Kultur-News KW 41-2019

Digitales

  • Wikipedia läuft Gefahr zugrunde zu gehen, denn Cliquen beherrschen sie und ziehen die Fäden. So der Tenor eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung. Aus eigenem Erleben kann ich dem nicht widersprechen und entsinne mich an ein zwei Jahre währendes Hickhack über eine Formulierung, wobei die Fakten eigentlich nicht zu diskutieren waren. Es wäre wirklich schade, wenn das Projekt Wikipedia (zumindest die deutsche Version) enden würde nur weil Administratoren ihren Job falsch verstehen. Eine grundsätzliche Veränderung der Strukturen täte wohl not.
  • Haben wir Anhänger der Digitalisierung es nicht immer gesagt: Keine Angst vor der Digitalisierung, denn sie kann Originale nicht ersetzen, sondern nur unterstützen? – Jetzt haben wir den Beweis, denn eine Untersuchung ergab genau dieses Ergebnis. via Frankfurter Rundschau.
  • Zum gleichen Ergebnis kommt übrigens auch das Auswandererhaus in Bremerhaven. via News4Teachers.
  • Hier auch noch die entsprechende Meldung vom Deutschlandfunk.
  • Das Kulturerbe Niedersachsen hat ein neues Online-Portal. Bunt und vollgefüllt kommt es daher. Erfreulich ist, dass bei jedem Objekt direkt die Rechte und Lizenzen abgefragt werden können. Ein wenig allerdings hakt es noch und so mancher Link führt ins Nirgendwo, aber Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden.
  • Lust auf einen kleinen Spaziergang durch Versailles? Dann geht das jetzt zu jeder Zeit und an jedem Ort mit Google Arts and Culture. Ich sag schon mal: Viel Spaß!
  • Der EuGH hat alle, die eine Internetseite betreiben wieder einmal in eine Art von Schockzustand versetzt. Diesmal mit einem Urteil über Cookie-Hinweise. Die Verwirrung ist – wie immer in solchen Fällen – groß. Damian Kaufmann bringt mit seinem Artikel „Cookies und Tracking – Online-Marketing ohne Einwilligung des Nutzers“ Licht ins Dunkel und fasst zusammen was die Datenschutzbehörden aktuell zum Thema sagen. Den ausführlichen Beitrag findet man auf seinem Blog Zeilenabstand.net.

Museum

  • In der Nacht zum Dienstag gab es einen Einbruch in das Landesmuseum Trier. Ob bei diesem Einbruch tatsächlich etwas gestohlen oder auch beschädigt wurde ist bislang unklar. Eigenartig auch, dass nicht das Museum die Pressemitteilungen über den Einbruch herausgibt, sondern das Kultusministerium in Mainz. via Volksfreund.
Nachricht des Landesmuseums Trier auf seiner Facebook-Seite – Damit wäre die Frage nach dem „Wo“ wohl beantwortet.
  • Die Bayerische Staatsgemäldesammlung stellt ihre digitale Strategie vor. Umfangreich erläutern die Pinakotheken ihre Ziele, Leitsätze und Strategien.
  • Christian Gries beschäftigt sich auf seinem Blog iliou-melathron mit der digitalen Strategie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.
  • „Für gehörlose und hörbehinderte Menschen ist der Besuch von Museen oder Gedenkstätten oft schwierig. Sie sind von Führungen oder Vorträgen ausgeschlossen, begleitende Filme sind meist nicht untertitelt. Um diesen Besucherinnen und Besuchern im Sinne der Inklusion den gleichen Zugang zu Informationen zu ermöglichen wie hörenden Menschen, entwickelte die KZ-Gedenkstätte Dachau in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. und dem Zentrum für Kultur und visuelle Kommunikation der Gehörlosen in Berlin & Brandenburg eine App in Gebärdensprache als Videoguide. Studierende des Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen an der Hochschule Landshut evaluierten nun im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Dachau diese App hinsichtlich ihrer Nutzerfreundlichkeit. Das Ergebnis: Das Feedback der Nutzer fällt insgesamt positiv aus. Bei manchen Punkten besteht jedoch noch Nachbesserungsbedarf.“ via idw.
  • Die Potsdamer Museen sollen ein Zentraldepot bekommen. Im Gespräch ist das schon lange, doch nun scheint es endlich auch einen Zeitplan zu geben – immerhin. Avisierter Termin ist 2032 und bis dahin fließt bekanntlich noch eine Menge Wasser die umliegenden Flüsschen entlang. via Potsdamer Neueste Nachrichten.
  • „Nordrhein-westfälische Museen besitzen mindestens 770.000 Kunstwerke, die eine unklare Herkunft aus der NS-Zeit haben und bei denen es sich möglicherweise um Raubkunst handelt.“ via WDR.

