Goethe-Museum Düsseldorf – Museums-Tipp

Das Goethe-Museum Düsseldorf ist ein Museum mit Geschichte und ganz vielen Geschichten. Nicht nur die Entstehung der Sammlung, die hier zu sehen ist, erzählt von den Wechselfällen der Geschichte, sondern auch das Gebäude in dem das Museum untergebracht ist. Beide ergänzen sich und helfen sich gegenseitig die Welt und die Zeit Johann Wolfgang Goethes – die Zeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts – auf ganz besondere Weise lebendig werden zu lassen und das nicht nur für Goethe-Fans und Literaturbegeisterte.

Das Goethe-Museum in Düsseldorf

Johann Wolfgang von Goethe – bekanntlich der deutsche Dichter schlechthin; der, den man immer zitieren kann, der jedem einfällt, wenn man nach deutschen Dichtern fragt; der Mann, den man wie keinen Zweiten mit Weimar verbindet und auch mit Frankfurt am Main, seiner Geburtsstadt. Aber Goethe und Düsseldorf? Das leuchtet nicht gleich ein und ist eine Verbindung, die man nicht gleich zieht und doch gibt es in Düsseldorf ein Museum, dass den Namen des Herrn Goethe trägt und sich mit ihm beschäftigt, doch wie kommt es dazu? War Goethe überhaupt je in dieser Stadt oder gab es hier nur jemanden, der ihm besonders verbunden war?

Goethe-Büste Goethe-Museum Düsseldorf
Büste Johann Wolfgang von Goethes im Düsseldorfer Goethe-Museum
Foto: ©Goethe-Museum Düsseldorf

Ein Museum für Goethe in Düsseldorf

Um es gleich vorneweg zu sagen: Ja, Johann Wolfgang von Goethe war in Düsseldorf und zwar genau zweimal in seinem Leben. In den Jahren 1774 und 1792 besuchte er die Stadt, genauer gesagt besuchte er Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), einen Philosophen, Juristen und Kaufmann mit dem er befreundet war und dessen Haus er in der „Kampagne in Frankreich“ als das „gastfreiste aller Häuser“ bezeichnete.

Man sieht: es gibt also durchaus eine Verbindung zwischen der Stadt Düsseldorf und Johann Wolfgang von Goethe, auch wenn der Herr Geheimrat gar nicht im Schloss Jägerhof gewohnt hat, sondern im Jacobihaus in Pempelfort, in dem heute der Künstlerverein „Malkasten“ sein Zuhause hat.

Allerdings sind die Aufenthalte Goethes nicht der Grund, warum es seit 1987 ein Goethe-Museum in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gibt. Der Grund ist bei einem glühenden Goethe-Fan zu suchen: Anton Kippenberg (1874-1950). Anton Kippenberg war Verleger, Leiter des Insel-Verlags und eben Goethe-Fan, lernte zum Beispiel seine Frau auf einer Tagung der Goethe-Gesellschaft kennen, gab dessen Werke heraus und sammelte alles, was er über Johann Wolfgang finden konnte. So entstand die wohl bedeutendste und größte private Sammlung über die Person und das Werk des Dichters.

 

Das Goethe-Museum und die Sammlung des Anton Kippenberg

Bleibt die Frage zu klären, wie es die Sammlung des Bremers Anton Kippenberg nach Düsseldorf verschlug und wie sich daraus ein Museum entwickeln konnte. Der Grund dafür ist, wie so oft, im 2. Weltkrieg zu suchen: Seit 1902 war Kippenberg Leiter des Insel-Verlages mit Sitz in Leipzig und hier befand sich auch seine Goethe-Sammlung. Der Krieg machte es nötig die Sammlung nach Thüringen und Sachsen auszulagern, um sie vor der Zerstörung zu schützen. Auch hier wäre sie wahrscheinlich von den heranrückenden Alliierten eventuell zerstört oder zumindest auseinandergerissen worden, wenn es Anton Kippenberg nicht gelungen wäre die maßgeblichen Männer in der US-Armee von der Bedeutung seiner Sammlung zu überzeugen. Sie sicherten die Sammlung und brachten sie schließlich zum „Central Art Collection Point“ nach Marburg. Gerettet war sie nun immerhin und auf der Suche nach einer neuen Heimat.

Diese neue Heimat fand die Goethe-Sammlung dann 1953 in Düsseldorf und der Grund dafür ist die Tochter Anton Kippenbergs. Sie überführte die Sammlung ihres Vaters nach Düsseldorf und in die „Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung“. 1953 wurde ein Stiftungsvertrag mit der Stadt Düsseldorf geschlossen, die sich verpflichtete für die Ausstattung, Unterhaltung und weitere Entwicklung der Sammlung Sorge zu tragen.

