Die Mutter aller Römerkastelle und ein bisschen Historismus – 2. #Kulturwoche: Freitag

Die Kulturwoche war bisher beherrscht von Jugendstil, Rock’n Roll und ganz viel Goethe und seinem Werther. Jetzt reisen wir ein wenig weiter zurück in der Geschichte – zurück in römische Zeit und zum UNESCO-Welterbe des Obergermanisch-Raetischen Limes.

Die „Mutter aller Römerkastelle“ erzählt beinahe mehr über die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts als über die der römischen Zeit. Warum das so ist und wer diese „Mutter“ ist? Berechtigte Fragen – beginnen wir der Reihe nach:

Zunächst einmal: Die Rede ist von der Saalburg, die gar keine Burg ist, sondern eben ein römisches Kastell oder eben auch nicht so ganz …


Die Saalburg in römischer Zeit

Begonnen hat die Geschichte der Saalburg zur Zeit des Kaisers Trajan, jenem Mann, der auch in Xanten begegnet und dort am Amphitheater die Gäste begrüßt. Jener Marcus Ulpius Traianus, wie er mit vollständigem Namen hieß, wurde im Jahr 98 zum Imperator Caesar des Römischen Reiches. Er wandte sich recht bald den germanischen Provinzen zu und erhob in der Germania inferior bereits bestehende Orte zu Städten oder gründete neue Städte. Das hatte er in Xanten getan, wo die Colonia Ulpia Traiana entstand, aber auch in Nijmegen mit der Ulpia Noviomagus Batavorum.

In der Germania superior, wo wir uns hier in Hessen befinden, wurden zunächst einmal Truppen an den Limes verlegt und die Provinz neu organisiert und zwar mit einer zivilen Struktur. Als neue Verwaltungseinheiten entstanden die Civitas Mattiacorum mit Wiesbaden als Mittelpunkt oder auch die Civitas Taunensium, hier bildete ein heutiger Ortsteil von Frankfurt den Mittelpunkt.

Die Truppenverlegung an den Limes führte auch zur Gründung des Saalburg-Kastells. Anfang des 2. Jahrhunderts war es zunächst nicht mehr als eine einfache Postenstation mit hölzernen Wachtürmen. Ein Numerus, sprich eine Hilfstruppe wurde hier stationiert. Das Kastell musste wachsen, tat es auch und es entstand ein erstes Dorf rund um das noch immer aus Holz gebaute Kastell.

Modell eines Kastell-Bades, Saalburgmuseum – Foto: A. Kircher-Kannemann

Um das Jahr 135, da war Trajan schon beinah 20 Jahre tot, wurde eine berittene Kohorte im Kastell stationiert. Also musste die Saalburg weiter ausgebaut werden, irgendwo mussten die ganzen Menschen ja Platz finden. Außerdem: Römer waren Luxusmenschen, ohne Bad und ein wenig Vergnügen ging mal gar nichts und dafür musste ja nun gesorgt werden. Zudem sah es ja nun so aus, als ob man sich tatsächlich für längere Zeit häuslich niederlassen sollte, also griff man beim Ausbau von Kastell und Dorf zu Stein, ist ja haltbarer als Holz und sieht außerdem nobler aus. Eine Mauer wurde rundherum gebaut, schicke Steintürme entstanden, eine Wall- und Grabenanlage sorgte für weitere Absicherung. Eine Badeanlage war inzwischen auch entstanden, ebenso wie kleine Tempel, ein Getreidespeicher, eine Herberge und eine große Basilika. So langsam aber sicher konnte man es sich als Römer mitten im Taunus wohl ergehen lassen.

Das Glück hielt allerdings nicht lange an: um das Jahr 233 wurde das Kastell bei einem Germaneneinfall zerstört und anschließend aufgegeben. Zwar versuchte man kurz darauf noch einmal das Kastell wiederaufzubauen, aber so ungefähr zwischen 270 und 275 war dann endgültig Schluss mit lustig, die römischen Truppen zogen ab und der Obergermanische Limes wurde aufgegeben. Das Saalburg-Kastell verfiel, wie alle anderen auch.


