Bad Nauheim, Friedberg und ein wenig #Schlössersafari – 2. #Kulturwoche: Samstag

Die Kulturwoche nähert sich langsam ihrem Ende. Wir hatten inzwischen ganz verschiedene Themen, die sich aber alle irgendwie zusammenfügten. Da war der Jugendstil, die Bäderkultur, ganz viel Goethe mit seinem Werther, dann auch noch die berühmte Goethe-Straße in Bad Nauheim und nicht zu vergessen die Römer und ihr Limes, die hier im Taunus allgegenwärtig sind.


Der aufmerksame Leser wird sich nun fragen: Und wo bleiben die Schlösser und Burgen für die diese Region ebenfalls berühmt ist?

Nun, die kommen genau jetzt und zwar mit einem ganz besonderen Schmuckstück, wenn es auch einen kleinen Haken hat:


Bad Nauheim und ein großer Turm

Wenn man aus meiner Richtung auf Bad Nauheim zufährt, dann sieht man schon von Ferne einen großen und hohen Turm, der aber scheint ohne jeden Zusammenhang einfach so in der Gegend herumzustehen. Es ist also ganz klar, dass er direkt meine Neugier geweckt hat und ich mittels Google Maps und netten Nauheimern versucht habe herauszufinden was das denn bitte für ein Turm ist, der da in der Gegend steht.

Es hat auch nicht lange gedauert bis ich den ersten Hinweis erhielt und mich auf die nur knapp fünf Kilometer lange Reise zu diesem Turm begab. Schon der Weg dorthin ist übrigens sehr schön für alle, die gerne Landschaft mögen und viel Natur, denn wir sind hier in der Wetterau im Rhein-Main-Tiefland mit sanften Hügeln und ganz viel freiem Blick. Schon die Römer fühlten sich hier wohl und erklärten die Region zur Civitas Taunensium.

Was ich am Ende meines Weges fand, das war deutlich mehr als ich im Vorfeld erwartet hatte, denn es war nicht nur ein Turm, es war eine der größten Burganlagen Deutschlands. Das nenn ich #Schlössersafari mit Überraschungseffekt.


Innenbereich der Burg Friedberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Burg Friedberg – mehr als eine Burg

Das Areal der Burg Friedberg ist riesig und hat durchaus Potential sich darin zu verlaufen. 3,9 Hektar sind es, die zu der Burganlage gehören, die über viele Jahrhunderte hinweg der Mittelpunkt der Grafschaft Friedberg war. Heute finden sich in den Mauern ein Gymnasium eine Kirche und verschiedene öffentliche Einrichtungen, wie zum Beispiel das Finanzamt. Nun, man könnte sich einen hässlicheren Arbeitsplatz vorstellen.

Den Platz der heutigen Burg hatten schon die Römer für ein Militärlager genutzt, das aber ebenso wie der Rest der Limes-Kastelle um das Jahr 260 aufgegeben wurde. Die Burg, die den Besucher heute empfängt stammt, nach allem, was man weiß, aus dem 12. Jahrhundert und wurde wohl von Kaiser Friedrich Barbarossa einst in Auftrag gegeben. Die älteste Urkunde, die die Burg Friedberg nennt stammt aus dem Jahr 1216.

Die Burg war einst stark befestigt und verfügte über zwei Bergfriede. Die Gebäudeteile, die man heute noch sehen kann stammen zum größten Teil aus dem 14. Jahrhundert und künden von der Macht der Burggrafen von Friedberg.


Der Adolfsturm, das Wahrzeichen von Friedberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Der Adolfsturm in Friedberg

Der Turm, den man schon aus weiter Ferne sehen kann ist der Adolfsturm. Er wurde Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet und ist das älteste erhaltene Bauwerk der Burg. Inzwischen hat er sich zum Wahrzeichen der Stadt Friedberg gemausert. Kein Wunder, so weit wie er sichtbar ist. 54,42 Meter ist der Turm hoch und mit aufgesetzter Wetterfahne misst er stolze 58,22 Meter. Damit ist der Adolfsturm wohl einer der größten Bergfriede in Deutschland.

Allerdings ist er nicht im originalen Zustand erhalten geblieben. Er ist, sozusagen, ein Opfer des Historismus geworden und zwischen 1893 und 1896 im romantischen Stil umgebaut worden. Und ganz ehrlich: Rapunzel würde sich hier wohl sehr wohl fühlen.

Zwei Aussichtsplattformen bieten die Möglichkeit sich die Wetterau von oben anzuschauen. Die erste Plattform liegt in 31 Meter Höhe und die zweite auf 42 Metern. Bis Frankfurt kann man hier bei gutem Wetter schauen und das ist immerhin 30 Kilometer entfernt.

Ein Gang auf den Turm lohnt bestimmt. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, möchte es aber unbedingt bei einem zweiten Besuch nachholen.


Burg Friedberg, mehr als eine Burg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Schloss trifft Burg – das Burggrafiat Friedberg

Irgendwann wird so ein jahrhundertealter Bau wie eine Burg ja auch mal unpraktisch, altmodisch und entspricht nicht mehr den Ansprüchen der neuen Zeit. Das können wir in Linn sehen, wo man ein kleines Schlösschen in das Burgareal baute und das können wir auch in Friedberg sehen.

Zwischen 1604 und 1610 ließ Burggraf Johann Eberhard von Kronberg den Kronberger Hof im Stil der Hochrenaissance errichten. Seit 1698 zogen die Friedberger Burggrafen dieses da schon gar nicht so neue Gebäude der alten Burg als Wohnsitz vor.

Aber nicht nur die Burggrafen residierten hier. Zwischen 1817 und 1919 war es das zuhause der hessischen Großherzöge und die hatten durchaus erlauchte Gäste: den russischen Zaren zum Beispiel. Während Nikolaus II. nämlich eine Kur in Bad Nauheim machte wohnte er lieber hier als im Jugendstilbad Nauheim. Außerdem war es eine Art Familienbesuch, denn seine Frau Alix war eine geborene von Hessen-Darmstadt und die Schwester des damaligen Großherzogs.

1990 ist das Gebäude fast vollständig ausgebrannt, wurde aber zum Glück wieder aufgebaut.

Zum Burggrafiat gehören auch ein Marstall, das barocke Deutschordenshaus, das zwischen 1716 und 1718 errichtet wurde, ein aus dem 17. Jahrhundert stammender Kavaliersbau und einige andere Gebäude. Sehenswert ist vor allem noch die frühklassizistische Kirche deren Bau 1783 begonnen aber erst 1808 abgeschlossen wurde.

Der Weg nach Friedberg hat sich mehr als gelohnt. Es ist ein eher unbekanntes Ziel für Schlösser- und Burgenfans, aber man sollt es in die Schlössersafari aufnehmen.

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