Die Keltenwelt am Glauberg – Museums-Tipp

Zugegeben, für diesen Museums-Tipp habe ich mich reichlich weit aus meiner Komfortzone herausgewagt und das letztlich wegen eines Hoteldirektors in Bad Nauheim. Der nämlich schwärmte mir von diesem Museum vor und erklärte, dass ich dort unbedingt hinfahren müsse.

Nun, ich liebe Tipps von begeisterten Menschen und deshalb entschloss ich mich nicht etwa ein weiteres Schloss aufzusuchen, sondern den Kelten auf dem Glauberg einen Besuch abzustatten. Ich kann gleich sagen: Danke für den Tipp, es hat sich wirklich gelohnt einmal die ausgetretenen Pfade der Komfortzone zu verlassen und so gibt es nun den nächsten Museums-Tipp eben nicht – wie eigentlich geplant – zu einem Schloss, sondern zur Keltenwelt!

Die Keltenwelt am Glauberg empfängt den Besucher mit Hügelgrab, Medienstation und vielen Kelten
Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Kelten – mehr als ein Mythos

Vor meinem Besuch am Glauberg hatte ich nicht wirklich viel Kontakt zu den Kelten. Hier in meiner Heimatregion sind sie eher nicht vertreten gewesen und so erschöpften sich meine Kenntnisse über die Kelten auf die Erinnerungen an eine Sonderausstellung im LWL-Museum für Archäologie in Herne im Jahr 2014. “Das weiße Gold der Kelten – Schätze aus dem Salz” hieß diese Ausstellung. Das Thema passte auch irgendwie, denn ich war ja in Bad Nauheim und auch hier waren die Kelten einst aktiv und gewannen Salz und bis heute ist das Salz ein wichtiger Faktor in diesem Kurort.

Außerdem habe natürlich auch ich, wie wohl beinahe jeder, begeistert Asterix-Heftchen gelesen und da die Bezeichnung Gallier nichts anderes ist als eine andere Bezeichnung für „Kelten“, hatte ich natürlich eine ganze Reihe von Bildern im Kopf, von Druiden, Hinkelsteinen und Wildschwein-Gelagen. Es war also wirklich an der Zeit diesen reichlich rudimentären Ideen über die Kelten Wissen folgen zu lassen und über die „Keltenwelt am Glauberg“ hatte ich schon viel gehört und gelesen. Also machte ich mich auf den Weg den Berg hinauf.

Poseidonios Beschreibung der Kelten – Text im Eingangsbereich der Keltenwelt am Glauberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Die „Keltenwelt am Glauberg“ – ein multimediales Museum

In einem modernen Gebäude, das sich in den Hang hineinschmiegt befindet sich das Museum. Bereits draußen wird man von einer Gruppe Kelten empfangen und von einer Medienstation. Im Hintergrund nimmt man ein Hügelgrab wahr, das vor dem Museumsgebäude aus dem Bode ragt. Dass die Keltenwelt schon draußen vor dem Eingang des Museums beginnt hat einen guten Grund, denn die Keltenwelt ist mehr als nur das Museum, sie ist auch ein archäologischer Park, den man auf dem Glauberg erwandern kann. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: nein, ich habe den Keltenpark nicht erwandert. Das Wetter lud nicht zum Wandern ein. Aber ich gelobe, dass ich das nachholen werde!

Betreten wir also das Museum der „Keltenwelt am Glauberg“: Im Erdgeschoss empfängt den Besucher ein Bistro, was sicher eine gute Idee vor allem für all diejenigen ist, die zunächst die Wanderung absolviert haben.

Der eigentliche Eingang inklusive Kassenbereich befindet sich in der ersten Etage. Hier erhalten Besucher*innen auf Wunsch einen Audioguide, der auch in englischer und französischer Sprache verfügbar ist. Ich habe darauf verzichtet. Das tue ich bei einem ersten Besuch meist, denn ich möchte die Ausstellung und die Exponate auf mich wirken lassen.

