Museum – Was ist das? – Geschichte und Zukunft

Das Museum, Plural Museen, gilt vielen Menschen auch als Musentempel, doch was bedeutet das? Heißt es, dass man in Museen nur schöne Dinge zu sehen bekommt und nur mit Kunst und ästhetischen Werken konfrontiert wird?

Das hieße ja letztlich, dass in Museen nur Kunst zu sehen wäre, das allerdings ist deutlich zu kurz gegriffen und zeigt zunächst einmal eins: irgendwie haben wir heute eine zu beschränkte Definition von den Musen, die nämlich waren ursprünglich mal zu neunt!

Bei neun Musen scheint das Ganze dann doch deutlich vielfältiger zu sein, so denn Museen Musentempel sind. Und damit die Vielfalt der „Musen“ klarer wird, hier eine kleine Auflistung:

  • da ist zunächst einmal „Klio“ zu nennen, die Muse der Geschichtsschreibung
  • dann „Euterpe“, sie ist die „Erfreuende“, die Muse der Lyrik und des Flötenspiels
  • als nächstes haben wir dann die „Singende“, das ist „Melpomene“, sie ist die Muse der Tragödie
  • mit „Erato“ haben wir dann die „Liebevolle“, ganz klar, dass sie die Muse der Liebesdichtung ist
  • Terpsichore“ ist die fröhlich tanzende Muse und steht sowohl für den Tanz als auch für die Chorlyrik
  • die „Himmlische“ „Urania“ ist – das liegt nahe – die Muse der Astronomie
  • dann kommt „Thalia“ – die ganz gerne auch mal Namensgeberin von Theatern ist und das macht Sinn, denn sie ist die Muse der Komödie
  • Polyhymnia“ steht als Muse für den Gesang
  • und „Kalliope“, die mit der schönen Stimme, ist viel beschäftigt, denn sie ist die Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft

Sie sehen: sollten denn Museen Musentempel sein, so können sie eine unendliche Vielfalt an Themen bieten und sind damit eins mit Garantie nicht: langweilig.

Clio Muse
Die Muse Clio
Anonymous, French-Italian, 17th century Clio, ca. 1540–45 French, Engraving; Sheet (trimmed): 8 11/16 × 6 7/8 in. (22 × 17.4 cm) Mount: 8 11/16 in. × 6 15/16 in. (22 × 17.7 cm) The Metropolitan Museum of Art, New York, The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1949 (49.95.316)

Wo kommt das Wort Museum her?

So wie die Musen und ihre Namen kommt auch das Wort Museum – es liegt nahe – aus dem Altgriechischen. Hier bezeichnete „μουσεῖον (mouseîon)“ ursprünglich ein Heiligtum, das den Musen gewidmet war. Vom Ursprung her ist das Museum also tatsächlich ein „Musentempel“.

Das Wort begegnet uns zum ersten Mal in hellenistischer Zeit, also in der Zeit vom Regierungsantritt Alexanders des Großen (336 v. Chr.) bis zur Annexion Ägyptens durch Rom (30 v. Chr.). Als das berühmteste „Mouseîon“ jener Zeit kann man sicherlich das Museion von Alexandria bezeichnen, zu dem die berühmte Bibliothek gehörte. Dieses Museion war weniger ein Ausstellungsraum als ein Forschungsinstitut. Gegründet wurde es von König Ptolemäus I. Soter um das Jahr 280 v. Chr. Beraten hat ihn dabei Demetrios von Phaleron (um 360 v. Chr.-um 280 v. Chr.), der ein Schüler des Aristoteles war.

Viele berühmte Gelehrte kamen seit der Gründung im Museion von Alexandria zusammen und widmeten sich dort ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Die Septuaginta etwa – die griechische Übersetzung des Alten Testaments – geht auf das Museion von Alexandria zurück. Vor allem in römischer Zeit wirkten hier zahlreiche Ärzte, Philosophen, Astronomen und Mathematiker.

Es gibt übrigens noch eine weitere Herleitung des Begriffs „Museum“ diese findet sich auf einer älteren, nur noch im Net-Archive zugänglichen Version der Website des Deutschen Museumsbundes. Dort heißt es:

Mit dem Begriff “Museum” wurde im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Dingen bezeichnet: das Museum als Ort (Hügel) im alten Griechenland, an dem der Poet Museio bestattet war; das Museum Alexandrinum, Museum Romanum oder Museum Graecum als Schule, Gymnasium bzw. Universität; das Museum als Kunstkammer, “Müntz-Cabinett” oder Wunder- und Raritätenkammer. Zedlers Universal-Lexikon aus dem Jahr 1739 listet entsprechend viele Bedeutungen auf. Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch Journale und Lesegesellschaften mit dem Titel „Museum“ benannt.
In der Krünitzschen Enzyklopädie von 1805 bezeichnet das Wort Museum bereits einen Ort für eine öffentliche Sammlung und als Institution mit gesellschaftlicher Relevanz. In die Betrachtung einbezogen wird auch bereits das Museumspublikum: Das Museum wird als öffentlicher und lebendiger Ort des Diskurses mit einer publikumsorientierten Infrastruktur beschrieben.


Wie lautet die Definition von Museum?

Der Duden definiert „Museum“ als ein „Institut, in dem Kunstwerke sowie kunstgewerbliche, wissenschaftliche, technische Sammlungen aufbewahrt und ausgestellt werden“. Das ist eine kurze und prägnante Definition, aber sie beinhaltet nicht alles, was ein Museum ausmacht.

Deutlich weiter und ausführlicher ist da die Definition des Internationalen Museumsrats (ICOM): „Ein Museum ist eine gemeinnützige, auf Dauer angelegte, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zum Zwecke des Studiums, der Bildung und des Erlebens materielle und immaterielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt.“

Diese aktuelle Definition macht eines ganz klar: die Aufgaben von Museen sind ausgesprochen vielfältig. Denn Museen sind Orte an denen Dinge und Wissen gesammelt wird. Aber eben nicht nur gesammelt, diese Dinge und das Wissen werden auch aufbereitet und sie werden den Menschen zur Verfügung gestellt, damit sie nicht verloren gehen oder vergessen werden. Das ist wichtig, denn alle diese Dinge und all das Wissen sind ein Teil unserer Kultur.