Ausstellungen

  • Der letzte Ritter erobert New York! Das Metropolitan Museum zeigt eine große Ausstellung über Kaiser Maximilian I. mit vielen Exponaten, die zuvor in den USA noch nie zu sehen waren.
  • „Unter dem Titel „Königskinder. Das Schicksal des Winterkönigs und seiner Familie“ ist vom 6. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg eine Ausstellung zu sehen, die das Schicksal der kurpfälzischen Herrscherfamilie beleuchtet.“ Eine erste Ausstellungsbesprechung findet sich auf dem dkblog von Michael Kaiser.
  • Vom 7. November 2019 bis 17. Mai 2020 zeigt das Herzog Anton Ulrich-Museum die Sonderausstellung “Brueghel. Ein Meisterwerk restauriert”. Mehr Informationen zur bevorstehenden Ausstellung finden sich auf 3Landesmuseum.de.
  • „Vor 100 Jahren durften Frauen erstmals an der Berliner Kunstakademie studieren. Doch wie schafften sie es, sich vor diesem Umbruch in der Kunstwelt zu etablieren? Die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ geht dieser Frage nach und rückt die Frauen und ihre Kunst in den Fokus.“ Karolin Korthase über die Ausstellung auf dem Blog der Staatlichen Museen Berlin.
  • Das Blog Museumsperlen stellt die Herbst-Highlights in München vor: 10 sehenswerte Ausstellungen.
  • In dieser Woche eröffnete die Ausstellung “Erika Mann: Kabarettistin – Kriegsreporterin – Politische Rednerin” in der Monacensia im Hildebrandhaus in München. Die Ausstellung wird begleitet von zahlreichen Social Media- und Internet- Aktivitäten, die von Tanja Praske koordiniert werden.
  • „Adieu Plastiktüte“ – herzlich willkommen im Museum! Ja, so weit sind wir inzwischen erfreulicherweise, die Plastiktüte ist ein Fall fürs Museum. Das Museum der Alltagskultur in Waldenbuch widmet ihr ab dem 26. Oktober sogar eine Sonderausstellung. via Blog Landesmuseum Stuttgart.

Bibliotheken/Archive

  • Hin und wieder gibt es ja auch einmal erfreuliche Nachrichten aus dem Bereich Bibliotheken und Archive. Diese hier kommt erstaunlicherweise auch noch aus Nordrhein-Westfalen, wo man positive Nachrichten ja sonst nicht so gewöhnt ist. Hier dürfen Bibliotheken fortan nämlich auch sonntags öffnen! So möchte man auch Familien und Vielbeschäftigten Menschen die Möglichkeit bieten die Angebote wahrzunehmen, um so die Chance auf seriöse Information zu erhöhen. via WDR.

