Wetterau-Museum Friedberg – Museums-Tipp

Mein Besuch im Wetterau-Museum Friedberg war eher einem Zufall geschuldet, denn einer Empfehlung oder dem Wissen darum, dass es dieses Museum gibt. Nach meinem Besuch dort finde ich das ziemlich unverständlich und deshalb gibt es nun hier einen neuen Museums-Tipp:

Bei einem meiner Besuche in Bad Nauheim suchte ich – wie eigentlich immer – nach einem neuen Ziel. Diverse Schlösser, wie Bad Homburg oder Weilburg hatte ich schon besucht und auch der Keltenwelt am Glauberg einen Besuch abgestattet. Der weithin sichtbare Adolfsturm hatte mich schon bei einem vorangegangenen Besuch nach Friedberg gezogen und ich hatte herausgefunden, dass es dort auch ein kleines Museum geben sollte, eben das Wetterau-Museum. Es lag also nahe den Museumsleiter – Herrn Kögler – anzuschreiben und zu fragen, ob ich für einen Beitrag auf Kultur-Geschichte(n)-Digital einmal sein Haus besuchen dürfe. Er sagte ja und ich fuhr los. Was ich fand war ein gar nicht so kleines und ausgesprochen vielfältiges Museum mit einer langen Geschichte.


römisches Öllämpchen Wetterau-Museum Friedberg Hessen
Ein römisches Öllämpchen – mein Lieblingsstück im Wetterau-Museum, auch wenn es sehr klein ist
Foto: A. Kircher-Kannemann

Ein Museum mit Geschichte

Beinahe 130 Jahre ist das Wetterau-Museum in Friedberg inzwischen alt. Es war der im Jahr 1896 gegründete Friedberger Geschichtsverein, der einst die Anregung zur Gründung dieses Museums gab. Die vielen römischen Funde, die man in der Wetterau gemacht hatte waren ein wichtiger Grund für die Gründung eines Museums zu plädieren.

Es dauerte einige Jahre bis man ein wirklich geeignetes Haus für ein solches Museum gefunden hatte. 1913 war es soweit und das Wetterau-Museum zog in ein zentral gelegenes Haus auf der Haagstraße, in die direkte Nachbarschaft zur Friedberger Stadtkirche, wo es seither seine Heimat hat.

Auch die Sammlungen zogen mit in dieses Haus ein und wurden in den letzten 100 Jahren ständig erweitert und durch Stiftungen bereichert. Die Träger des Hauses sind heute die Kreisstadt Friedberg in Hessen sowie die Wetterauer Museumsgesellschaft Friedberg. Auch wurde vor einiger Zeit eine Zukunftswerkstadt ins Leben gerufen, die zum einen dazu beitragen soll die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen in die Museumsarbeit einfließen zu lassen und zum anderen neue Projekte und Ideen voranzubringen. Ein erstes Projekt, das so entstand ist der „Fund des Monats“. Gestartet wurde die Aktion Anfang Februar. In ihrem Rahmen wird es nun alle zwei Monate eine etwa 30-minütige Führung rund um ein speziell ausgewähltes Exponat geben, betreut von einer speziellen Arbeitsgruppe.


Beigaben Frauengrab Bronzezeit Wetterau-Museum Friedberg Hessen
Beigaben aus einem Frauengrab vor mehr als 3.000 Jahren – Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Von den Kelten bis Elvis – eine breite Sammlung

Ausgehen werden dieser Arbeitsgruppe die Exponate und Themen wohl lange nicht, denn die Sammlungen des Wettrau-Museums sind erstaunlich vielfältig, wie man bei einem Rundgang durchs Haus schnell feststellt: sie reichen von der Steinzeit bis hin zur modernen Kunst und Musikkultur.

Die ältesten Funde, die man im Wetterau-Museum sehen kann stammen aus der Vor- und Frühgeschichte und reichen von Faustkeilt bis hin zu wunderschönem Beinschmuck aus der Zeit um 1.300 v. Chr., den man in einem Frauengrab gefunden hat. Die fruchtbare Landschaft der Wetterau haben Menschen, wie man den Funden unschwer entnehmen kann, schon früh besiedelt und auch schon früh für die Landwirtschaft genutzt.

