Schloss Weilburg – Grenzenlose Adelswelten – 3. #Kulturwoche: Freitag

Grenzen waren in der Welt des Adels schon immer etwas eher Relatives. Selbst zwischen Ländern, die dazu neigten sich zu bekriegen waren die Grenzen für den Adel fast immer durchlässig. Letztlich führte das zu dem Ergebnis, dass manche Kriege die Anmutung einer extrem brutal ausgetragenen Familienzwistigkeit hatten. Denken wir in dem Zusammenhang nur an den 1. Weltkrieg, in dem sich lauter Cousins gegenüberstanden.

Die Geschichte der Familie, die mir beim Besuch von Schloss Weilburg begegnet ist, ist deutlich weniger blutrünstig, aber sie zeugt trotzdem in besonderer Weise von der Grenzenlosigkeit der adeligen Welt. Und sie führte mir die Geschichte einer Familie vor Augen, die eher unverhofft noch heute zu den adeligen Familien gehört, die auch politisch betrachtet im Rampenlicht stehen. So kanns halt gehen und ehe man sichs versieht gehört ein Schloss mitten im Deutschen Reich den Herrschern eines anderen Landes. Und vielleicht fast noch schöner: plötzlich wird der Regent eines anderen Landes mitten im Deutschen Reich beigesetzt.
Da sage noch einer Geschichte könne nicht gelegentlich auch humoristische Züge tragen.


Die Grafschaft Nassau im Jahr 1645 – [Public Domain] via Wikimedia Commons

Grenzenlose Adelswelt – von Nassau nach Luxemburg

Es war da mal ein kleines Adelsgeschlecht, aus heutiger Sicht mitten in Deutschland, entstanden im 11. Jahrhundert, das sich immer weiter verzweigte, geschickt heiratete und am Ende das Ende der großen monarchischen Epoche Europas recht unbeschadet überstand.

Die Rede ist vom Hause Nassau. Nein – gemeint ist nicht die Hauptstadt der Bahamas, auch wenn die von eben jenem Haus ihren Namen erhalten hat, zu Ehren von Wilhelm III. von Oranien-Nassau (1650-1702). Er war Statthalter der Niederlande und König von England, Schottland und Irland. Man sieht: von Hessen aus kann man die Welt erobern.

Damit sind wir dann auch schon geographisch gelandet: Nassau war ehemals eine Grafschaft in Hessen. (Womit wir den roten Faden Hessen wieder aufnehmen, wo wir schon mit Kelten und Bad Nauheim waren).
Schon im Mittelalter konnte man es als Graf von Nassau weit bringen, zum römisch-deutschen König etwa, wie Adolf von Nassau (vor 1250-1298) bewiesen hat. Und nachdem die Familie sich im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verzweigte bewiesen noch weitere Mitglieder wie weit man es von Hessen aus bringen kann. Das Beispiel Wilhelms III. haben wir schon gesehen. Das war die Linie Nassau-Dillenburg, bzw. Nassau-Dietz, besser bekannt als Haus Oranien. Ja, korrekt, die stellen bis heute die Könige der Niederlande.

Die Weilburger Linie des Hauses Nassau folgte dem Beispiel der Oranier erst einmal nicht. Man blieb im Lande und nährte sich redlich. Hatte man zunächst erst einmal eine Reichsgrafschaft inne, so freute man sich im Jahr 1366 darüber zur gefürsteten Grafschaft erhoben zu werden. 1688 bzw. 1737 stieg man dann wirklich in den Fürstenrang auf und nicht mal 100 Jahre später – im Jahr 1806 – war man dann ein Herzogshaus. Die Geschichte hätte es wirklich schlechter meinen können. Aber wenn man schon einmal Glück hat, dann kommt oft noch mehr dazu und das war bei den Weilburgern 1890 der Fall, da nämlich wurden sie zu Großherzögen von Luxemburg und das sind sie bis heute geblieben. Womit wir auch den roten Faden „Luxemburg“ wieder aufgegriffen hätten – sie erinnern sich, das war das Land durch das ich durchfuhr, um nach Metz zu gelangen, dieser Stadt, die viel Grenzen überwunden hat.

