Gedanken zur „Grenzenlosigkeit“ von Kultur – 3. #Kulturwoche: Sonntag

Die 3. Kulturwoche stand erstmals unter einem Motto: „Grenzenlosigkeit“ hieß es. Der Gedanke der Grenzenlosigkeit war aufgekommen, weil ich an vielen Orten, die ich zur Vorbereitung auf diese Kulturwoche besucht habe, Grenzüberschreitungen erlebt und erfahren habe. Spannend aber war, dass sich auch immer rote Fäden gefunden haben, die die Orte, Menschen und Themen miteinander verbunden haben. Grenzen scheinen also vielfach etwas Relatives zu sein.

Es begann damit, dass ich über Ländergrenzen fahren musste, um nach Metz zu gelangen, eine Stadt, die von Grenzen geprägt wurde und in ihrem Innern deren Überwindung gezeigt hat. Eine der Ländergrenzen, die ich dabei überfahren musste war die zwischen Deutschland und Luxemburg. Luxemburg aber fand ich wieder, als ich nach Hessen reiste, genau gesagt zum Schloss Weilburg. Hier nämlich residierten einst die Grafen bzw. Großherzöge von Nassau und die sind seit einer Weile und bis heute Großherzöge von Luxemburg.

In Metz sah ich auch Historismus und Jugendstil, diese Stadt ist berühmt für ihr Wilhelminisches Viertel in dem sich der Historismus in all seinen Facetten ebenso findet, wie die Idee der Gartenstadt, die einst in England geboren wurde. Beides fand ich wieder, als ich nach Bad Nauheim reiste. Eine Kombination aus Jugendstil und Historismus prägt die Stadt bis heute und Gärten, bzw. Parks sind ihr verbindendes Element. Dass alles irgendwie relativ ist, wird einem in dieser Stadt auch besonders bewusst, denn eben hier kam es im Jahr 1920 zur ersten großen Debatte über Einsteins Relativitätstheorie.

Prägender aber war für das heutige Bad Nauheim das Salz, die Sole, die den Ort erst zum Bad werden ließen und ihm Bedeutung gaben. Das Salz hatten die Kelten hier entdeckt und die verbinden Bad Nauheim ebenfalls mit Metz, denn seinen Namen verdankt Metz eben diesen Kelten. Der dort siedelnde Stamm der Mediomatriker machte Metz zur Götterburg, zu Divodurum Mediomatricorum.

Und die Kelten blieben mir erhalten als ich, ebenfalls in Hessen, zum Glauberg fuhr. Die Grabhügel der Kelten auf diesem Berg und die Funde, die man dort machte, ermöglichten im Jahr 2010 die Eröffnung der „Keltenwelt am Glauberg“. Ein Museum mit angeschlossenem Archäologischem Park, machen die Kelten erfahrbar und lassen sie, wenn auch in virtueller Form, wieder lebendig werden.

Die virtuelle Überschreitung von zeitlichen Grenzen ist es auch, die man in Krefeld-Gellep, dem antiken Gelduba plant. Hier sind es die Römer, die wieder auferstehen sollen und mit Hilfe moderner digitaler Methoden in einem Archäologischen Park für den Besucher lebendig werden sollen. Wie am Glauberg waren es auch in Gellep vor allem Gräber, die Vergangenheit auferstehen ließen. Heute gilt Gellep mit seinen annähernd 6.500 Gräbern als größtes erforschtes Gräberfeld nördlich der Alpen.

Kelten und Römer begegneten mir auch in Wetzlar wieder, jener alten Reichsstadt in Mittelhessen. Reichsstadt war auch ein gutes Stichwort, denn auch Metz war einstmals eine solche Reichsstadt gewesen. In Wetzlar zog es mich zur Geschichte dieses Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, ins Reichskammergerichtsmuseum. Und dort traf ich einen „alten Bekannten“ wieder, der die letzte Kulturwoche bestimmt hatte: Johann Wolfgang von Goethe.


Kultur verbindet – #Kulturwoche

Diese Reise über Ländergrenzen, Territorialgrenzen und vor allem Zeitgrenzen hinweg hat eines deutlich gemacht: bei allem Trennenden, bei allen Unterschieden, gibt es immer und überall verbindende Kulturelemente. Manchmal sind es Menschen, die diese Orte miteinander verbinden, wie im Fall von Goethe und der nassauischen Familie, manchmal sind es Kunststile, wie im Fall von Historismus und Jugendstil und manchmal sind Völker, wie im Fall der Kelten und Römer. Immer aber wird eines deutlich: Kultur verbindet! Eben das macht sie vor allem für uns heute so wichtig. Das zeigt wie wichtig ihr Erhalt ist und wie wichtig ihre Vermittlung.
Und noch eins ist klar geworden: Zeit ist relativ.

Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Kulturwoche. Wohin sie führen wird, das weiß ich noch nicht. Eins aber ist gewiss: wieder wird es rote Fäden geben und wieder am Ende mehr verbindende als trennende Elemente. Kultur ist eben „Grenzenlos“.

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