Strumpftisch
Der Strumpftisch bietet die Gelegenheit die Qualitäten der Strümpfe zu erfühlen Foto: A. Kircher-Kannemann

Die fachliche Definition von Museum – Deutscher Museumsbund

Ein Problem mit dem Begriff Museum gibt es allerdings bis heute, zumindest in Deutschland: der Begriff ist nicht geschützt! Das heißt, dass sich im Grunde genommen jede Sammlung von irgendetwas, die man sich anschauen kann sich „Museum“ nennen kann. Besonders abstruse Beispiele hierfür sind wohl die sogenannten „Instagram-Museen“, die nichts anderes zu bieten haben als mehr oder minder witzige Kulissen vor denen man Selfies machen kann. Vor allem aus diesem Grund hat sich der Deutsche Museumsbund um eine engere Definition bemüht, die vor allem den fachlichen und wissenschaftlichen Charakter des Museums betont:

„1. Ein Museum ist eine von öffentlichen Einrichtungen oder von privater Seite getragene, aus erhaltenswerten kultur- und naturhistorischen Objekten bestehende Sammlung, die zumindest teilweise regelmäßig als Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich ist, gemeinnützigen Zwecken dient und keine kommerzielle Struktur oder Funktion hat.
2. Ein Museum muß eine fachbezogene (etwa kulturhistorische, historische, naturkundliche, geographische) Konzeption aufweisen.
3. Ein Museum muß fachlich geleitet, seine Objektsammlung muß fachmännisch betreut werden und wissenschaftlich ausgewertet werden können.
4. Die Schausammlung des Museums muß eine eindeutige Bildungsfunktion besitzen.
5. Nicht als Museum werden angesehen: Konzeptionslose Ansammlungen verschiedenartiger Objekte ohne fachbezogenen Hintergrund. Gleichartige Objektansammlungen ohne fachbezogenen Hintergrund oder ohne Bildungsfunktion (z.B. Bierdeckelsammlungen). Fachbezogene, aber nicht zuletzt einem kommerziellen Zweck dienende Verkaufsschauen (auch wenn sie aus heute nicht mehr gebräuchlichen oder auf dem allgemeinen Markt erhältlichen Objekten bestehen). Rein didaktischen oder informativen Zwecken dienende Ausstellungen ohne Sammlung als fachbezogener Hintergrund und ohne fachliche oder wissenschaftliche Betreuung bzw. Bearbeitung der Objekte. Rein wissenschaftliche Sammlungen, die nicht regelmäßig der Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich sind.“

Dass diese Definition ggf. Probleme aufwirft, das sah selbst der Deutsche Museumsbund ein und bat daher um eine Diskussion über diese Definition.


#Museumsdefinition – die Suche geht weiter

2007 war es, als das ICOM, das International Council of Museums eine internationale Museumsdefinition aus der Taufe hob. diese Definition lautete:

“A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, Study and enjoyment.”

Diese Definition aber schien dann bald schon veraltet und nicht mehr vollständig. Sie schien die falschen Schwerpunkte zu setzen und so begann das Unvermeidliche: Die Diskussion um eine neue Museumsdefinition. Diese fand ihren bisherigen Höhepunkt im Jahr 2019 in Kyoto. Hier fand die Generalkonferenz des ICOM statt und man diskutierte. Und zwar über die mögliche neue Museumsdefinition, die da lauten sollte:

“Museums are democratising, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artefacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people. “

Das Ergebnis der Diskussion liest sich auf der Website von ICOM-Deutschland wie folgt:

” In Kyoto wurde intensiv über die neue Museumsdefinition diskutiert – die geplante Verabschiedung der vorliegenden Neuformulierung somit zugunsten einer weiteren Meinungsbildung zurückgestellt. ICOM Deutschland fordert, grundlegende Begriffe zur Charakterisierung von Museen wieder aufzunehmen, und begrüßt die weitere konstruktive Auseinandersetzung. […]
Für uns fehl(t)en in der neuen Definition einfach grundlegende Begriffe, die ein Museum verkörpern. Wir haben nach langen Diskussionen vor und während all der Tage in Kyoto – wahrlich in der Hitze und Schwüle der Tage (32 Grad und plus, 80% Luftfeuchtigkeit) – die kontroverse Debatte in der General Assembly geführt, sicherlich dergestalt wie ICOM sie bisher noch nicht erlebt hat. Das Votum fiel dann jedoch eindeutig aus, denn über 70% sprachen sich für eine Überarbeitung bis zur nächstmöglichen Generalkonferenz aus.
Es ist eine neue Chance zu überdenken, was Museen heute eint, was sie international verbindet und was als gesellschaftlicher Konsens über alle politischen, religiösen und humanistischen Modelle hinaus verstanden wird.”

Sie geht also weiter, die Diskussion darüber, was ein Museum heute ist, wofür es steht und vor allem auch in welche Richtung es in der Zukunft gehen soll.

Die Heftigkeit der Diskussion um eine neue und zeitgemäße Definition des Begriffs Museum mag so manchen überraschen und sie findet inzwischen ihren Niederschlag in den Feuilletons diverser Zeitungen. FAZ.net berichtete unlängst (3. Februar 2020) über ein Streitgespräch, das im Jüdischen Museum Berlin zwischen Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens und Mitglied des Weltvorstands von ICOM, und Markus Walz, Professor für Museumskunde in Leipzig und Vorstandsmitglied des deutschen Vereins stattfand und das offenbar auch nicht wirklich zu einem Konsens führte.

Wer sich für Chronologie der Suche nach einer neuen Definition für den Begriff “Museum” interessiert, der kann sie auf der Seite von ICOM-Deutschland nachlesen.

Eine ganz spezielle und wohl in Zukunft häufiger anzutreffende Spielart des Museums allerdings lassen all diese Definitionsversuche in der Regel außer Acht: das “virtuelle Museum”. Bernd Günter plädierte bereits im Jahr 2018 auf der Abschlusstagung zur Ausstellung “Schöne neue Welten” im Zeppelin-Museum Friedrichshafen dafür auch virtuelle Museen mit in die Definition aufzunehmen. In seinem Beitrag unter dem Titel “Virtual Reality und der Weg zum virtuellen Museum. Illusion, Chance oder gar Notwendigkeit?” [zu sehen bei YouTube ab Minute 33:13] kam er zu folgenden Ergebnis: “Die Frage, ob ein virtuelles Museum die fünf ICOM-Ziele erfüllen kann, ist nach meiner Auffassung eindeutig mit ‘Ja’ zu beantworten.”


Welche Arten von Museen gibt es?

Spätestens die vorangegangene Definition des Begriffs „Museum“ durch den Deutschen Museumsbund zeigt die Vielfalt der Museen und welche Arten von Museen es gibt bzw. geben kann. Da sind etwa „kulturhistorische, historische, naturkundliche, geographische“ aber auch literarische und archäologische Museen.