Caesar faszinierten offenbar die Druiden – Text im Eingangsbereich der Keltenwelt am Glauberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Am Beginn der Ausstellung gibt es einen Film, der kurz und informativ in die Geschichte der Kelten und ihre Lebenswelt einführt. Speziell – aber nicht nur – für Kinder gibt es Comicfiguren und die Geschichte um einen Honigsammler, die durch die Ausstellung begleiten. Bei meinem Besuch habe ich festgestellt, dass die Kinder die Figuren und die Geschichte mit Begeisterung verfolgt haben. Eine gute Methode also gleich die nächste Generation der Museumsbesucher*innen für das Haus und die Geschichte der Kelten zu begeistern.

Hinter der Filmnische eröffnet sich dem Gast der Keltenwelt ein großer Ausstellungsraum, der in einzelne Themenbereiche gegliedert ist. Am Beginn stehen zahlreiche Informationen über die Geschichte der Ausgrabungen am Glauberg. Hier, wie in allen anderen Bereichen der Ausstellung auch gibt es immer wieder Kästen und Schubladen auf denen ausdrücklich steht, dass man sie öffnen soll. In ihnen verbergen sich zahlreiche weitere Exponate, Rekonstruktionen und vieles mehr, das dabei hilft die Welt der Kelten zu verstehen.

Das Prunkstück der Ausstellung ist unzweifelhaft die lebensgroße Statue aus Sandstein, die sicherlich auch viele kennen, die mit der Geschichte der Kelten nicht wirklich vertraut sind, denn sie ist inzwischen so etwas wie das Symbol jenes Volkes geworden und auch bei Wikipedia prominent vertreten.

Lebensgroß die Statue eines Kelten, die am Glauberg gefunden wurde – das Prunkstück der Ausstellung in der Keltenwelt
Foto: A. Kircher-Kannemann

Die Keltenwelt am Glauberg – mehr als ein Museum

Die Keltenwelt am Glauberg ist mehr als ein Museum mit einem archäologischen Park. Neben dem erleben für interessierte Laien gibt es hier auch noch ein Forschungszentrum. Die Museumswebseite selbst sagt zu diesem Forschungszentrum: „Das Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg fungiert als Schnittstelle zwischen dem Museum, der archäologischen Bodendenkmalpflege (hessenARCHÄOLOGIE) sowie weiteren nationalen und internationalen Forschungsinstitutionen. Es sichert die zukünftige Erforschung des Glaubergs, nimmt aber auch aktiv an der Eisenzeitforschung in Hessen und darüber hinaus teil. Es repräsentiert den Glauberg bzw. die „Keltenwelt am Glauberg“ weltweit auf Tagungen und in Abendvorträgen. Dem Museum steht das Forschungszentrum beratend zur Seite, gibt Impulse für Sonderausstellungen und die Weiterentwicklung der Dauerausstellung.“ Die Bibliothek des Forschungszentrums ist zudem auch Außenstehenden nach Voranmeldung zugänglich.

Das Ausgrabungsgebiet am Glauberg
Foto: A. Kircher-Kannemann

Mehr über die Keltenwelt am Glauberg

Mein Besuch hat mich beeindruckt, überrascht und auch begeistert. Es war wohl einer der besten Museums-Tipps, die ich je bekommen habe. Schnell stand für mich fest, dass ich diesen Tipp weitergeben und mehr erfahren wollte über das Museum und die Menschen, die dafür verantwortlich sind. Deshalb habe ich mich mit Lars Corsmeyer in Verbindung gesetzt, der in der Keltenwelt für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ihm habe ich ein paar Fragen gestellt, die er mir freundlicherweise schriftlich beantwortet hat, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte:

  • Gibt es das Museum auch im Worldwide-Web?

Ja, natürlich. In der heutigen Zeit geht es nicht mehr ohne Online-Präsenz, bei der sich der Kunde/Besucher, Uhrzeit unabhängig informieren kann.

  • Welche Social-Media-Portale nutzt Ihr Museum?

Im Augenblick nur Facebook. Für weitere Social-Media-Kanäle braucht man Zeit, diese auch betreuen zu können.

  • Darf man in Ihrem Museum fotografieren?

Ja, für private Zwecke sind Fotoaufnahmen erlaubt. Die Verwendung von Stativen und Blitzlicht ist leider nicht gestattet.

  • Wie sieht man in Ihrem Museum die Digitalisierung?

