Geschichte – Definition und Gedanken

Geschichte, ein endloses Thema, ein breites Fach, ein weites Feld, ein stets im Munde geführter Begriff.
„Unter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter zeitlichen Wandels und dessen Auswirkungen auf die eigene Gegenwart und Zukunft zu orientieren.

        Im engeren Sinne ist Geschichte die Entwicklung der Menschheit, weshalb auch von Menschheitsgeschichte gesprochen wird (im Unterschied etwa zur Naturgeschichte). In diesem Zusammenhang wird Geschichte gelegentlich synonym mit Vergangenheit gebraucht. Daneben bedeutet Geschichte aber auch die Betrachtung der Vergangenheit im Gedenken, im Erzählen und in der Geschichtsschreibung. Forscher, die sich der Geschichtswissenschaft widmen, nennt man Historiker.“

 

      So heißt es in derWikipedia

        Geschichte, das ist also Vergangenheit, etwas, das gewesen ist, das vergangen ist und das uns aber offenbar noch immer nicht loslässt, das seine Schatten wirft, uns beeinflusst und bewegt. Denn irgendwie ist sie, diese „Geschichte“ doch auch immer irgendwie ein Teil von uns. Sie ist das, was unsere Urahnen, unsere Vorfahren erlebten, was sie gestaltet und vollbracht haben und das letztlich dazu führt, dass wir so sind, wie wir nun einmal sind. Geschichte ist also immer auch ein Teil der Gegenwart.
        Ich bin übrigens eine von den Menschen, die in dieser Wikipedia-Definition im letzten Satz genannt werden: eine Forscherin, die sich der Geschichtswissenschaft widmet. Schon deshalb ließ es sich gar nicht verhindern hier auf meinem Kulturblog dauerhaft auch eine Kategorie „Geschichte“ einzuführen. Eine Kategorie, die es mir erlaubt über das zu schreiben, was nicht nur mein Beruf ist, sondern vor allem das, was ich schon immer machen wollte: mich mit Geschichte beschäftigen.
      Theodor Mommsen
      Theodor Mommsen by Louis Jacoby (1828—1918) (Deutsche Fotothek, Nr. df_0078580) [Public domain], via Wikimedia Commons

      Geschichte als Wissenschaft

      „Geschichte ist nicht „exakte Wissenschaft“ – sie ist eine humanistische Disziplin. Ihr Hauptgegenstand sind Menschen, und Geschichte ist, wie Thukydides vor langer Zeit sagte, das Studium nicht von Umständen, sondern von Menschen in Umständen. Wer das vergißt, weil er in sein eigenes spezielles Interessengebiet verliebt ist oder fasziniert von den modellbildenden Aktivitäten und Idealtypen der Behaviouristen, kann nur als einfältig bezeichnet werden.“ 1
      Zwei Sätze des 2005 verstorbenen Historikers G. A. Craig, die zumindest für mich immer sehr prägend waren. Diese Sätze, beherzigt man sie, bewirken unweigerlich immer eine gewisse Erdung, sie helfen sich nicht in Theoriemodellen zu verstricken und den Blick auf den eigentlichen Ausgangspunkt des Ganzen zu verlieren: Den Menschen!

        • Geschichte, das ist Menschheitsgeschichte, von Menschen gemacht, von Menschen erforscht und von Menschen aufgeschrieben. Man kann sich zwar um Objektivität bemühen, man muss es sogar tun, aber man wird sie nie erreichen, denn Menschen funktionieren nun einmal nicht nach mathematischen oder naturwissenschaftlichen Regeln, sondern nur nach individuellen Ideen, Vorstellungen und vor allem Emotionen.

       

        Deshalb ist die Geschichtswissenschaft zwar sehr wohl eine Wissenschaft, denn etwa der Umgang mit Quellen, die Methoden ihrer Auswertung sind eine Wissenschaft, funktionieren nach wissenschaftlichen, streng festgelegten Regeln und es bedarf durchaus einiger Jahre des Lernens und Einübens, bis man diese beherrscht, aber Geschichte ist keine exakte Wissenschaft.
      Clio Muse
      Die Muse Clio
      Anonymous, French-Italian, 17th century, Engraving; Sheet (trimmed): 8 11/16 × 6 7/8 in. (22 × 17.4 cm) Mount: 8 11/16 in. × 6 15/16 in. (22 × 17.7 cm) The Metropolitan Museum of Art, New York, The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1949 (49.95.316) 

      Geschichte als Kunst

      Vielfach wird die „Geschichte oder Geschichtswissenschaft“ auch als eine Form der Kunst bezeichnet. wohl eben, weil sie keine der exakten Wissenschaften ist und weil sie nicht wirklich ein exaktes Abbild der Vergangenheit liefert, sondern eine Rekonstruktion versucht. Damit hat die Darstellung der mit wissenschaftlichen Methoden erzielten Ergebnisse auch immer ein künstlerisches Element, es ist immer auch eine Narration – eine Erzählung.

        • Dass diese Einschätzung gar nicht so fehlgeleitet ist, erkennt man nicht zuletzt daran, dass die „Geschichtsschreibung“ neben der Astronomie die einzige Wissenschaft ist, die eine Muse ihr Eigen nennt: „Klio“ ist es, die Rühmende, die Tochter des Zeus und der Mnemosyne, dargestellt mit Papyrusrolle und Griffel. Ein zweiter Hinweis ist die Tatsache, dass der zweite Nobelpreis für Literatur, im Jahr 1902, ausgerechnet an einen Historiker vergeben wurde und das für ein historisches Werk: Es war Theodor Mommsen, der diesen Preis erhielt mit den Worten „dem gegenwärtig größten lebenden Meister der historischen Darstellungskunst, mit besonderer Berücksichtigung seines monumentalen Werkes ‚Römische Geschichte‘“.

      2

        • Wir HistorikerInnen sind also auch ErzählerInnen, DarstellungskünstlerInnen, auf wissenschaftlicher Basis.

       

          Darum soll es hier gehen, um erzählte Geschichte (auf wissenschaftlicher Basis, versteht sich

      😉

        ).

       

      1. A. Craig: Der Historiker und sein Publikum. Rede am 7. November 1981 im Festsaal des Rathauses zu Münster, hg. vom Presseamt der Stadt Münster, S. 56 f.
      2. Zitiert nach Wikipedia: Liste der Nobelpreisträger für Literatur.
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