Das Institut für Museumsforschung, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört, unterscheidet insgesamt neun verschiedene Arten von Museen, als da wären:

Volkskunde- und Heimatkundemuseen:

Museen, die sich mit Volks- und Heimatkunde beschäftigen. Häufige Themen sind hier Bauernhäuser, Mühlen, Landwirtschaft, Orts- und Regionalgeschichte.

Kunstmuseen:

Hier findet sich Kunst in all ihren Facetten von Kirchenschätzen und sakraler Kunst bis hin zu Film und Fotografie.

Designmuseen:

Diese Museen widmen sich einem Bereich von Design, Architektur, Kunsthandwerk, Keramik und /oder Glas.

Schloss Benrath
Schloss Benrath Rückansicht – Foto: A. Kircher-Kannemann

Schloss- und Burgmuseen:

Ein Museum, dass sich in einem Schloss oder einer Burg befindet beschäftigt sich – das versteht sich fast von selbst – vor allem erst einmal mit der Geschichte dieses Gebäudes, das gilt auch für Klostermuseen, die ebenfalls in diese Rubrik zu sortieren sind. Oftmals findet sich in diesen Museen über Jahrhunderte hinweg erhaltenes Inventar und (gerade in Klöstern) auch historische Bibliotheken. Ein schönes Beispiel für ein solches Museum ist etwa Schloss Benrath in Düsseldorf. Wobei man hier auch schon von einem Museumskomplex sprechen könnte, denn in den Seitenflügeln des Schlosses finden sich auch ein Naturkundemuseum und ein Museum für Gartenkunst. Klassischer ist da tatsächlich etwa Schloss Weilburg, denn hier geht es wirklich nur um die Geschichte des Schlosses und der Familie Nassau.

Naturkundliche Museen:

Die Themen Naturkundlicher Museen sind so vielfältig wie die Naturkunde selbst; sie reichen von Zoologie, Botanik, Veterinärmedizin, Naturgeschichte, Geowissenschaften, Paläontologie bis hin zur allgemeinen Naturkunde.

Naturwissenschaftliche und technische Museen:

Ebenfalls ausgesprochen vielfältig ist das Themenspektrum Naturwissenschaftlicher und technischer Museen; von Technik allgemein bis hin zu Verkehr, Bergbau, Hüttenwesen, Chemie, Physik, Astronomie, Technikgeschichte, Humanmedizin, Pharmazie und Industriegeschichte ist hier alles vertreten. Zum Bereich der technischen Museen zählen selbstredend auch die sogenannten Industriemuseen, wie etwa Haus Cromford in Ratingen, die älteste Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent.

Museum Burg Linn
Museum Burg Linn – 2.000 Jahre Geschichte Foto: A. Kircher-Kannemann

Historische und archäologische Museen:

Die historischen und archäologischen Museen nehmen einen großen Stellenwert unter den deutschen Museen ein. Ihre Themengebiete umfassen die allgemeine Historie, die weniger auf einen konkreten Ort bezogen ist, über Archäologische Fundstätten bis hin zur Gedenkstättenarbeit. Auch Museen, die sich mit speziellen Personen oder Personenkreisen oder Militaria beschäftigen fallen in diese Kategorie. Recht neu und daher ein besonders gutes Beispiel für ein solches archäologisches Museum ist die Keltenwelt am Glauberg. Am Archäologischen Park Xanten und dem dazugehörigen Römermuseum kann man erkennen welche Möglichkeiten und Dimensionen ein solches archäologisch – historisches Museum haben kann. Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang übrigens das Römerkastell Saalburg in der Nähe von Bad Homburg v. d. Höhe, das sozusagen die „Mutter“ aller Römerkastelle ist.

Nach diesen Beispielen für archäologische Museen sollen nun aber auch noch einige Beispiele für historische Museen genannt werden, vor allem für historische Museen, die sich mit einer speziellen Person beschäftigen: Da fallen etwa das Goethe-Museum in Düsseldorf ein oder auch das Lottehaus in Wetzlar. Als ganz besonders kuriosen Spezialfall ist eines der kleinsten Museen Deutschlands anzusehen, das sich ebenfalls in Wetzlar befindet: es ist das Jerusalemhaus.

Sammelmuseen mit komplexen Beständen:

Als „Sammelmuseen“ werden Museen bezeichnet, deren Inhalte vielfältig sind und die sich mehr als nur einem Sammlungsschwerpunkt widmen. Als einen klassischen Vertreter der Kategorie „Sammelmuseum“ kann man zum Beispiel das LVR-Landesmuseum in Bonn betrachten, dessen Dauerausstellung von archäologischen Funden bis hin zu einer Kunstsammlung so ziemlich alles umfasst.

Auch kleinere Museen, wie etwa das Wetterau-Museum in Friedberg sind oftmals Sammelmuseen, insbesondere, wenn ihre Anfänge in einem historischen Verein begründet sind. Im Wetterau-Museum etwa reicht die Palette über archäologische Funde der Bronzezeit, Kelten und Römer über Landwirtschaft und Kolonialwaren bis zu Elvis Presley und Moderner Kunst.

Kolonialwarenladen Wetterau-Museum Friedberg
Ein Kolonialwarenladen im Wetterau-Museum in Friedberg (Hessen)
Foto: A. Kircher-Kannemann

Kulturgeschichtliche Spezialmuseen:

Diese Museen widmen sich einem ganz speziellen Bereich der Kulturgeschichte. Solch spezielle Bereiche können die Religions- und Kirchengeschichte sein, aber auch die Völkerkunde oder spezielle Sammlungsthemen wie Spielzeug, Musikinstrumente. Auch Museen zu den Themengebieten Brauereiwesen und Weinbau oder Literaturgeschichte und Feuerwehr fallen in diese Kategorie. Ein schönes Beispiel für ein solches Spezialmuseum, das aber irgendwie auch ein klein wenig ein Technikmuseum ist, ist das Deutsche Uhrenmuseum Furtwangen. An diesem Beispiel sieht man bereits, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Museumstypen durchaus fließend sind. Denn auch die Häuser, wie etwa das Goethe-Museum in Düsseldorf, sind natürlich auch Spezialmuseen, ebenso wie auch das Chamisso-Museum.

Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen
Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen – Foto: Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen

Mehrere Museen in einem Museumskomplex:

Als Museumskomplex bezeichnet die Museumswissenschaft mehrere Museen mit unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten, die im selben oder in angrenzenden Gebäude(n) untergebracht sind. Als Beispiel ganz spezieller Form kann man hier wohl das Museumszentrum Burg Linn nennen: hier sind Schloss-, Burg– und archäologisches Museum vereint und das alles noch kombiniert mit wundervollen Spezialsammlungen etwa zum Thema Musik und Musikinstrumente.

