Nachruf: Zum Tod von Gerhard Schormann

Er war für mich sicher einer der prägendsten Lehrer, insbesondere weil er es war, der mich auf mein späteres Dissertationsthema brachte: Gerhard Schormann.
Geboren im Jahr 1942 studierte er Geschichte und Philosophie an den Universitäten Münster und Bonn. 1969 erfolgte die Promotion und ab 1972 war er Assistent am Historischen Seminar der Universität Düsseldorf am Lehrstuhl für die Geschichte der Frühen Neuzeit wo er 1981 auch habilitierte und fünf Jahre später, im Jahr 1986 zum außerplanmäßigen Professor berufen wurde.
Er war der wohl ungewöhnlichste all meiner Professoren im Fachbereich Geschichte. Da begann schon einmal eine Vorlesung indem er ohne einen vorherigen Kommentar auf dem Tisch sitzend aus Grimms Märchen vorlas, denn es ging um die Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit. Oder er kam in eine Übung herein, wedelte mit einem verschmiert wirkenden Blatt Papier auf dem eine altertümliche Schrift nur grob zu erahnen war und fragte in die Runde, ob wir denn wohl eine Ahnung hätten warum dieses Papier so aussähe wie es nun einmal aussähe. Die Erklärung folgte nach einer Weile des Rätselratens: Das Papier war blutverschmiert, es stammte aus dem 30-jährigen Krieg und befand sich in der Kleidung von Gottfried Heinrich zu Pappenheim als er verwundet wurde, es ist das Hilfegesuch Wallensteins …

Hilfegesuch Wallensteins
Wallensteins Hilfegesuch an Pappenheim 16. Nov. 1632. Volltext auf de.wikisource.org: Wallenstein Hilfegesuch an Pappenheim 1632. (private.addcom.de) [Public domain], via Wikimedia Commons
Geschichte in Geschichten zu erzählen, das war ihm wichtig. Er wusste, und das sagte er auch immer wieder, dass es sich mit Hilfe von Emotionen leichter lernt, dass man mehr behält und am Ende auch mehr Spaß an dem hat was man tut. Diesen Spaß, die Begeisterung, das war es, was Gerd Schormann immer an seine Studierenden vermittelt hat. Da passte es auch, dass er sich vorstellte mit den Worten „Ich bin der Gerd.“ Bei ihm hieß es nicht in universitären Hierarchien zu denken und zu lernen, sondern mit Begeisterung und auf Augenhöhe gemeinsam an einem Thema zu arbeiten.
Für ihn war es das Selbstverständlichste der Welt mir eine Hofordnung zu überlassen, die er irgendwann einmal aus Spaß und Interesse transkribiert hatte obwohl Hofordnungen nun wirklich nicht sein Thema waren.
Sein Thema das waren primär die Hexenprozesse der Frühen Neuzeit. Sie waren es, die über Jahrzehnte hinweg den Mittelpunkt seiner Forschung bildeten und die ihm bei so manchem den Spitznamen „Hexen-Schormann“ einbrachten, zumal da er es war, der die Hexenkartothek Heinrich Himmlers wiederentdeckte und sie für die Forschung wieder nutzbar machte.
Die letzte große Monographie, die Gerhard Schormann veröffentlichte, betraf aber sein zweites Schwerpunktthema, den Dreißigjährigen Krieg und erschien in Band 10 der Neuausgabe des Handbuchs der Deutschen Geschichte.
In den letzten Jahren lebte Gerhard Schormann eher zurückgezogen und veröffentlichte auch keine neuen Arbeiten mehr. Am 20. Februar 2018 ist er im Alter von 76 Jahren verstorben.

Veröffentlichungen:

  • Hexenprozesse in Nordwestdeutschland, 1977
  • Aus der Frühzeit der Rintelner Juristenfakultät, 1977
  • Rintelner Studenten des 17. und 18. Jahrhunderts, 1981
  • Hexenprozesse in Deutschland, 3. Aufl. 1995
  • Academia Ernestina, 1982
  • Der Dreißigjährige Krieg, 2. Aufl. 1993
  • Der Krieg gegen die Hexen. Das Ausrottungsprogramm der Kurfürsten von Köln, 1991
  • Handbuch der Deutschen Geschichte, Bd. 10: Dreißigjähriger Krieg. 1618-1648, 2001

 

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