetzingen

Unser letzter Halt im Schwetzinger Schlosspark ist wieder eine Ruine. Diesmal allerdings zeigt diese Ruine keinen Tempel, sondern eine Wasserleitung, eine Römische Wasserleitung um genau zu sein. Sie grenzt den Park von der Ortschaft Schwetzingen ab und bildet den nördlichen Abschluss der englischen Gartenpartie.

Wasserkastell Schwetzingen
Zeichnung der „römischen Ruine“ aus Zeyher “Schwetzingen und seine Gartenanalgen”

Aus Tuffstein wurde das Wasserkastell gebaut und es ist ein herrlich romantischer und gleichzeitig mythischer Ort, der jeden Besucher sofort in seinen Bann zieht. Teilweise von Efeu überwuchert und leicht verwildert wirkend, erweckt die Aquädukt-Ruine den Anschein als sei sie wirklich schon mindestens 2000 Jahre alt und einfach hier vergessen worden.

Wasserkastell Schwetzingen
Bachlauf unterhalb des Wasserkastells im Schwetzinger Schlosspark – Foto: A. Kircher-Kannemann

Übrigens: das kleine Wasserkastell enthält eine ganz besondere Sehenswürdigkeit, die man hier nun wahrlich nicht vermuten würde – es ist eine Knochenmühle! Just hier wurden dereinst die Knochen zermahlen, die im kurfürstlichen Schlachthaus anfielen. Irgendwie war er dann doch wieder ein Pragmatiker unser Carl Theodor. 😉

Römisches Aquädukt als Grenze des Schlossparks in Schwetzingen – Foto: A. Kircher-Kannemann

 

Wir haben es nun geschafft! Wir haben alle großen und wichtigen Bauwerke im Schwetzinger Schlosspark besucht.

Obelisk Schwetzingen
Obelisk am Wasserkastell – Foto: A. Kircher-Kannemann

Sie müssen nun aber nicht traurig sein, vor allem dann nicht, wenn Sie dort tatsächlich hinfahren. Fertig mit der Besichtigung sind Sie nämlich nun eigentlich noch nicht – vertrauen Sie mir. Schauen Sie doch einfach mal hinter die ein oder andere Hecke, sehen Sie genau in die Baumgruppen hinein, Sie werden an unglaublich vielen Stellen, zum Teil recht gut versteckt, noch größere und kleinere Skulpturen finden.

Und wenn ich Ihnen noch einen Rat mit auf den Weg geben darf: Laufen Sie nicht nach Plan durch diesen Schlosspark! Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann nehmen Sie sich zwei bis drei Tage Zeit und lassen Sie sich vom Park leiten. Das klingt vielleicht komisch und so als hätte ich gerade ein paar esoterische Bücher zu viel gelesen (habe ich übrigens nicht, seien Sie beruhigt 😉).  Diesen Rat gab mir vor vielen Jahren jemand, der diesen Park sehr gut kannte und sich intensiv mit Pigage und mit der Anlage solcher Parks beschäftigt hatte. Ich habe am Anfang nicht verstanden was er meinte, denn verkopfte Wissenschaftlerin, die ich nun einmal bin, muss bei mir natürlich alles nach Plan gehen, denn sonst sieht man ja nicht alles und überhaupt …

Bei meinem – ich glaube – dritten Besuch war es, als ich es irgendwie schaffte mich von dieser verkopften Vorgehensweise zu lösen. Wissen Sie was das Lustige war? Ich habe ein paar Statuen und kleinere Darstellungen im Park gefunden, die ich vorher nie gesehen oder zumindest nicht wahrgenommen hatte. Soviel also zur Sinnhaftigkeit der logisch verkopften Vorgehensweise.

Plan Schwetzingen Park
Plan des Schwetzinger Schlossparks aus „Beschreibung der Gartenanlagen zu Schwetzingen, hg. v. Zeyher und Roemer

Ich wünsche Ihnen jetzt auf jeden Fall viel Spaß bei Ihrem Besuch im Schwetzinger Schlosspark und hoffe, dass wir uns demnächst auf einem meiner nächsten Sonntagsspaziergänge wiedertreffen. Mal schauen wohin es mich dann zieht.

Au revoir!

 

 

 

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2 Antworten auf „12. Sonntagsspaziergang – Schwetzingen, Teil 4“

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