Virtuelle oder digitale Museen

Die Digitalisierung hat den Museen völlig neue Möglichkeiten beschert, so etwa die Einrichtung virtueller bzw. digitaler Museen. Ihr Vorteil: sie können jederzeit vollkommen ortsunabhängig besucht werden, denn sie existierten im weltweiten Netz.
Solch virtuelle bzw. digitale Museen bieten sich zum Beispiel an, wenn keine Möglichkeit besteht einen adäquaten Raum, das nötige Geld und Personal für ein analoges Museum bereitzustellen. Wobei auch virtuelle Museen Geld kosten.

Bernd Günter lieferte in seinem Vortrag “Virtual Reality und der Weg zum virtuellen Museum. Illusion, Chance oder gar Notwendigkeit?” eine sehr gute Definition für den Begriff “virtuelles Museum” und grenzte es auch gleich deutlich vom “digitalen Museum” ab. Zudem plädierte er dafür sie in die ICOM-Definition für den Begriff “Museum” mit einzubeziehen. Mehr zum Thema findet sich hier auf dem Blog im Beitrag “Kulturvermittlung digital und OpenGLAM“.

Wann und in welchen Fällen digitale bzw. virtuelle Museen Sinn machen, gibt Bernd Günter im gleichen Vortrag in insgesamt acht Thesen an:

  1. Inhalte und Themen, die abstrakt und / oder intangibel sind, z. B. das Thema Zeit […]
  2. Eine Organisation oder Institution besitzt kein Gebäude für ihre Objekte, Sammlungen, Ausstellungen u.a. Inhalte und wird voraussichtlich in absehbarer zeit keines bauen bzw. besitzen können […]
  3. Fälle, in denen Exponate und Ausstellungen aus konservatorischen Gründen oder aus Sicherheitsgründen nicht physisch präsentiert werden können. Dazu zählt auch die Sicherung gefährdeter Objekte
  4. Rekonstruktion historischer Orte und deren Umgebungen auf der Basis historischer oder archäologischer, paläontologischer Sachverhalte und Dokumente
  5. Fälle, in denen die Zielsetzung besteht, eine komplette Sammlung und das gesamte verfügbare Material bzw. Exponate zu präsentieren, also auch aus Depots
  6. Ein Museum versucht, Besucher*innen und andere Stakeholder […] überall / weltweit und zu jeder Zeit zu erreichen
  7. Spezialfall: “WebArt”; digitale Sammlungen, Ausstellungen mit digitalen Exponaten; digitale Neukompositionen […]
  8. Ermöglichung physisch nicht in Frage kommender Perspektiven

Museum Keltenwelt am Glauberg
Blick auf das Museum der Keltenwelt am Glauberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Geschichte des Museums

Trotz der Tatsache, dass sich der Begriff „Museum“ vom altgriechischen „Museion“ ableitet ist es nicht so, dass die Geschichte der Museen tatsächlich bis in die hellenistische Antike zurückreicht.
Museen, wie wir sie heute kennen, sind aus anderen und deutlich jüngeren Wurzeln entstanden.

Der Deutsche Museumsbund führt die Museen, wie wir sie heute kennen auf die Zeit der Renaissance – also ca. die Zeit von 1300-1600 – zurück. Früher hieß es auf der Website des Deutschen Museumsbundes zur Geschichte:

Vorläufer heutiger Museumssammlungen sind die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance sowie die fürstlichen Sammlungen des Barock, in denen Objekte unterschiedlichster Herkunft und Zweckbestimmung gemeinsam präsentiert wurden. Als “theatrum mundi” sollten die Gegenstände – Kunstwerke, Antiquitäten, Bücher, Naturalien, technische Geräte sowie auch Kuriositäten und Raritäten – den universalen Zusammenhang der Welt darstellen. Die Kunst- und Wunderkammern von Ferdinand II von Tirol (1529-1595) auf Schloss Ambras bei Innsbruck und von Kaiser Rudolf II (1576-1612) in Prag beispielsweise zählen noch heute zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art.
Die Naturwissenschaften – mit ihrer systematischen Betrachtungsweise und dem Messen und Verzeichnen von Objekten – bestimmten die ersten wissenschaftlichen Ordnungssysteme, nach denen diese naturwissenschaftlichen Sammlungen katalogisiert wurden. Während die fürstlichen Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts der höfischen Repräsentation und persönlichen Erbauung dienten, bildeten sich in der Zeit der Aufklärung auch bürgerliche Sammlungen heraus, wie z.B. die von August Hermann Franke (1663-1727) aus Halle, die in erster Linie zu Unterrichtszwecken herangezogen wurden. Kunst- und Wunderkammern sind heute in Form von Staatssammlungen oder als Grundstock städtischer oder privater Sammlungen erhalten.
Zu den ersten öffentlichen Museen in Europa zählen das British Museum in London (eröffnet 1753) und das Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig (1754). Die älteste eigens für diesen Zweck errichtete Museumsarchitektur in Europa ist das 1779 eröffnete Museum Friedericianum in Kassel.
Während es sich bei den Sammlungen der frühen Museen (Darmstadt, Dresden, Karlsruhe, München, Stuttgart) noch um Bestände aus feudalen Kunstkammern handelte, kam es im 19. Jahrhundert in vielen Städten zu bürgerlichen Museumsneugründungen (Bremen, Frankfurt a.M., Hamburg). Im weiteren Verlauf der Museumsgeschichte entstand eine Vielfalt auf unterschiedliche Gattungen spezialisierte Museen.


Was ist das größte Museum der Welt?

Das wohl größte Museum der Welt findet sich und das ist eher keine große Überraschung – in China. Das National Museum of China wurde bis 2011 umfangreich renoviert und erweitert. Seither hat es eine Fläche von beinahe unglaublichen 195.000 m2! Allein für die Besichtigung des Museums sollte man also einen kompletten Urlaub einplanen oder aber sich auf kleinere Themengebiete fokussieren.

Das Nationalmuseum befindet sich in Peking in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tiananmen-Platz. Einer Statistik aus dem Jahr 2016 zufolge zog es damals 7,5 Millionen Besucher*innen an und zählt damit auch zu den meistbesuchten Museen der Welt.

