Eine traumschöne Stadt und eine Liebesgeschichte – 2. #Kulturwoche: Dienstag

Von Bad Nauheim und dem Jugendstil geht es heute in eine gar nicht so weit entfernte Stadt und wie auch in der letzten Kulturwoche ist es wieder ein Dienstag an dem mir jener berühmte Dichter begegnen wird. Wie die Dinge sich manchmal treffen …

Ich schreite am Dom vorbei, die Gassen entlang. Zur Rechten eine Hofeinfahrt, ich gehe hinein und schaue mich um.
Ja, hier ist es wohl. Hier scheint sie zu wohnen, in diesem Haus in Weiß und Grau. Drei stufen führen hinauf zu ihrer Türe. Langsam steige ich sie hinauf, lege die Hand auf die Türklinke und erwarte im Innern jenes Bild zu sehen, das ich von jenem Gemälde kenne und das einging in die Weltliteratur.

Denn ich bin nicht die Erste, die auf dieser Stufe steht, die Klinke in der Hand. Dass ich überhaupt hier stehe liegt an jenem Mann, der einst – vor mehr als 200 Jahren – jenes Bild, das ich nun zu sehen erwarte, in Weltliteratur verwandelte.

Jener Mann begegnete mir schon bei der letzten Kulturwoche, ebenfalls an einem Dienstag. Jener Mann heißt Goethe, Johann Wolfgang, um genau zu sein und das Bild, das ich erwarte zu sehen ist eine junge Frau, im Kreise ihrer Geschwister, wie sie Brot aufschneidet …

Nicht nur Germanist*innen werden nun wissen wo ich bin:


Goethe besucht Lotte und sieht sie im Kreise ihrer Geschwister – Joseph Haier
Das Bild hängt im Eingang des Lottehauses in Wetzlar – Foto: A. Kircher-Kannemann

Das Lottehaus in Wetzlar

Ich besuche das „Lottehaus“ in Wetzlar.
Wetzlar, wohl eine der schönsten Städte, die ich je gesehen habe.

Im Gegensatz zu mir mochte Goethe die Stadt wohl nie so recht. Vielleicht lag es am Reichskammergericht, wo er sich so ungern aufhielt und wo er eigentlich hätte arbeiten und seine Karriere als Jurist vorantreiben sollte.

Ich jedenfalls liebe diese Stadt, aber dazu kommen wir später, in einem anderen Blogbeitrag.
Jetzt besuchen wir erst einmal Lotte, genauer gesagt Charlotte Buff.

Es ist ihr Elternhaus, das wir hier besuchen, jenes Haus in dem auch Goethe ein- und ausging. Ein eher unscheinbares Fachwerkhaus, gebaut im 17. Jahrhundert und nach Plänen von Charlottes Vater im 18. Jahrhundert erweitert.

An der Kasse des Stadtmuseum gleich nebenan gibt es die Eintrittskarten und einen Audioguide. Mit dem ausgestattet tauchen wir ein in die Welt von Goethe und Charlotte Buff; in die Welt des Werther, den wir morgen besuchen werden.


“Die Leidendes jungen Werther” Johann Wolfgang Goethe, Leipzig 1825
Lottehaus Wetzlar – Foto: A. Kircher-Kannemann

Ein Rundgang durch das Lottehaus in Wetzlar

Beim Eintreten fällt der Blick auf die Treppe, die hinaufführt ins Obergeschoss, aber wir wenden uns erst einmal nach links: hier gibt es in zwei Räumen eine kleine Ausstellung zu dem Werk der Weltliteratur wegen dem wir eigentlich überhaupt hier sind und wegen dem dieses Haus so berühmt geworden ist: „Die Leiden des jungen Werthers“. Ausgestellt sind hier zahlreiche Ausgaben dieses Buchs, das eine Wirkmächtigkeit entfaltete wie kaum ein anderes Werk der Weltliteratur. Es ist ein guter Einstieg, denn nun bin ich gedanklich wirklich in der Welt von Goethe und Lotte angekommen.

Es geht weiter auf die rechte Seite des Hauses, zu sehen ist die Küche und ein kleines Speisezimmer. Sieht man diese Zimmer, ihre Größe oder besser Kleinheit, dann stellt man sich die Frage wie die Familie Buff mit 16 Kindern hier leben konnte.

Bevor es die Treppen hinaufgeht wird der Blick noch auf ein Stück Wand gelenkt wo die Originalbemalung freigelegt werden konnte. Das Haus muss hübsch ausgesehen haben, warm und freundlich.

Im Obergeschoss sind die ehemaligen Schlafräume zu sehen mit Betten für Große und Kleine. Als Multifunktionsräume wurden sie genutzt, nicht nur zum Schlafen. Gemälde an den Wänden zeigen die ehemaligen Bewohner des Verwalterhauses.

Der Höhepunkt des Obergeschosses ist das Staatszimmer. Ein großer Raum in dem die Salonkultur des 18. und 19. Jahrhunderts lebendig wird. Tische, Stühle, ein Sekretär und ein Klavier verweisen auf die geselligen Stunden, die die Familie hier allein und mit Gästen verbrachte.

Viele Eindrücke habe ich hier gesammelt, bin eingetaucht in die Welt des Johann Wolfgang Goethe, in eine wichtige und prägende Zeit seines Lebens, der Audioguide hat mich gut geleitet und ein freundlicher Museumsmitarbeiter hat mich auf das hingewiesen, was ich beinahe übersehen hätte.

Es war wohl nicht mein letzter Besuch in diesem Haus der Charlotte Buff, die dann zu Werthers Lotte wurde, den wir morgen besuchen werden.

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