Über Wirte, Gäste und den Knigge – die Tischzucht des Adolph Freiherr von Knigge

Adolph Freiherr Knigge (1752-1796)

Wir sind angekommen bei der, zumindest für Deutsche, bekanntesten Tischzucht überhaupt: dem Knigge, benannt nach Adolph Freiherr von Knigge. Dabei ist „der Knigge“ als solcher viel mehr als eine Tischzucht, er ist eine Benimmregel, die im Grunde alle Bereiche des Lebens umfasst und dazu gehört eben auch das Benehmen bei Tisch.

 

Adolph Freiherr von Knigge – adeliger Spross mit trauriger Kindheit

Der Mann, der hinter dieser umfangreichen Benimmregel steckt war „ein Spross der uradligen niedersächsischen, allerdings verarmten Adelsfamilie Knigge“, wie es bei Wikipedia heißt. Trotz der eher armen Verhältnisse wuchs der a. 16. Oktober 1752 geborene „Spross“ natürlich standesgemäß auf und wurde auch so erzogen, wie es sich für adelige Verhältnisse im 18. Jahrhundert gehörte, zumindest bis zu seinem 14. Lebensjahr. Danach allerdings gestaltete sich sein Leben doch eher kompliziert. Seine Mutter war gestorben, als er 11 Jahre alt war und mit 14 verlor er seinen Vater. Da war das „normale“ Leben eines adeligen Knaben erst einmal vorbei, denn anstelle von Geld und Gut erbte er nur Schulden. Das Anwesen der Familie in Bredenbeck fiel an die Gläubiger und Adolph blieb einzig eine eher magere jährliche Rente von 500 Reichstalern. „Über Wirte, Gäste und den Knigge – die Tischzucht des Adolph Freiherr von Knigge“ weiterlesen

Vom Tischdienen und der Vermahnung an die Kinder – Tischzucht von Johann Wilhelm Simler

Johann Wilhelm Simler "Teutsche Gedichte" Deckblatt

Mit Johann Wilhelm Simler und seiner speziell für Kinder gedachten Tischzucht sind wir endgültig so richtig in der Frühen Neuzeit angekommen. Caspar Scheidt war ja bereits ein Vertreter dieser Epoche, genauso wie Wallenstein. Aber während Scheidts Tischzucht eine grobianisch ironische war, galt die auf Betreiben Wallensteins entstandene Tischzucht einzig seinen Offizieren, die mit ihm am erzherzoglichen bzw. kaiserlichen Hof weilten. Die hier vorliegende Tischzucht von Johann Wilhelm Simler jedoch wendet sich an Kinder und damit letztlich auch an deren Eltern, hat also ein deutlich breiteres und auch anderes, nämlich nicht nur adeliges Publikum, im Blick. „Vom Tischdienen und der Vermahnung an die Kinder – Tischzucht von Johann Wilhelm Simler“ weiterlesen

Von blankem Zeug und vom Humpiren – Wallensteins Tischzucht

Reiterbild Wallensteins, Kupferstich ohne Jahresangabe. Plattengröße des Originals 35, 3 x 26,6 cm Inschrift (nach Auflösung der Abkürzungen): ALBERTUS DEI GRATIA DUX FRIDLANDIAE SACRAE CAESAREAE MAIESTATIS CONSILIARIUS BELLICUS, CAMERARIUS, SUPREMUS COLONELLUS PRAGENSIS ET EIUSDEM MILITIAE GENERALIS

Eine Tischzucht von Wallenstein? Etwa der Wallenstein, jener General aus dem Dreißigjährigen Krieg. Jener Mann, der der Nachwelt einmal als Held und einmal als skrupelloser Karrierist und Kriegsunternehmer gilt?

Ja, genau dieser Wallenstein, der eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein bzw. auf Tschechisch Albrecht Václav Eusebius z Valdštejna hieß, hat uns neben vielen Geschichten rund um sein Leben auch eine Tischzucht hinterlassen. Wobei diese Tischzucht eigentlich auch wieder gar nicht von ihm stammt, sondern von Erzherzog Ferdinand. Jener Ferdinand, geboren am 13. Juli 1608 in Graz war von Geburt Erzherzog von Österreich und seit dem Tod seines Bruders Johann Karl im Jahr 1619 auch designierter Thronfolger seines Vaters Ferdinand II. (1578-1637), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. „Von blankem Zeug und vom Humpiren – Wallensteins Tischzucht“ weiterlesen

Von groben Sitten und unhöflichen Gebärden – die Tischzucht des Caspar Scheidt

Caspar Scheidt Grobianus Tischzucht

Caspar Scheidt oder auch Kaspar Scheid, manchmal auch Scheyt, der Schreibweisen gibt es so einige, wie so oft bei Namen der Frühen Neuzeit und des Mittelalters.

Wir sind inzwischen in der Mitte des 16. Jahrhunderts angekommen mit den Tischzuchten und eigentlich sollte man meinen, dass man nun über die Autoren der Texte doch einiges sagen kann und zumindest ihre Lebensdaten kennt und ein wenig über ihren Lebensweg erzählen kann (bei Hans Sachs etwa war dies ja auch so, ebenso bei Konrad Bollstatter und Clara Hätzlerin). Aber es ist weit gefehlt, wenn man meint, dass dies für alle Autoren jener Zeit Gültigkeit hat. Auch in der Mitte des 16. Jahrhunderts gibt es durchaus noch Menschen, die zwar eine ganze Zahl von Texten hinterließen aber selbst mit ihrer Biographie ein mehr oder minder großes Rätsel darstellen. „Von groben Sitten und unhöflichen Gebärden – die Tischzucht des Caspar Scheidt“ weiterlesen