Übrigens: Für den Um- und Ausbau des Museums zu einem derart riesigen Musentempel zeichnete das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner verantwortlich. Die erste Ausstellung, die hier am 1. April 2011 eröffnet wurde trug den Titel „Kunst der Aufklärung“ und wurde maßgeblich aus Deutschland vorbereitet und auch teilweise finanziert. Vorbereitet wurde die Ausstellung nämlich vom damaligen Dresdener Museumsdirektor Martin Roth, der später als Chef ins Londoner Victoria und Albert Museum ging und viele der Leihgaben stammten aus den Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und der Bayerischen Staats-Gemäldesammmlung München.


Innenansicht Louvre Paris
historische Postkarte des Museums Louvre – Innenansicht

Welches ist das meistbesuchte Museum der Welt?

Das meistbesuchte Museum ist und bleibt wahrscheinlich auch noch eine Weile der Louvre! Allerdings immer knapper gefolgt vom größten Museum der Welt, das wir im vorangegangenen Abschnitt vorgestellt haben. Außerdem zur Top-Ten der meistbesuchten Museen der Welt zählen auf den folgenden Plätzen das National Air and Space Museum in Washington, D. C., das Metropolitan Museum of Art in New York, das Vatikanmuseum, das Shanghai Museum für Wissenschaft und Technologie, das National Museum of Natural History, ebenfalls in Washington, D. C. sowie das British Museum und die Tate Modern in London. Sie alle glänzen mit Besucherzahlen von mehr als 5 Millionen pro Jahr – der Louvre hat übrigens über 8 Millionen Besucher, ebenso wie das Chinesische Nationalmuseum, danach klafft eine Lücke von mehr als 1 Million Besucher, denn im National Air and Space Museum konnte man „nur“ 7 Millionen Besucher verzeichnen.

Wer übrigens auf der Liste der 60 meistbesuchten Museen der Welt nach einem deutschen Museum sucht, der sucht vergebens, wohingegen es in Amsterdam immerhin zwei Museen – wenn auch nur knapp – auf die Liste schaffen: das Rijksmuseum und das Van Gogh Museum. Den Österreichern geht es übrigens nicht besser: auch sie haben es mit keinem ihrer Museen auf die Liste geschafft.


Museen in Deutschland – Wie viele Museen gibt es in Deutschland?

Laut einer statistischen Erhebung aus dem Jahr 2017 gab es in diesem Jahr etwa 6.800 Museen in Deutschland. Diese Museen wurden von rund 114 Millionen Besuchern besichtigt. Zu diesen Museen kommen noch etwa 470 Ausstellungshäuser mit etwa 6,2 Millionen Besuchern.

Das Bundesland mit den meisten Museen ist übrigens Bayern, hier finden sich 1.153 Museen, knapp dahinter liegt Baden-Württemberg mit 1.066 Museen. Verglichen mit diesen Zahlen sind die anderen Bundesländer übrigens weit abgeschlagen: Auf Platz drei liegt Nordrhein-Westfalen mit 679 Museen, Niedersachsen folgt auf dem vierten Platz mit 627 Museen. 411 Museen gibt es in Hessen und 407 in Rheinland-Pfalz. Auch Sachsen mit 391 und Brandenburg mit 336 Museen stehen noch ganz gut da. Deutlich weniger Museen finden sich bereits in Schleswig-Holstein, hier sind es 237, in Sachsen-Anhalt 231 und in Thüringen 216. Reichlich abgeschlagen sind dann die übrigen Bundesländer, was zum Teil aber auch mit ihrer Größe zusammenhängt: In Berlin finden sich 158 Museen, im Saarland 66, in Hamburg 55 und das Schlusslicht bildet Bremen mit gerade einmal 34 Museen.

Wer sich für eine noch detailliertere Aufschlüsselung auch nach Themengebieten der Museen interessiert, dem sei der Wikipedia-Artikel „Museen in Deutschland“ ans Herz gelegt.


Bedeutende Kunstmuseen in Deutschland

Beim Wort Museum fallen tatsächlich den meisten Menschen zunächst Kunstmuseen ein und davon gibt es sehr viele. Wie gesehen ist das besucherstärkste Museum der Welt – der Louvre – tatsächlich ein Kunstmuseum. Aber auch in Deutschland gibt es zahlreiche hervorragende und bedeutende Kunstmuseen.

Schaut man sich so im Internet und vor allem auf Bewertungsplattformen um, so findet man zahlreiche Kunstmuseen, die als bedeutend und besonders sehenswert eingestuft werden. An dieser Stelle seien einige von ihnen genannt wobei die Liste weder eine Wertung noch ein Ranking darstellen soll:

  • Neue Nationalgalerie Berlin: schon das Gebäude selbst kann als Kunst durchgehen und wurde von Mies van der Rohe entworfen. Die Sammlung umfasst vor allem moderne Kunst des 20. Jahrhunderts
  • Alte Nationalgalerie Berlin: Wer es nicht ganz so mit Moderner Kunst hat, sondern es lieber etwas älter mag, der ist in der Alten Nationalgalerie in Berlin gut aufgehoben in der sich vor allem Werke des 19. Jahrhunderts finden
  • In Potsdam macht das Museum Barberini immer wieder von sich reden. Hier findet sich Kunst von den Alten Meistern bis hin zur zeitgenössischen Kunst mit Schwerpunkt auf dem Impressionismus
  • Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln zählt zu den bekanntesten deutschen Kunstmuseen. Geschaffen hat die Sammlung Ferdinand Franz Wallraf. Sie umfasst Gemälde, Drucke und Zeichnungen aus dem Europa des 13. bis 20. Jahrhunderts
  • Ist man gerade in Köln, dann sollte man auch beim Museum Ludwig vorbeischauen. Hier findet sich die umfangreichste Pop-Art-Kollektion Europas und die drittgrößte Picasso-Sammlung der Welt. Ergänzt wird die Sammlung durch zahlreiche Werke des deutschen Expressionismus, der russischen Avantgarde und eine Sammlung zur Geschichte der Fotografie
  • Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden ist vor allem spezialisiert auf die Kunstgeschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts. Renaissance, Barock und niederländischer Realismus sind hier vorherrschend. Das Museum war insgesamt sieben Jahre teilweise wegen Sanierungsarbeiten geschlossen und eröffnet am 29. Februar 2020 neu
  • Das „Städel-Museum“ in Frankfurt am Main existiert seit 1815 und wurde von Johann Friedrich Städel gegründet. Heute gilt das Städel als älteste und renommierteste Museumsstiftung in Deutschland. 700 Jahre europäische Kunstgeschichte sind hier unter einem Dach vereint
  • Die Alte Pinakothek in München beherbergt „Alte Meister“ bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die Sammlung, die auf die ehemaligen bayerischen Kurfürsten zurückgeht basiert in weiten Teilen auf der alten Kunstsammlung der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg in Düsseldorf
  • Neben der Alten gibt es in München auch die Neue Pinakothek, die allerdings ist für mehrere Jahre geschlossen. Ein Teil der Sammlung wird in der Alten Pinakothek gezeigt
  • Ebenfalls in München ist das Lenbachhaus. Die Sammlungsschwerpunkte dieses Museums sind die Kunst des 19. Jahrhunderts mit der Kunst des Blauen Reiter und der Neuen Sachlichkeit, ergänzt durch eine Sammlung internationaler Gegenwartskunst
  • In Stuttgart findet sich die Alte Staatsgalerie, die im Jahr 1843 gegründet worden ist. Das Hauptaugenmerk liegt auch hier auf der Kunst des 13. bis 18. Jahrhunderts, allerdings gibt es auch einen speziellen Sammlungsteil zur Kunst des 19. Jahrhunderts
  • Wen wundert es: in Stuttgart gibt es auch eine Neue Staatsgalerie. Der Sammlungsschwerpunkt hier ist natürlich die Kunst des 20. Jahrhunderts
  • In Essen macht seit Jahren das Museum Folkwang von sich reden. Die umfassende Sammlung des Museums kann man – zumindest teilweise – vor einem Besuch auch schon online erkunden!