An der hessischen Keltenstraße gelegen, die ihren Ausgang vom Glauberg nimmt, widmet sich das Wetterau-Museum selbstredend auch intensiv jenen Stämmen, die einst weite Teile Europas bevölkerten und den Menschen noch heute in Gestalt von Asterix und Obelix gegenwärtig sein.

Kelten in der Wetterau - der Fürst vom Glauberg
Wetterau-Museum Friedberg
Die Kelten in der Wetterau und es grüßt der Fürst vom Glauberg – Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Verdrängt wurden die Kelten aus der Wetterau einst von den Römern. Sie errichteten hier eine der berühmtesten Grenzen der Weltgeschichte, den Limes. 550 Kilometer lang ist der Obergermanisch-Raetische Limes und seit 2005 Weltkulturerbe der UNESCO.

römischer Münzschatz im Wetterau-Museum Friedberg
Über 1.000 Denare umfasst der römische Münzschatz im Wetterau-Museum in Friedberg – sicher verwahrt in einem Tresor aus der Gründerzeit
Foto: A. Kircher-Kannemann

Nicht nur am Römerkastell Saalburg in der Nähe von Bad Homburg, gar nicht so weit von Friedberg entfernt, kann man sich diesen Teil der hessischen Vergangenheit näher besehen, sondern eben auch hier im Wetterau-Museum, wo einige interessante Objekte aus jener Zeit künden, so etwa ein römischer Münzschatz, der heute in einem Tresor aus der Gründerzeit sicher verwahrt und dennoch sichtbar ist.

Kultbild Mithras-Heiligtum (Mithräum) Friedberg
Wetterau-Museum Friedberg
Teil eines Mithras-Kultbildes, um 180 n. Chr. – Fund aus einem Friedberger Mithras-Heiligtum (Mithräum), das 1849 entdeckt wurde – Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Relativ am Ende der Geschichte von Friedberg und der Wetterau in einem eigenen Bereich des oberen Ausstellungsraumes findet sich eine für die Region wichtige Gestalt, die man nicht unbedingt in einem deutschen Museum erwarten würde, das sich primär der regionalen Historie und Kulturhistorie verschrieben hat: Elvis Presley. Wenn Sie sich wundern, was denn der King of Rock’n Roll hier verloren hat, dann ist die Erklärung recht einfach: zwischen 1958 und 1960 war Elvis Presley als G.I. in Friedberg stationiert. Zwar wohnte er nicht hier, sondern im benachbarten Bad Nauheim, aber dennoch erinnert sich die Stadt gerne an diesen wohl berühmtesten Gast und hat ihm sogar eine eigene Ampel gewidmet.

Friedberg: army home of Elvis Presley Wetterau-Museum Friedberg
Friedberg: army home of Elvis Presley – dem wohl berühmtesten Gast der Stadt widmet sich ein eigener kleiner Ausstellunsgbereich im Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Landwirtschaft und Kolonialwaren im Wetterau-Museum

Ein weiterer Teilbereich der Ausstellung widmet sich der Landwirtschaft, die die Wetterau seit jeher geprägt hat. Es ist vor allem die Zeit zwischen 1800 und 1959, die hier thematisiert wird, also die Zeit der Motorisierung, Mechanisierung und zunehmenden Industrialisierung der Landwirtschaft. Insbesondere Liebhaber alter Traktoren und Maschinen kommen hier auf ihre Kosten und haben einiges zu bestaunen und betrachten. Wie mir Herr Kögler im Gespräch mitteilte wird dieser Ausstellungsteil aber wohl bald in dieser Form aufgelöst werden. Sollte Sie das Thema also interessieren, dann nichts wie auf nach Friedberg ins Wetterau-Museum.

Wie vielfältig dieses an sich eigentlich kleine Museum in Friedberg mit seinen nicht einmal 30.000 Einwohnern ist, sieht man spätestens daran, dass es sogar für Shopping-Fans geeignet ist und zwar für Fans historischen Shoppings. In einem eigens dafür hergerichteten Raum verbirgt sich der Kolonialwarenladen Steinhauer. 200 Jahre lang gab es diesen Laden in Friedberg und hier im Wetterau-Museum ist das bereits 1792 gegründete Geschäft wieder auferstanden. Betrachtet und bestaunt werden können hier Beispiele des historischen Warenangebots von der Kaffeerösterei über Tabakwaren bis hin zu heute problematischer Schokoladenwerbung.