Wir haben bereits vor einigen Jahren mit Digitalisierungen begonnen. Ein besonderes Highlight das daraus entstanden ist, sind unsere ‘Fernrohre in die Vergangenheit‘. Sie sind wirkliche Unikate, die 360° drehbar sind und man sich ganz individuell über Orte und Geländemerkmale in der Umgebung informieren kann. Ein Blick durch das auf der Dachterrasse des Museums installierte Gerät, das an ein U-Boot-Periskop erinnert, löst durch Einblendungen nicht nur auf, welchen Namen die Ortschaft trägt. Auch sonst erfährt der Betrachter wissenswerte Details zu den anvisierten Punkten. Doch die Fernrohre können noch wesentlich mehr. Per Knopfdruck wird der Betrachter in eine virtuelle Welt versetzt, in der etwa der Grabhügel des Keltenfürsten imposant in die Höhe ragt und die zugehörige „Prozessionsstraße“ auf ihrer ganzen Länge verfolgt werden kann. Grundlage für diese animierte Welt bilden die Ergebnisse der Ausgrabungen, die ab 1994 Wissenschaft und Öffentlichkeit gleichermaßen begeisterten.  Und so lassen bislang acht Filmanimationen die Welt archäologischer Pläne und Geländemodelle lebendig werden und die Besucher tief in eine fremde Welt eintauchen. Ein zweites Gerät steht im Ausstellungsbereich vor dem großen Panoramafenster. Es ist mit einem großen Bildschirm ausgestattet, so dass gleich mehrere Besucher sich auf eine virtuelle Reise begeben können.

  • Gibt es bei Ihnen eine Museums-App?

Nein, noch nicht.

  • Gibt es spezielle Angebote für Familien und Kinder?

Ja, von kostenlosen Mitmachangeboten an Familien-Sonntage, über einen speziellen Kinder-Audioguide, Kinder Rallye-Bögen im Museum und im Außenbereich, bis hin zu unserem Expeditionskoffer, bei dem sich Familien mit ihren Kindern gemeinsam ausrüsten und die Geheimnisse der Kelten vom Glauberg in der Ausstellung auf eigene Faust erforschen und lüften können.

  • Gibt es bei Ihnen einen Museums-Verein?

Ja. 

Als Ergänzung hier die Vorstellung des Fördervereins:
Wir fördern die Keltenwelt am Glauberg
Einer der größten Schätze keltischen Lebens in Europa ist in unserer Region beheimatet. Wir wollen keltisches Leben für alle sichtbar und erlebbar zu machen. Deshalb fördern wir die Keltenwelt am Glauberg ideell, finanziell und personell. Dies betrifft vor allem die Realisierung und den Unterhalt des Museums und dessen Veranstaltungen, den Ausbau der keltischen Anlagen und die Unterstützung von Forschungsprojekten.“

Man sieht, die Keltenwelt am Glauberg ist ein wirklich aktives Museum, das erfreulicherweise auch der Digitalisierung, sowie dem Internet und Social Media positiv gegenübersteht.

Ich jedenfalls habe einen zweiten Besuch schon fest geplant und hoffe dafür nur auf besseres Wetter, damit ich dann auch endlich den archäologischen Park entdecken kann.


Keltenwelt am Glauberg

Webseite: Keltenwelt am Glauberg

Facebook: Keltenwelt am Glauberg

Am Glauberg 1
63695 Glauburg


Öffnungszeiten

März bis Oktober, Dienstag bis Sonntag von 10 – 18 Uhr
November bis Februar, Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr


Eintrittspreise

Erwachsene: 7 Euro / ermäßigt: 5 Euro
(Behinderte [inkl. Begleitperson], Rentner, Studenten, Erwerbslose [mit Nachweis])
Kinder (6–17 Jahre): 3 Euro
Kinder unter 6 Jahre: freier Eintritt
Familienkarte: 14 Euro (2 Erwachsene mit Kindern)
Inhaber Familienkarte Hessen: 10 Euro
Kombiticket Erwachsene für „Saalburg und Keltenwelt“: 9 Euro / ermäßigt 7 Euro *
Kombiticket Kinder für „Saalburg und Keltenwelt“: 5 Euro *
Kombiticket Familie für „Saalburg und Keltenwelt“: 18 Euro *
Kombiticket Schulklassen für „Saalburg und Keltenwelt“: 4 Euro *
* Gültigkeit 12 Monate nach Erwerb


Beitragsbild:
Blick auf das Museum der Keltenwelt am Glauberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

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