Das Goethe-Museum in Düsseldorf in Schloss Jägerhof
Das Goethe-Museum in Düsseldorf in Schloss Jägerhof Foto: A. Kircher-Kannemann

Private Museen in Deutschland

„Ein Privatmuseum ist eine Sammlung zu einem meist sehr begrenzten Thema und wird von einzelnen Liebhabern, Sammlern und Vereinen betrieben. Im Gegensatz zu einem staatlichen bzw. öffentlichen Museum ist eine wissenschaftliche Begleitung und systematische Dokumentation nicht immer gewährleistet. Daher haben Privatmuseen für die geschichtliche Forschung oft nur insofern eine Bedeutung, als sie die staatlichen Sammlungen ergänzen.“ heißt es zum Thema „Private Museen in Deutschland“ bei Wikipedia und sicher ist da auch etwas wahres dran, aber es trifft nicht auf alle privaten Museen zu. Zumal die Definition von Wikipedia nur auf einen begrenzten Anteil der Museen schaut und offenbar vor allem die Kunstmuseen ein wenig außer Acht lässt. Dabei gibt es gerade in diesem Bereich viele Museen, die auf Stiftungen basieren und eher als Private Museen anzusehen sind, auch wenn sie durchaus teilweise staatliche bzw. kommunale Zuwendungen erhalten.

Außerdem sollte man immer eines im Blick behalten: Ganz viele Themen fänden einfach nicht statt und ihre Geschichte und ihre Geschichten würden vergessen, gäbe es nicht private Museen, die sich ihrer annehmen. Das gibt es zum Beispiel das Apothekenmuseum in Heidelberg, das Hutmuseum in Nürnberg, das Frauenmuseum in Bonn und viele viele andere Museen, die den Besuch und die Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema durchaus lohnen.


Einzigartige Museen in Deutschland

Wenn man mit einzigartig ungewöhnlich meint, dann gibt es in Deutschland sehr viele einzigartige Museen, die sich zum Teil mit Themen beschäftigen, die man so im ersten Moment nicht zwingend als „museal“ ansehen würde. Aber bei genauerer Betrachtung haben auch diese Museen durchaus ihre Berechtigung und sei es nur deshalb, weil es dann doch erstaunlich viele Menschen gibt, die sich für dieses Thema interessieren.

Andererseits sollte man auch feststellen, dass im Grunde jedes Museum für sich genommen einzigartig ist, denn jedes Museum hat Exponate, sprich Ausstellungsstücke zu bieten, die es in keinem anderen Museum gibt. Und jedes Museum hat seine Sammlungen anders zusammengestellt, legt andere Schwerpunkte, wirft einen anderen Blick auf vielleicht im ersten Moment ganz ähnlich aussehende Stücke. das alles führt zur Einzigartigkeit jedes einzelnen Museums.

Aber bleiben wir bei der Einzigartigkeit im Sinne des Ungewöhnlichen und Besonderen: dann kann in der Reihe dieser einzigartigen Museen in Deutschland sicherlich das Deutsche Hygiene Museum in Dresden genannt werden, wo es von Liebesbriefen bis hin zu Geburtsstühlen eine Menge Dinge zu sehen gibt, die mit „Hygiene“ im weitesten Sinne zu tun haben. einzigartig – zumindest in Deutschland – ist sicherlich auch das „Soul of Africa“ in Essen, wo sich alles um das Thema Voodoo dreht. Interessant und besonders – und das nicht nur für Pharmazeuten und der Medizin verhaftete Menschen – ist auch das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg.

Aber es gibt auch einzigartige und ungewöhnliche Museen, die offenbar dann doch nicht vom Erfolg beseelt sind, so etwa das Deutsche Currywurst-Museum in Berlin, das seit Dezember 2018 geschlossen ist. Mit den Steuern sieht es übrigens nicht anders aus: Das Deutsche Steuermuseum in Brühl gibt es ebenfalls nicht mehr, denn die Bundesfinanzakademie, die dem Museum seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte brauchte die dann am Ende doch wieder selber.

Was es aber noch immer gibt, das ist ein ganz besonders süßes Museum, das sicher bei fast allen Besuchern – es sei denn sie sind gerade auf Diät – für gute Laune sorgt: das Deutsche Schokoladen-Museum in Köln. Das ist übrigens ein privates Museum sponsort by Lindt.


Reichskammergerichtsmuseum Wetzlar
Das Reichskammergericht in Wetzlar – Foto: A. Kircher-Kannemann

Spezialmuseen in Deutschland

Mit diesem letzten Beispiel bzgl. „einzigartige Museen in Deutschland“ sind wir dann eigentlich auch schon beim Thema „Spezialmuseen in Deutschland“ angekommen, denn im Regelfall sind besonders einzigartige und ungewöhnliche Museen auch gleich einmal Spezialmuseen, da sie sich nur mit einem einzigen und sehr begrenzten Thema beschäftigen. So eben, das oben bereits erwähnte Deutsche Schokoladen-Museum, ebenso wie das Voodoo-Museum in Essen oder das Hygiene-Museum in Dresden. Erwähnen kann man in diesem Zusammenhang sicherlich auch noch das Bier- und Oktoberfestmuseum in München, ebenso wie diverse Karnevalsmuseen im Rheinland etwa in Düsseldorf oder Köln.

