Storytelling – mehr als nur Methode

Storytelling – vielberufen, beinahe totgeredet, zwischen Buzzword und Methode …

Storytelling, das ist so ein Wort, das ständig begegnet, das beinahe schon nervt und dem wir doch jeden Tag immer und überall – auch dort, wo wir es nicht sofort realisieren – begegnen.

Storytelling ist wichtig, denn der Mensch denkt nun einmal in Geschichten, wie Studien immer wieder belegen. Außerdem – sind wir ehrlich – reine Fakten sind langweilig. Um Menschen zu begeistern – egal, ob von Inhalten oder Produkten – muss man sie auf einer emotionalen Ebene ansprechen, muss sie zum Lachen oder Weinen bringen, zum Schmunzeln oder Haare raufen. Um solche Reaktionen auszulösen braucht es aber nun einmal Geschichten. Geschichten, die erzählt werden – im Fachjargon: „Storytelling“ genannt.

Und nein: Storytelling ist nicht nur etwas für Medienleute oder Werbemenschen. Das Erzählen von Geschichten ist auch etwas für Kulturmenschen und für Kulturinstitutionen. Bilder und Fundstücke, ja sie sind schön, aber schöner werden sie als Teil einer Geschichte, einer Geschichte, die die Menschen berührt.


Augmented Reality im Goethe-Museum Düsseldorf
Augmented Reality im Goethe-Museum Düsseldorf Foto: A. Kircher-Kannemann

Storytelling – Digitalisierung in Geschichten

Beim Storytelling werden Fakten, Wissen und auch Botschaften in anschaulichen, gut lesbaren oder anschaubaren und interessanten Geschichten verpackt, so wie schon vor Jahrtausenden bei Homer, Vergil und vielen anderen.

Da haben sich die Menschen in all der Zeit nicht geändert. Wer liest nicht lieber einen guten Roman als Fachliteratur? Ist halt emotionaler. Ein guter Roman bringt uns zum Lachen, Weinen oder vielleicht auch zum Ärgern, jagt uns Angst ein oder überrascht uns und Menschen lernen schneller und leichter mit Emotionen.

Nicht anders sieht es auch mit bewegten und unbewegten Bildern aus. Stellen Sie sich einfach mal die Frage, ob Sie lieber eine lange Filmnacht mit trockenem Schulfernsehen der 1980er Jahre verbringen möchten oder mit Ihren Lieblingsfilmen.

Reine Fakten sind für Menschen schwer zu behalten, außer eben man verbinde sie mit einer Geschichte – fragen Sie mal die Gedächtniskünstler. Ihr Trick sich z.B. endlose Zahlenreihen zu merken ist eigentlich ganz einfach: man verbinde jede Zahl mit einem Bild und entwickle aus der Abfolge dann eine Geschichte – et voilà: gleich kann man sich alles viel besser merken.


virtuelle Realität LVR Landesmuseum Bonn
virtuelle Realität in der Ausstellung “Ritter und Burgen” im LVR-Landesmuseum Bonn Foto: A. Kircher-Kannemann

Geschichten erzählen – Crossmedial und spannend

So sieht es auch mit der Vermittlung von Fakten auf einer Website aus oder im Bereich Social Media: man nehme die Fakten und hülle sie in eine Geschichte ein. Ist die gut gemacht, dann weckt sie Neugier, Emotionen entstehen, Menschen beginnen sich in die Geschichte, die Charaktere, einzufühlen.

So entsteht eine Bindung, der Nutzer wird aktiv, wird motiviert sich auseinanderzusetzen und im besten Fall will er mehr.

Übrigens muss nicht jede gute Geschichte eine mit Worten erzählte Geschichte sein. Geschichten kann man auch mit Bildern erzählen. Der Vorteil dabei: Das menschliche Gehirn verarbeitet Bilder etwa 60.000 Mal schneller als reinen Text.

Storytelling sollte also immer auch einen gehörigen Anteil Bilder beinhalten und zu einem guten Teil visuelles Storytelling sein.

Letztlich macht eine gute Mischung den Erfolg.

Also: Lassen Sie uns Geschichten erzählen! Geschichten von Kultur, von Geschichte, von Archäologie, von Kunst, von Menschen, die einst lebten, von ihrer Welt und von ihrer Art die Welt zu sehen.

Jedes Fundstück, jedes Exponat, jedes Bauwerk, jedes Kunstwerk hat seine eigene Geschichte und es ist an uns, die wir Kultur vermitteln möchten, diese Geschichten zu erzählen. Und nein: wir müssen dabei nicht die Wissenschaft opfern, wir müssen dabei nicht unsere wissenschaftliche Liebe zu Fakten über Bord werfen. Wir sollten nur üben und versuchen die Wissenschaft und ihre Fakten anders zu vermitteln. Das heißt nicht etwa unwissenschaftlich zu werden, das heißt nur eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Kultur und Geschichte in Geschichten zu erzählen, in Bildern und mit Emotionen heißt sich in die Tradition der Alten zu stellen, in die Tradition des ersten „Historikers“ Herodot und in die Tradition eines Theodor Mommsen, eines Mannes, der im Jahr 1902 den Nobelpreis für Literatur erhielt für seine „Römische Geschichte“.

Geschichte und Kultur bestehen aus Geschichten – sie warten darauf modern und digital erzählt zu werden.

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