In das heutige Museumsgebäude, das Schloss Jägerhof, zog das Goethe-Museum Düsseldorf im Jahr 1987 ein, wo seither die umfangreiche und beeindruckende Kippenbergische Goethe-Sammlung zu sehen ist.

 

Andy Warhols Darstellung Goethes im Düsseldorfer Goethe-Museum
Goethe-Porträt von Andy Warhol im Goethe-Museum Düsseldorf
Foto: ©Goethe-Museum Düsseldorf

 

Ich habe Damian Mallepree, den wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums, gebeten ein bisschen über sein Museum auf dem Weg ins digitale Zeitalter zu erzählen und uns sein liebstes Ausstellungsstück vorzustellen:

 

Das Goethe-Museum Düsseldorf auf dem Weg ins digitale Zeitalter

„Mitten in Düsseldorf, am Hofgarten gelegen, liegt das Goethe-Museum/Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung. Wir zeigen hier allen Goethe-Fans und solchen, die es noch werden wollen, wertvolle Handschriften, Zeichnungen und Bilder des größten deutschen Dichters. Das berühmte „Ginkgo biloba“-Gedicht, Versuche zur Farbenlehre und die Nachbildung eines Schädelknochens laden dazu ein, sich mit dem vielseitigen forschenden Goethe zu beschäftigen.

Für alle Besucher, denen ein digitaler Besuch erstmal ausreicht, haben wir auch digitale Räume: auf den Plattformen wie Twitter, Facebook und Instagram (@goethemuseum) freuen wir uns über einen Austausch mit allen Interessierten zum Thema #Goethe. Über unser Museum können sich die Besucher ebenso auf der Website (www.goethe-museum.com) informieren. Unsere Besucher dürfen nach Herzenslust filmen und fotografieren. Nur so kann eine digitale Vernetzung gefördert werden.

Im Sinne dieser neuen digitalen Möglichkeiten sehen wir die Digitalisierung als Chance. Goethe selbst erkannte den Gewinn einer vertieften, gemeinsamen Zusammenarbeit: „Mein Werk ist das eines Kollektivwesens und trägt den Namen ‚Goethe‘“. Was ist die „Digitalisierung“? Sie setzt sich zusammen aus verschiedenen Bausteinen: der oben genannten Vernetzung über Social-Media und der Digitalisierung von Inhalten und Arbeitsabläufen. Im Kultursektor schafft die Digitalisierung uns die Gelegenheit, uns weltweit über die Goethe-Themen auszutauschen. Die Geschichten, Bilder, Gedanken und Daten aus unserem Museum für alle verfügbar zu machen, ist unser großes Ziel.

Dafür braucht man technische Grundlagen. Seit Ende 2018 haben wir einen Glasfaser-Anschluss. Im Jahr 2019 kommen WLAN-Accesspoints für die Besucher hinzu. So werden die Besucher sich hier vor Ort dann auch unsere neue Museums-App herunterladen können.“

 

Von Kindern, Schnitzeljagden und Lieblingsobjekten im Goethe-Museum

„In den Schulferien werden von der Abteilung für kulturelle Bildung Kinderferienprogramme angeboten. Die sind für alle Kinder kostenlos. Bei Schnitzeljagden oder Bilderrätseln geht es darum, die Schätze der Sammlung zu entdecken, um im Nachgang selbst tätig zu werden und eigene Kunstwerke zu kreieren. So mancher Schüler entdeckt dabei auch sein Lieblingsobjekt. Zum Beispiel ein Bild, wie Goethe ein Pferd vor dem Ertrinken rettet.

Mein Lieblingsobjekt ist der Spiegelkasten mit Gläsern unterschiedlicher Trübung. An diesem kann man sehr anschaulich Goethes Beobachtungen bei der Entstehung von Farben zeigen. Zum Beispiel, warum der Himmel blau ist oder die Sonne gelb. Ein Objekt, das ich gerne aus unserem Museumsdepot in die Ausstellung holen würde, ist eine Kinderzauberkiste von Goethes Enkeln.

Damit alle unsere Vorhaben keine Zauberei bleiben, werden wir seit dem Jahr 2017 partnerschaftlich von der Beisheim Stiftung begleitet und bei der Neupräsentation unserer Ausstellung gefördert.