Glanzstücke des Wetterau-Museums

Glanzstücke hat das Wetterau-Museum tatsächlich eine Menge zu bieten. Allen voran sicherlich die große Stadtansicht Friedbergs aus dem Jahr 1565, die – nebenbei bemerkt – auch eines der Lieblingsstücke des Museumsleiters ist und die auch mich sehr fasziniert und lange festgehalten hat.

In diesem Ausstellungsteil findet sich auch ein großes Modell der Friedberger Burganlage, die mit 3,9 Hektar zu den größten Burganlagen Deutschlands zählt. Bis heute ist diese Burg nicht museal genutzt, sondern lebt und entwickelt sich weiter, so werden Teile der Anlage als Schule oder Wohnhäuser genutzt. Der Burgbereich kann allerdings jederzeit besichtigt werden und ist auch mit erklärenden Tafeln an den verschiedenen Gebäuden versehen.

Des Museumsleiters liebstes Stück: die große Stadtansicht von Friedberg im Wetterau-Museum
Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Glanzstücke des Wetterau-Museums zeigen eindrücklich die bewegte Geschichte dieser Stadt, die einst gemeinsam mit Burg vom Stauferkönig Friedrich I. Barbarossa um das Jahr 1170 herum gegründet worden ist, als Freie Reichsstadt im Städtekollegium des Reichstages vertreten war und die heute als Kreisstadt am nördlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets als Verwaltungssitz des Wetteraukreises dient.


Martin Luther im Wetterau-Museum

Nicht nur Elvis Presley war einst in Friedberg, sondern lange vor ihm auch schon Martin Luther. 2017, anlässlich des Lutherjahres hat das Museum dem berühmten Gast eine eigene Sonderausstellung gewidmet und seither gibt es auch zu Luther und seinem Besuch in Friedberg einen eigenen kleinen Bereich in der Dauerausstellung.

Nach Friedberg gekommen war Martin Luther im Zuge seines Rückweges vom Wormser Reichstag im April 1521. Diesen Weg, den Luther von Worms zurück nach Eisenach zurücklegte kann man noch heute nachwandern und kommt dabei eben auch durch Friedberg, woran eine Tafel direkt neben dem Wetterau-Museum erinnert.

Martin Luther und Friedberg – Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Eröffnet wurde dieser Lutherweg1521 am 14. Mai 2017 im Rahmen der Lutherjahres. Er erstreckt sich über die drei Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen und orientiert sich am Verlauf der Reiseroute Luthers.

Auch hier merkt man schnell wieder eines: diese Stadt Friedberg, ihre Geschichte und ihr Museum sind facettenreicher als man ob des Bekanntheitsgrades vermuten sollte.


„Arp, Fontana, Goepfert, Nay“ – die Kunst im Wetterau-Museum

Wo wir gerade bei „facettenreich“ sind, können wir auch gleich mit bunt und unerwartet weitermachen, denn das Wetterau-Museum beherbergt als recht klassisches Sammlungsmuseum auch einen kunsthistorischen Bereich.

Insbesondere in Sonderausstellungen werden immer wieder herausragende Werke, vor allem der Modernen Kunst gezeigt. Vom 15. November 2019 bis 12. Januar 2020 beispielsweise war es die Sammlung Fitzau, die hier der Öffentlichkeit präsentiert wurde mit Werken aus den 1950er und 1960er Jahren.

Bis vor Kurzem noch zu sehen: eine Sonderausstellung über den 1. Weltkrieg im Wetterau-Museum Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Vom 16. Mai dieses Jahres an bis zum 18. April 2021 wird es erneut eine Kunstausstellung im Wetterau-Museum geben, diesmal unter dem Titel „Arp, Fontana, Goepfert, Nay“. Gezeigt wird die Sammlung von Fritz Usinger (1895-1982), einem Lyriker und Essayisten aus Friedberg. Er stand lange Jahre seines Lebens in engem Austausch mit zahlreichen bildenden Künstlern und Künstlerinnen seiner Zeit, vor allem mit Ernst Wilhelm Nay und Hans Arp. Dieser Austausch führte letztlich dazu, dass Usinger begann auch ihre Kunst zu sammeln. Insgesamt 200 Werke umfasst die Sammlung aus der die Ausstellung einen Querschnitt zeigen wird. Auch der Person Fritz Usingers wird ein Bereich der Ausstellung gewidmet sein.