Der jüngste Spross der Regentenschar ist seit dem Jahr 2000 Großherzog Henri von Nassau (*1955). Der vollständige umfasst übrigens bis heute halb Hessen: „Seine Königliche Hoheit Henri, Großherzog von Luxemburg, Herzog von Nassau, Prinz von Bourbon-Parma, Graf von Sayn, Königstein, Katzenelnbogen und Diez, Burggraf von Hammerstein, Herr von Mahlberg, Wiesbaden, Idstein, Merenberg, Limburg und Eppstein“.

Man sieht: sie ist grenzenlos diese Adelswelt.


Grundriss des Schlosses nach Luthmer 1907 – [Public Domain] via Wikimedia Commons

Zwischen Renaissance und Barock – Schloss Weilburg

Um beim Thema „Grenzenlosigkeit“ zu bleiben: Schloss Weilburg ist ein wunderbares Beispiel für eine Schlossanlage, die viele architektonische Grenzen überschritten hat. Es gilt als eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen Hessens, ist aber von seinem Ursprung her eigentlich ein Renaissanceschloss und im Innern (in dem man leider keine Fotos machen darf) geht die architektonische bzw. gestalterische Grenzenlosigkeit noch weiter bis ins 19. Jahrhundert.

Eine erste Burg auf dem Bergsporn über der Lahn entstand unter Graf Johann I. von Nassau (1309-1371). Erhalten ist von dieser Burg nur noch ein einsamer Wehrturm im Schlossgarten. Die Basis des heutigen Schlosses legte Philipp III. von Nassau-Weilburg (1504-1559). Um das Jahr 1545 ließ er ein neues Wohnhaus errichten an der Stelle wo der Palas der Burg gestanden hatte. Nun macht ein solch einsamer Wohnbau nicht viel her und so wurden bald ein West-, ein Süd- und ein Nordflügel angebaut bis 1590 eine ausgesprochen ansehnliche Schlossanlage entstanden war.

Weil aber die Mode der Renaissance doch irgendwann unmodern geworden war und man im Hause Nassau ja auch immer bedeutender wurde, wurde dann nach 150 Jahren wieder um- und ausgebaut.

Diesmal war es Johann Ernst von Nassau-Weilburg (1664-1719), der der Initiator war. Der Generalfeldmarschall der kaiserlichen Armee übertrug seinem Landesbaumeister Julius Ludwig Rothweil (ca. 1676-1750), der übrigens aus dem Elsass stammte, die ehrenvolle Aufgabe das Schloss der Vorfahren ins barocke hier und jetzt zu bringen.

Ab dem Jahr 1703 machte der sich an die Arbeit und erweiterte das Schloss und die Stadt. Im Norden wurde ein Viehhof errichtet, der die Schlossverwaltung beherbergte, im Westen entstanden eine Rentkammer und eine Kanzlei und im Süden ein Rathaus und eine Kirche. 720 Arbeiter soll er dafür beschäftigt haben. Die Baustelle muss einem Ameisenhaufen geglichen haben.

Nach 1713 wurde am äußeren Erscheinungsbild des Schlosses nicht mehr viel umgestaltet. Größere Umbaumaßnahmen wurden zwar im 18. und 19. Jahrhundert noch geplant, aber nicht mehr in die Tat umgesetzt.

Besonders sehenswert ist der terrassierte Schlossgarten, dessen Ursprünge auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Zwischen 1706 und 1714 wurde er mit einer Gesamtfläche von 3,3 Hektar angelegt.

Heute befindet sich Schloss Weilburg in Besitz der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, nachdem es im Jahr 1935 von Großherzogin Charlotte von Luxemburg an den Preußischen Staat verkauft worden war.

2 Antworten auf „Schloss Weilburg – Grenzenlose Adelswelten – 3. #Kulturwoche: Freitag“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.