Gemeinsam mit der Beisheim Stiftung und dem Freundeskreis des Goethe-Museums wünschen wir uns, dass das Goethe-Museum Düsseldorf ein Ort des lebendigen Austauschs wird über alle zukunftsweisenden Gedanken Goethes. Dieser Ort zeichnet sich durch digitale und analoge Angebote aus, die offen für alle Besucher sind und so jedem sein persönliches „Goethe-Erlebnis“ ermöglichen.“

Stahlstich von Schloss Jägerhof in Düsseldorf, ca. 1860, heute Sitz des Goethe-Museums
Stahlstich von Schloss Jägerhof in Düsseldorf, ca. 1860
G. Heisinger nach einer zeichnung von Ludwig Rohbock; scan by Sir Gawain [Public domain], via Wikimedia Commons

Schloss Jägerhof und das Goethe-Museum Düsseldorf

Zum Schluss noch ein paar kurze Worte über das Gebäude, in dem sich das Museum befindet:
Der „barocke Baulöwe“ Kurfürst Karl Theodor war es, der dieses Schloss in den Jahren 1752 bis 1763 errichten ließ. Auf ihn geht auch das heutige Schloss Benrath zurück und so manches andere Gebäude, denn er hatte durchaus große Pläne mit seiner Nebenresidenz. Goethe hat es also wahrscheinlich gesehen und kannte das Jagdschloss vor den Toren der Stadt.

Anders als in Benrath wurde allerdings nicht Nicolas de Pigage mit dem Bau beauftragt, sondern Johann Joseph Couven. Es sollte ein schönes und ansprechendes Lustschloss inmitten des Hofgartens im Stil des Rokoko entstehen. Couvens Plan allerdings war Pigage wohl doch zu opulent und er ließ das Schloss am Ende ohne Seitenflügel errichten. Es entstand ein kleiner Traum in pfirsichblütenrosa, der Sitz des obersten Jägermeisters wurde und der Hofgarten wurde zu einer öffentlichen und Allen zugänglichen Parkanlage umgebaut.

In napoleonischer Zeit sollte Schloss Jägerhof erst gesprengt werden, dann wurde es doch Lazarett und anschließend zog Napoleon, wenn auch nur für wenige Tage, in das Schlösschen. Den nach ihm kommenden Preußen war es zu klein und so wurde denn doch noch ein Seitenflügel angebaut und Fürst Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen zog ein. Offenbar war es aber immer noch nicht repräsentabel genug und so wurde das Lustschlösschen nach dem Umzug des Fürsten 1909 an die Stadt Düsseldorf verkauft; die hätte viel lieber Bauland gehabt und so waren Garten und Seitenflügel denn auch bald wieder Geschichte. Die Franzosen machten es 1925 wieder mal zu ihrem Sitz und die Kommandantur zog ein, später dann die evangelische Kirche, 1937 die Gauleitung und ein Luftangriff im Jahre 1943 wäre beinahe das Ende der Geschichte gewesen. 1950 aber wurde das Schloss wieder aufgebaut und seither als Museum genutzt, zunächst für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und seit 1987 für das Goethe-Museum.

 

Ich wünsche viel Spaß beim Besuch des Goethe-Museums in Düsseldorf und beim Entdecken vieler kleiner und großer Schätze!

 

 

 

Adresse:

Goethe-Museum Düsseldorf
Jacobistraße 2
40211 Düsseldorf

Öffnungszeiten:

Museum

Dienstag bis Freitag und Sonntag: 11 – 17 Uhr
Samstag: 13 – 17 Uhr
an Feiertagen: 11 – 17 Uhr

Bibliothek und Studiensaal

Dienstag bis Freitag 10 – 12 und 14 – 16 Uhr
und nach Vereinbarung

Abweichende Öffnungszeiten

1. Januar: geschlossen
Weiberfastnacht: geöffnet
Karnevalssonntag: geschlossen
Rosenmontag: geschlossen
Ostersonntag: geöffnet
Ostermontag: geschlossen
1. Mai: geschlossen
Pfingstmontag: geschlossen
24.  – 25. Dezember: geschlossen, 26. Dezember: geöffnet
31. Dezember: geschlossen

 

Eintrittspreise:

regulär: 4,00 €
ermäßigt: 2,00 €

ab 16 Uhr Happy Hour: freier Eintritt

 

Beitragsbild: Goethes Faust kindgerecht im Goethe-Museum Düsseldorf
Foto: ©Goethe-Museum Düsseldorf

3 Antworten auf „Goethe-Museum Düsseldorf – Museums-Tipp“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.