Bäderkultur und Jugendstil zwischen Sisi und Albert Einstein – 2. #Kulturwoche: Montag

Die 2. #Kulturwoche führte mich nach Hessen und wer nach Hessen fährt, der kommt um drei Dinge nicht herum: Goethe, Limes und Bäderkultur. Genau diese drei Punkte sind es auch, die diese Kulturwoche bestimmen werden. Vor allem der Name Goethe wird oft fallen, wenn auch manchmal auf einem kleinen Umweg.


„Große Welt reist ins Bad“

Die Bäderkultur spukt mir im Kopf herum seitdem ich vor Jahren antiquarisch ein Buch ergattert habe mit dem Titel „Große Welt reist ins Bad“. Hier haben Heinz Biehn und Johanna Baronin Herzogenberg Briefe, Tagebücher und viele andere Quellen gesammelt rund um die große Zeit der Bäderreisen im 19. Jahrhundert und rund um die großen Bäder wie Bad Pyrmont, Bad Aachen, Baden-Baden, Bad Homburg, Karlsbad, Marienbad und viele andere.

Es muss ein interessantes Erlebnis gewesen sein damals in ein solches berühmtes Bad zu reisen und wem dort nicht alles begegnen konnte: Kaiser, Könige und Fürsten gaben sich die Klinken oder auch die Badezuber in die Hand, kein Literat oder Philosoph, der auf sich hielt blieb daheim. Im Bad, da wurde nicht nur gekurt, da wurde Politik gemacht und Weltgeschichte.


Bäderkultur und Jugendstil in Bad Nauheim

Bad Nauheim – wo der Jugendstil lebendig ist

Als sich jetzt die Gelegenheit ergab einmal selbst für ein paar Tage in ein solches Bad zu reisen, da habe ich natürlich nicht nein gesagt, sondern mein Köfferchen gepackt und bin los.

Zugegeben, das Bad in das ich reist gehört nicht zu dieser ehrwürdigen Riege, die oben aufgeführt ist und es ist vielleicht auch nicht das Bad, das einem so einfällt, wenn man über die Bäderkultur und die Kurorte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nachdenkt.

Umso verwunderter war ich, als ich mich im Vorfeld mit der Geschichte dieses Bades beschäftigte: Bad Nauheim.

Bad Nauheim hat, wenn man so will, bis heute einen großen Konkurrenten, der gar nicht so weit entfernt liegt und der sehr wohl in obiger Liste steht: es ist Bad Homburg. Hier fallen einem gleich diverse Geschichten ein- nicht zuletzt dank einer gewissen Person, bekannt als „Prinz von Homburg“. Heute allerdings hat Homburg viel von seinem alten Charme und seiner Geschichte eingebüßt und ich war gar nicht böse in das kleinere und beschaulichere Bad Nauheim zu kommen.

Hier nämlich ist die alte Zeit noch spürbar und erlebbar. Und vor allem: Hier regiert der Jugendstil!

Man mag es vielleicht nicht glauben und bekannt ist es auch nicht so sehr, aber der Sprudelhof in Bad Nauheim ist die größte Badeanlage im Jugendstil in ganz Europa. Und vor allem: Sie ist erhalten und zwar inklusive ihres Umfelds. Die alten Villen, andere Kuranlagen, sie alle stehen heute noch und es ist wie eine Zeitreise, die man hier erlebt.

Zwischen 1905 und 1911 hat Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, immerhin ein Enkel der Königin Victoria, den Bau dieser Anlage veranlasst. Der Architekt, den er beauftragte, war Wilhelm Jost. Jost schuf hier in Bad Nauheim ein heute wohl einzigartiges Jugendstil-Ensemble und lehnte sich damit an barocke Formen an, die er „frei“ auffasste und in „einfachen Formen“ interpretierte.

Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein – Foto 1905 gemeinfrei via Wikimedia Commons

Bad Nauheim und seine Gäste

Bad Nauheim erreichte nie den Ruf, den das benachbarte Bad Homburg genoss, vielleicht auch deshalb, weil es später entstand, weil es groß wurde, als die Hochzeit des Bädertourismus der Reichen, Schönen und Berühmten schon allmählich zum Erliegen kam und dennoch genoss auch Bad Nauheim zeitweilig den Hauch der großen weiten Welt. Kaiserin Sisi war hier zu Gast, ebenso wie die russische Zarin Alexandra und auch Albert Einstein.

Der berühmteste Gast aber, den Bad Nauheim je hatte und der diesen Ort noch heute einmal im Jahr zu einer Pilgerstätte werden lässt, war der King – Elvis Presley, aber zu dem kommen wir im Verlauf der Kulturwoche noch einmal ausführlicher.

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