Ganz anderer Natur – im wahrsten Sinne des Wortes – ist zum Beispiel das Bienenmuseum in Duisburg, das schon seit 1952 vom Kreisimkerverband in Duisburg betreut wird.

Wer sich eher für Sport interessiert, der dürfte mit dem Golfmuseum in Regensburg dann wohl eher glücklich werden oder aber mit dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Besonders häufig gibt es übrigens Automobil-Museen, da hat im Grunde jede größere Marke ihr eigenes und dazu kommen diverse Oldtimerfans und Oldtimerclubs, die ebenfalls größere oder kleinere Museen unterhalten. Auf Wikipedia gibt es eine durchaus beeindruckend lange Liste von Automuseen in Deutschland, für alle, die es genau wissen möchten.


Interaktive Museen, Erlebnismuseen und Museen für Kinder in Deutschland

Alltagsgeschichte vergangener Jahrhunderte greifbar nah erleben oder in die Arbeitswelt der Menschen früherer Epochen eintauchen oder einfach durch ihre Straßen, ihre Häuser streifen und sich zurückversetzt fühlen – irgendwie das Gefühl haben, eine Zeitreise zu machen und selbst in eben in dieser vergangenen Zeit zu sein. Das ist wohl am ehesten das, was die meisten Menschen suchen, wenn sie ein Erlebnismuseum oder auch ein sogenanntes „Interaktives Museum“ suchen.

Seit geraumer Zeit erleben solche Museen einen ungeheuren Aufschwung und werden immer stärker besucht. Das liegt sicher vor allem daran, dass man gerade „Erlebnismuseen“ besonders gut mit Kindern besuchen kann, denn sie müssen hier nicht still einfach nur Vitrinen oder auch Bilder anstarren, sondern sie können selbst aktiv werden und Vergangenheit hautnah erleben, zum Teil sogar selbst ausprobieren.

Ein gutes Beispiel für ein Museum in dem es richtig was zu erleben gibt, ist zum Beispiel das Odysseum in Köln, das Museum mit der Maus. Wer speziell ein Museum für Kinder sucht, der sollte übrigens nach Duisburg fahren, denn dort gibt es mit dem Explorado das größte Kindermuseum Deutschlands. Das Explorado versteht sich als Mitmachmuseum speziell für Kinder im Alter von 4-12 Jahren.

Übrigens: es muss nicht immer ein spezielles Erlebnis- oder Mitmachmuseum sein, wenn man ein Museum sucht, in dem man etwas mitmachen und erleben kann. Auch viel „klassische“ Museen haben den Trend inzwischen erkannt und haben ihr Programm und ihre Ausstellungen in dieser Hinsicht umgestaltet. Empfehlenswert sind vor allem Archäologische Parks und Freilichtmuseen, sie bieten im Grunde immer die Möglichkeit Geschichte und Handwerk ganz nah zu erleben und zu entdecken. Ein gutes Beispiel ist hier z.B. der Archäologische Park Xanten.
Und auch auf den ersten Blick ganz klassisch und eher langweilig anmutende Museen sind in Sachen Interaktion auf dem Vormarsch. Als eines der besten Beispiele kann man hier sicherlich das Goethe-Museum in Düsseldorf mit seinem Faust-Labor nennen, wo man nicht nur die Experimente des Herrn Goethe nachmachen kann. Auch das LVR-Landesmuseum macht immer mehr in dieser Hinsicht, insbesondere bei seinen Sonderausstellungen, wie etwa die von 2018 bis 2019 gelaufene Ausstellung „Ritter und Burgen – Zeitreise ins Mittelalter“.


LVR Landesmuseum Bonn - Entwicklung des Menschen multimedial
Die Entwicklung des Menschen multimedial nachvollziehen im LVR-LandesMuseum Bonn – Foto: A. Kircher-Kannemann

Museen in Nordrhein-Westfalen

Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2017 gibt es in Nordrhein-Westfalen 679 Museen. Damit liegt NRW bundesweit auf Platz 3, was die Anzahl der Museen angeht. Nur Bayern und Baden-Württemberg haben, mit jeweils über 1.000 Museen, mehr zu bieten.

Die Bandbreite dieser 679 Museen ist extrem breit; das klang in den vorangegangenen Abschnitten ja auch bereits an, denn sie reicht vom Schokoladenmuseum, über ein Bienenmuseum, das Mausmuseum bis hin zu großen und vielgestaltigen Archäologischen Parks, klassischen Landes- und Stadtmuseen, wie in Bonn und natürlich Kunstmuseen.

Dabei sind es nicht immer nur die großen und besonders bekannten Museen, die den Fokus auf sich lenken. Vielfach sind es kleine Museen, die man so vielleicht nicht erwartet, die aber durch besondere Aktionen und durch viel Engagement auf sich aufmerksam machen.

Eines dieser eher unbekannten aber stets aktiven und innovativen Museen ist das Goethe-Museum in Düsseldorf oder auch das Museumszentrum Burg Linn in Krefeld. Es ist erstaunlich welchen Themen man sich hier widmet. Zu entdecken gibt es sowohl hier als auch da deutlich mehr als der Name vermuten lässt.

So wie das Goethe-Museum und das Museums-Zentrum Burg Linn gibt es viele ausgesprochen innovative Museen in Nordrhein-Westfalen bei denen sich ein Besuch mehr als lohnt und bald finden Sie hier eine Liste der Nordrhein-Westfälischen Museen, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wird.


Museen und Ausstellungen

Ausstellungen sind das Kerngeschäft von Museen, zumindest in Sachen Außenwirkung. Denn Museen dienen dazu interessierten Menschen Kunst und Geschichte näherzubringen, sie darzustellen und zu erklären. Dazu ist es die Aufgabe von Museen Objekte zu sammeln, diese Objekte in einen Kontext zu stellen und dann der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Ausstellungen in einem Museum: da gibt es zum einen die sogenannte „Dauerausstellung“. In dieser präsentiert das Museum in aller Regel einen Überblick über seine Sammlung oder Sammlungen. Bei historischen und auch archäologischen Museen sind dies meist chronologisch oder auch thematisch gegliederte Ausstellungsbereiche. Bei Kunstmuseen sieht dies nicht wesentlich anders aus.

