Die „grenzenlose“ Welt der Kelten – 3. #Kulturwoche: Dienstag

Sie haben etwas geschafft, dass wohl kaum ein zweiter Volksstamm je geschafft hätte: durch zwei Comicfiguren wurden sie nicht nur zu einem weltweiten Mythos, sondern auch zu immer noch angesagten Helden. Die Grenze zwischen Geschichte und Gegenwart haben sie so scheinbar mühelos überwunden.

Die Rede ist von den Kelten und selbstredend von Asterix und Obelix, denen es gelungen ist zu den berühmtesten Kelten überhaupt zu werden, obwohl sie doch nur erdachte Figuren sind. Bunte Bildchen mit manchmal witzigen, manchmal auch leicht bösen Sprüchen, vor allem, wenn es um die Römer geht.

Wenn Sie jetzt stutzen sollten und sich denken: „Moment, Asterix und Obelix sind doch aber Gallier.“ dann haben sie durchaus nicht Unrecht. „Galli“ oder auch „Γαλάται“ (Galátai) war eine andere Bezeichnung für „Κελτοί“ (Keltoí) bzw. „Celtae“. – Wir reden also bei den Galliern durchaus über Kelten.


Die Kelten oder Gallier und ihr Name

Es war wieder einmal Herodot, dem wir die ersten schriftlichen Zeugnisse über die Kelten verdanken und letztlich auch ihre Bezeichnung. In seinen Historien schrieb er:

„Die Kelten wohnen jenseits der Säulen des Herakles und sind Nachbarn der Kynesier, des am meisten westlich wohnenden Volkes unter allen Europäern.“[1]

Und fragen Sie mich jetzt bitte nicht, wer denn diese „Kynesier“ waren oder auch „Kyneter“, wie Herodot sie an anderer Stelle bezeichnet.[2] Darüber nämlich streiten sich die Gelehrten spätestens seit den Zeiten eines Herrn Schlichthorst und sind bis dato nicht wirklich zu einem Ergebnis gekommen.[3]

Darüber wie man den Begriff „Kelten“ denn nun definieren soll, darüber streiten die Gelehrten der verschiedenen Fachgebiete übrigens auch noch. Wichtig ist wohl, dass damit Menschen gemeint sind, die eine der keltischen Sprachen sprechen. Die gibt es übrigens heute noch und sie werden auch noch gesprochen, zumindest von einigen wenigen Menschen. Bretonisch etwa ist eine keltische Sprache, ebenso wie Irisch, Walisisch, Kornisch oder Schottisch-Gälisch.

Für Archäologen ist bzgl. des Begriffs „Kelten“ vor allem wichtig, dass sie gemeinsame kulturelle Wurzeln haben. Besonders die „Hallstattkultur“ und die „Latènekultur“ sind für sie als keltisch zu bezeichnen. Benannt sind beide Kulturen nach Fundorten, die einmal in Österreich am Hallstätter See und einmal in der Westschweiz beim Ort La Tène am Neuenburgersee zu suchen sind.

Klar ist eins: so schön einheitlich, wie Herodot es gern gehabt hätte sind die Kelten als Volksstamm nicht und eigentlich sind sie auch mehrere Stämme, die allerdings vieles gemeinsam haben. Das haben dann übrigens die Römer durchaus erkannt. Tacitus schrieb:

„Daß die Gallier einst überlegen waren, bezeugt ein Gewährsmann ersten Ranges, der göttliche Julius Cäsar. Man darf daher annehmen, daß auch Gallier nach Germanien hinübergezogen sind. Denn wie wenig hinderte der Strom, daß ein Stamm, der gerade erstarkt war, neue Wohnsitze einnahm, wenn sie noch allgemein zugänglich und nicht unter königliche Gewalthaber aufgeteilt waren! So hausten zwischen dem herkynischen Walde, dem Rhein und dem Main die Helvetier und weiter ostwärts die Bojer, beides gallische Stämme.“[4]


Ja, wo wohnten sie denn die Kelten?

„Archäologisch reichte die weiteste Ausbreitung der materiellen keltischen Kultur von Südostengland, Frankreich und Nordspanien im Westen bis nach Westungarn, Slowenien und Nordkroatien im Osten; von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der deutschen Mittelgebirge. Daneben existieren einzelne latènezeitliche Funde auf dem gesamten Balkan bis nach Anatolien (Siedlungsgebiet der Galater in der heutigen Türkei). Diese Funde sind auf die im 4. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden keltischen Wanderungen zurückzuführen.
Die Einbeziehung Südostenglands in das Verbreitungsgebiet der archäologisch als keltisch bezeichneten Kultur ist umstritten.“ so schreibt die Wikipedia.

Ein ganz schön großes Gebiet, das halb Europa und einen Teil Kleinasiens abdeckte. Von Grenzen haben sich die Kelten also nicht aufhalten lassen, weder von erdachten noch von geographisch gegebenen, wie auch schon Tacitus beschrieben hatte.