Die Mikwe von Friedberg

Nicht direkt zum Museum gehört die Mikwe, das Judenbad von Friedberg. Allerdings wird sie vom Museum mit betreut und sie lohnt den Besuch, denn die Friedberger Mikwe ist die wohl beeindruckendste ihrer Art in Europa. Um 1260 wurde dieses rituelle Tauchbad erbaut und ist beeindruckende 25 Meter tief.

Heute verbirgt sich die Mikwe hinter einem neugotischen Gebäude aus dem Jahr 1903. Hier gibt es einen kleinen Gedenkraum, der an die Geschichte der Juden in Friedberg erinnert, an die Sprengung der Friedberger Synagoge im Zuge der Reichspogromnacht des Jahres 1939 und die Vernichtung der jüdischen Gemeinde.

Zur Mikwe gelangt man durch den Innenhof des Gebäudes und im Hinterhaus führt ein Kellerhals zum ehemaligen Eingang des Bades, dessen Grundriss etwa 5,50 mal 5,50 beträgt. Über insgesamt sieben Treppenläufe gelangt man hinab bis zur Sohle des Beckens. Im Tauchbecken fanden sich bei Restaurierungsarbeiten zwei Inschriften, die den Namen „Sizchak Kublenz“ und in römischen Ziffern die Jahreszahl „MCCLX“ (1260) zeigen.

Nicht viele dieser monumentalen Mikwen des Mittelalters haben sich erhalten. Vergleichbare Anlagen finden sich nur noch in Speyer, Köln, Worms, Offenburg und Andernach. Man sollte also unbedingt einen Besuch dieses beeindruckenden Bauwerks einplanen.

Judenbad / Historische Mikwe
Judengasse 20, 61169 Friedberg
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9-12 und 14-17 Uhr
Samstag und Sonntag 10-12 und 14-17 Uhr


Mein Fazit zum Besuch des Wetterau-Museums in Friedberg heißt eindeutig: ein Besuch ist auf jeden Fall lohnenswert und das nicht nur für diejenigen, die sich mit der Geschichte Friedbergs und der Wetterau beschäftigen möchten.

Im Wetterau-Museum können übrigens auch themenbezogene Führungen zu Archäologie, Steinzeit, Kelten, Römer, Landwirtschaft in der Wetterau, sowie zur Stadtgeschichte Friedbergs und den Sonderausstellungen gebucht werden. 


An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich bei Herrn Kögler für das interessante und informative Gespräch bedanken.


Wetterau-Museum FAQ

Anschrift

Wetterau-Museum
Haagstraße 16
61169 Friedberg (Hessen)
Info-Telefon 0 60 31 / 88 215
 

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 9-12 und 14-17 Uhr
Samstag 10-12 und 14-17 Uhr
Sonntag, Feiertage 10-17 Uhr

An Karfreitag, Heiligabend, dem 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr sowie am Nachmittag des Faschingsdienstags bleibt das Wetterau-Museum geschlossen.  

Eintrittspreise
Eintritt: 4 Euro
ermäßigter Eintritt: 2 Euro
– Schüler
– Studenten
– Auszubildende
– ALG II-Empfänger
– Rentner
– Menschen mit Behinderung (ab 50 GdB)
– Gruppenermäßigung ab 10 Personen

Familienkarte: 8 Euro
– maximal 2 Erwachsene + bis zu 4 Kinder

freier Eintritt
– Kinder unter 6 Jahren (bis zum Schuleintritt)
– Mitglieder der Wetterauer Museumsgesellschaft e.V.


Beitragsbild:
Das Stadtmodell von Friedberg mit dem alles überragenden Adolfsturm im Wetterau-Museum in Friedberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

3 Antworten auf „Wetterau-Museum Friedberg – Museums-Tipp“

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