Plakat Ausstellung "Ritter und Burgen" LVR-Landesmuseum Bonn
Plakat zur Ausstellung “Ritter und Burgen – Zeitreise ins Mittelalter. Eine Mitmachausstellung” im LVR-Landesmuseum Bonn

Zum anderen gibt es die sogenannten „Sonderausstellungen“ diese finden in aller Regel ein bis zweimal pro Jahr statt und beschäftigen sich mit speziellen Themen. Dabei können dies Themen sein, die tatsächlich mit dem Museum, seinen Sammlungen und Kernthemen in enger Verbindung stehen, wie zum Beispiel die Ausstellung „Gelduba – Abenteuer Großgrabung“ im Museumszentrum Burg Linn in Krefeld. Schließlich ist das archäologische Museum in Krefeld einst vor allem ins Leben gerufen worden, um die Funde aus dem benachbarten „Gelduba“ (heute Krefeld-Gellep) zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Andererseits gibt es auch Sonderausstellungen, die zu einem speziellen Thema erstellt wurden und nur am Rande mit dem Kerngeschäft des jeweiligen Museums zu tun haben. Für solche Ausstellungen tragen die entsprechenden Museen aus anderen Häusern Exponate zusammen, leihen sie aus und konzipieren sie zu einer eigenen ganz neuen Ausstellung. Ein Beispiel für eine solche Sonderausstellung ist etwa die „Pestausstellung“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Eine besondere Form der Sonderausstellung sind sogenannte Wanderausstellungen. Diese werden zumeist von einem Verbund von Museen oder auch von Verlagen oder anderen Institutionen zusammengestellt und dann in ganz Deutschland, Europa oder sogar weltweit auf Reisen geschickt und an wechselnden Orten gezeigt. Ein gutes Beispiel für eine solche Wanderausstellung ist „Europa in Bewegung“, eine Ausstellung, die 2019 im LVR-Landesmuseum in Bonn gezeigt wurde.


Museen und Digitalisierung – Die Zukunft

Digitalisierung ist ein Schlagwort, dass nicht nur unser Alltagsleben inzwischen in weiten Teilen prägt. Digitalisierung hält auch immer mehr Einzug in die Museen. Dabei ist in Deutschland noch sehr viel Luft nach oben, denn wirft man einen Blick hinaus in die Welt, in die USA oder auch in die Niederlande, so ist die Digitalisierung der Museen dort bereits viel weiter fortgeschritten als hier bei uns. Herausragende Beispiele für Museen, die die voranschreitende Digitalisierung als Chance erkannt und genutzt haben, sind sicherlich vor allem das Metropolitan Museum of Art in New York und das Rijksmuseum in Amsterdam. Hier lassen sich via Internet die Sammlungen bereits vor einem Besuch erleben, man kann eigene Fotoalben zusammenstellen und vieles mehr. Ein besonderer Coup des Rijksmuseum war sicherlich auch die Restaurierung des berühmten Gemäldes „Nachtwache“, der man via Internet live folgen kann.

Aber auch deutsche Museen ziehen hier Stück für Stück nach und öffnen sich und ihre Sammlungen dem Internet. Ein gutes Beispiel für diese Öffnung bietet zum Beispiel das Lenbachhaus in München, das – soweit die urheberrechtlichen Bestimmungen es zulassen – seine Sammlung online zur Verfügung stellt. Auch die Kunsthalle „Schirn“ in Frankfurt am Main hat mit ihrem „Digitorial“ zur Surrealismus-Ausstellung hervorragende Arbeit geleistet.

Ein anderes Beispiel für die zunehmende Digitalisierung im Bereich der Museen sind speziell solche Museen oder auch Ausstellungen, die gleich und von vornherein online geplant werden. So kann man seit Kurzem Fastnacht virtuell 365 Tage im Jahr erleben und sich mit unterschiedlichen der Fastnacht beschäftigen, wie etwa den Figuren oder der Musik. Das und noch viel mehr bietet das virtuelle Fastnachtsmuseum. Entstanden ist es im Rahmen des Projekts „Museum 4.0“ und wurde mit 1 Million Euro gefördert.

Diese Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich in Sachen Digitalisierung in deutschen und internationalen Museen seit einigen Jahren tut. Das Thema ist umfangreich und wird tagtäglich umfangreicher. Das liegt vor allem auch daran, dass die Digitalisierung natürlich längst nicht nur den nach Außen sichtbaren Bereich der Museen betrifft, sondern auch deren Arbeit im Innern. Aufgrund des Umfangs und des Facettenreichtums des Themas „Museen und Digitalisierung“ wird es auf diesem Blog in Zukunft eine kleine Reihe zum Thema geben. Dabei wird es vor allem um die Chancen gehen, die die Digitalisierung den Museen und allgemein dem Kulturbereich zu bieten haben. Zu nennen sind hier nicht nur Social Media und Internetauftritte, sondern auch neue Techniken wie Virtual und Augmented Reality.

virtuelle Realität LVR Landesmuseum Bonn
virtuelle Realität in der Ausstellung “Ritter und Burgen” im LVR-Landesmuseum Bonn Foto: A. Kircher-Kannemann

Museum Quotes

„Gebt mir ein Museum, und ich werde es füllen.“ – Pablo Picasso (1881-1973), span. Maler

„Die meisten Dummheiten in der Welt muss sich wahrscheinlich ein Gemälde in einem Museum anhören.“ – Edmond de Goncourt (1822-1896), frz. Schriftsteller

„Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern.“ – Jeanne Moreau (1928-2017), frz. Sängerin und Schauspielerin

„Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schöne Zukunft bestimmt ist.“ – Papst Johannes XXIII. (1883-1961)

„Ich ging oft ins Heidelberger Schloss, um mir das Raritätenkabinett anzusehen, und eines Tages überraschte ich den Leiter mit meinem Deutsch, und zwar redete ich ausschließlich in dieser Sprache. Er zeigte großes Interesse; und nachdem ich eine Weile geredet hatte, sagte er, mein Deutsch sei sehr selten, möglicherweise ein »Unikat«; er wolle es in sein Museum aufnehmen.“ – Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller

„Die öffentliche Wertschätzung des Museums wird insbesondere durch seine publikumswirksamen Präsentationen in Dauer- und Sonderausstellungen bestimmt. Dies sind jedoch nicht die alleinigen Kennzeichen der professionellen Museumsarbeit. Ein erheblicher Teil der originären Aufgaben der Museen bleibt dem Besucher und den politisch Verantwortlichen in der Regel verborgen: das Sammeln, Bewahren und Forschen. Die Ergebnisse der Arbeit in diesen Bereichen sind die Grundlage für das Ausstellen und Vermitteln – und damit das öffentliche Erleben der Museumssammlungen.“ – Deutscher Museumsbund

Eine Antwort auf „Museum – Was ist das? – Geschichte und Zukunft“

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