Die Kelten entdecken

Hallstatt und La Tène, die beiden berühmtesten Orte, um die Kelten zu entdecken und die beiden Orte, die den meisten Menschen wohl auch zuerst in den Sinn kommen.
Hallstatt liegt im Salzkammergut. 1846 entdeckte Johann Georg Ramsauer, ein Bergwerksbeamter, hier ein ausgedehntes Gräberfeld. Über 1.000 Gräber sind es mit zum Teil reichen Beigaben. Diese Funde bzw. der Fundort gaben der älteren vorrömischen Eisenzeit ihren Namen. Ein Museum gibt es übrigens in Hallstatt auch. Aufbewahrt und gezeigt wird hier eine der umfangreichsten Sammlungen von Fundstücken jener Epoche in Österreich.

Auf Hallstatt folgt La-Tène. Der Schweizer Ort La Tène gab einer Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit ihren Namen. Zeitlich reicht diese Epoche von etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt. Vor allem Prunkgräber zeichnen diese Epoche aus und damit auch besonders üppige Grabbeigaben wie Goldschmuck, verzierte Wagen und Statuen. Natürlich gibt es auch zu diesem Fundort ein passendes Museum: das Laténium in Hauterive.

Es war übrigens genau diese jüngere Epoche der keltischen Geschichte, über die ich diesen Volksstamm, der aus vielen Stämmen bestand, kennenlernte.


Die Kelten am hessischen Glauberg

Eine Reise nach Hessen und eine Empfehlung führten mich zum Glauberg, malerisch im Ronneburger Hügelland gelegen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass hier de Spuren der Kelten entdeckt wurden und eigentlich sind sie schon beinahe einem Zufall zu verdanken. Heimatforscher waren es, die 1988 bei einem Erkundungsflug inmitten eines Getreidefeldes plötzlich einen großen Grabhügel ausmachten. Kurz darauf fand man einen zweiten solchen Hügel. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen war auf den Plan gerufen. Systematische Grabungen fanden dann aber erst 1994 bis 1997 statt.

Die Gräber von drei keltischen Kriegern kamen zutage und mit ihnen zahlreiche bedeutende Funde. Berühmt gemacht aber hat den Fundort die beinahe überlebensgroße Steinfigur, die wahrscheinlich einen keltischen Krieger darstellt. Hat man sie einmal gesehen, dann vergisst man sie nicht mit ihrer Haube, die an zu groß geratene Ohren erinnert und die als Mistelkrone gedeutet wird. So bedeutend war dieser Fund, dass er sogar eine eigene Sonderbriefmarke erhielt.

Statue keltischer Krieger Glauberg
Der berühmteste Fund am Glauberg – die Statue eines keltischen Kriegers – Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Keltenwelt am Glauberg

Die gefühlt grenzenlose Welt der Kelten – am Glauberg wird sie lebendig und erfahrbar.

2011 wurde hier ein eigenes Museum eröffnet, wie an vielen herausragenden archäologischen Fundstätten. Anders aber als an vielen anderen Orten (s. z.B. das Neanderthal, wo man den Neanderthaler vergebens sucht), finden sich in diesem Museum tatsächlich alle Originalfunde.

Ist das schon erstaunlich, dann wird es beim Betreten der Ausstellung noch erstaunlicher, denn den Museumsmachern ist es hier wirklich gelungen die Welt der Kelten lebendig werden zu lassen und sie ins digitale Zeitalter zu überführen. Die Kelten haben hier die Grenzen der Zeit überschritten und werden erlebbar. Erlebbar wird vor allem wie weit verzweigt die keltische Welt war: Textilreste mit rotem Farbstoff zeigen an, dass man in Kontakt mit dem Mittelmeerraum stand, denn hier kam das Karminrot her. Vernetzung war also auch schon vor 2.500 Jahren ein wichtiger Faktor im Leben der Menschen.

Zahlreiche Multimediastationen und ein eigener Comic – fernab von Asterix, Obelix, Wildschweinbraten, Zaubertrank und Hinkelstein – begleiten Besucher*innen durch die Keltenwelt am Glauberg, die sich außerhalb des Museumsgebäude in einem archäologischen Park fortsetzt. Sozusagen also Kelten 2.0 am Glauberg in Hessen.

Eine ausführliche Beschreibung der Keltenwelt am Glauberg gibt es übrigens hier auf dem Blog in der Rubrik Museums-Tipp.


[1] Herodot: Historien, 2,33. Übersetzung v. A. Horneffer.
[2] ebd., 4,49.
[3] H. Schlichthorst: Ueber den Wohnistz der Kynesier oder Kyneter, Göttingen 1793. Elektronische Ressource: https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN621219827?tify={%22pages%22:[7],%22view%22:%22scan%22}
[4] Tacitus: Germania, 28. Übersetzung v. Manfred Fuhrmann.

Beitragsbild:
Die Kelten blicken auf den Glauberg – der archäologische Park der Keltenwelt am Glauberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

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