Die Saalburg und der deutsche Kaiser

Wenn wir uns der Saalburg in der Neuzeit zuwenden, dann sind wir übrigens wieder bei unserem Montagsthema angelangt, nämlich bei der Bäderkultur des 19. Jahrhunderts. Ohne die nämlich wäre die Saalburg wohl nie zu der Berühmtheit gelangt, die sie heute hat. – Schon komisch, wie sich manchmal Kreise schließen.

Die Römer waren gegangen, das Kastell verfiel, keiner wusste so recht etwas damit anzufangen außer es als Steinbruch zu benutzen. Nicht mal einen Namen hatte der Steinhaufen in der Nähe von Bad Homburg. Erst 1604 taucht die Bezeichnung „Saalburg“ auf.

Bis aber der Steinbruch wirklich Aufmerksamkeit erregte vergingen nochmals über 100 Jahre. 1723 war es, wieder einmal war man mit dem Sammeln von Steinen beschäftigt, fand man einen Stein mit einer Ehreninschrift. Sie stammte von Caracalla, jenem Mann, der zwischen 211 und 217 römischer Kaiser gewesen war. Endlich wurde klar: dies hier sind römische Überreste! So richtig viel half das aber immer noch nicht. Wieder vergingen nahezu 100 Jahre. 1818 endlich änderte sich die Lage des römischen Steinbruchs: Landgraf Friedrich V. von Homburg verbot das Steinebrechen auf der Saalburg und zwischen 1853 und 1862 fanden erste Untersuchungen und Grabungen statt unter der Aufsicht des Archivars Friedrich Gustav Habel. Das Geld dafür kam übrigens von der Homburger Spielbank.

Endlich war das historische Interesse an den römischen Überresten geweckt und 1870 begannen gezielte Arbeiten. Ein erstes Saalburgmuseum entstand, im Kurhaus im Bad Homburg. (Man sieht, diese Bäderkultur hat es in sich.)

Grundstein der Saalburg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Dieses Saalburgmuseum war es dann wohl auch, das den deutschen Kaiser auf den Plan rief. Wilhelm II. kurte gerne und oft in Homburg. Er war der Stadt sehr verbunden und noch heute nennen die Homburger ihn „ihren“ Kaiser. Eben dieser Kaiser Wilhelm II. war eh ein Geschichts-Fan und ein Fan des Historismus. Irgendwie war es schon fast zu erwarten, dass er sich in dieses Projekt einklinken und es zu einem Prestigeprojekt machen würde. Und so geschah es:

„Kaiser Wilhelm II. verkündete am 18. Oktober 1897 im Wiesbadener Stadtschloss, dass er die weitere Wiederherstellung des römischen Kastells auf der Saalburg zum Gegenstand des eigenen höchstkaiserlichen Interesses machen werde. Drei Jahre danach (am 11. Oktober 1900) vollzog er die Grundsteinlegung der Principia im Rahmen eines großartig inszenierten Römerfestes.“

aus: Römerkastell Saalburg. Rundgang durch den archäologischen Park

Ja und heute steht es da, das Kastell Saalburg und kann besichtigt und erlebt werden. Viele Bauten sind rekonstruiert. Das Saalburgmuseum ist schon lange in die Saalburg eingezogen und kündet von den Funden, die man hier gemacht hat und von der Geschichte dieses Ortes, der ohne Römer und ohne neuzeitliche Bäderkultur wohl nie zu einem derartigen Besuchermagneten geworden wäre.

Übrigens ist die Saalburg heute nicht mehr das einzige Relikt römischer Zeit, dass den Besucher im Taunus begrüßt. An fast jeder Ecke finden sich nachgebaute Limesteile und Limestürme und manchmal grüßt sogar ein alter Römer.

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