Geschichte

  • Es ist ein Kreuz mit der Geschichte: einfach geht es einfach nicht. Da werden zum einen die „Hohenzollernorte“ gefeiert – schöne Schlösser, Burgen, die des Ansehens mehr als wert sind und zum anderen gibt es da diese Familie der Hohenzollern, deren Verhalten, Ansichten und Taten im Laufe der Jahrhunderte teils mehr als kritisch zu bewerten sind. Da erhebt sich für den ein oder andern die Frage: Ja, darf man denn so einen Hype um die Orte der Hohenzollern machen, wenn doch die Hohenzollern so kritisch zu sehen sind? – Gute Frage, schwierige Frage und eine einfache Antwort wäre fehl am Platze. Zumal, wenn man in die Liste der zum Netzwerk gehörenden Orte schaut: es sind primär die süddeutschen Orte vertreten, also das historische Kerngebiet der Ansbacher und Bayreuther. Allerdings findet sich auch Huis Doorn in der Liste. „Preußische“ Orte jedoch sucht man vergeblich. Weder Potsdam noch sonst ein Ort ist vertreten. Man fokussiert sich also auf den scheinbar unproblematischen Teil der hohenzollernschen Geschichte, abgesehen eben von den niederländischen Orten. Erschreckend aber ist, dass die Zeitleiste, die die Webseite zu bieten hat, mit keinem Wort auf die unrühmlichen Teile der Familiengeschichte eingeht. Eine mutigere Auseinandersetzung wäre wünschenswert, zumal die Hohenzollern zunehmend von rechten Kräften in diesem Land vereinnahmt werden.
  • Bleibt also die Frage: Kann man das eine feiern ohne das andere zu erwähnen? Kann man die Hohenzollern ohne ihre SA-Uniformen denken und ohne ihre antisemitischen Äußerungen? [s. hierzu Artikel „Hohenzollern und Nationalsozialismus“ – taz und ergänzend Klaus Graf] Kann man einen Teil der Geschichte einfach ausklammern? – Wohl nicht, aber man kann eben auch die Geschichte des Hauses Hohenzollern nicht nur auf diesen Teil reduzieren. Einfache Antworten sind eben in der Geschichte nicht möglich, auch wenn es uns Menschen einfach einfach lieber wäre.
  • „Kleider machen Leute – Schnittformen, Stoffe und Nahtverläufe nehmen Einfluss auf unsere körperliche Flexibilität. Wie sich Menschen früher im öffentlichen Raum bewegt haben, erforschen seit einiger Zeit Wissenschaftlerinnen der Universität Paderborn anhand von historischer Kleidung. Bei der Kooperation mit dem Historischen Museum Frankfurt am Main werden unter Leitung von Prof. Dr. Kerstin Kraft vom Institut für Kunst, Musik und Textil Kleidungsstücke aus der Zeit von 1850 bis 1930 buchstäblich unter die Lupe genommen.“ via idw.
  • „Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts erforscht der Lehrstuhl für Alte Geschichte (Prof. Dr. Michael Rathmann) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) seit 2017 die „Tabula Peutingeriana“. Diese um 1200 entstandene Kopie einer antiken Vorlage ist die einzige erhaltene Weltkarte aus der Antike. Außergewöhnlich ist das Format der Pergamentrolle, die auf einer Länge von fast sieben Metern bei gut 30 Zentimetern Breite einen Bereich von Spanien bis Indien extrem verzerrt abbildet.“ Online-Datenbank zur Tabula Peutingeriana. via idw.
  • Die Deutschen und „ihr“ Italien – eine fast mythische Verbindung, besonders im 19. Jahrhundert. Nicht nur für Goethe war Italien eine Art Seelenland. Auch König Ludwig I. von Bayern hatte hier wohl seine Seelenheimat gefunden. Christian Quaeitzsch erzählt auf dem Schlösserblog Bayern über ihn und die italienischen Landschaften Carl Rottmanns.

Archäologie

  • Ob die Gesellschaft vor 4.000 Jahren wohl sozialer und humaner war als unsere heutige oder vielleicht genau das Gegenteil? „Neue Analysen ermöglichen Einblicke in soziale Ungleichheit vor 4000 Jahren: Wohlhabende Familien lebten mit zugezogenen Frauen und sozial niedriger gestellten Personen im selben Haushalt zusammen.“ via idw.

Lesenswert

  • Wenn das nicht passt! Durch meine Aufenthalte in Bad Nauheim habe ich den Jugendstil entdeckt und muss gestehen, er begeistert mich immer mehr, je mehr ich darüber lese und erfahre. Da passt es natürlich sehr gut, dass Angelika Schoder sich auf musermeku ebenfalls diesem Thema zugewandt hat: „Eines der schönsten Gebäude in ganz Amsterdam ist wohl das Pathé Tuschinski, das Tuschinski-Theater in der Reguliersbreestraat. Es vereint den Baustil der sogenannten Amsterdamer Schule mit Elementen des deutschen Jugendstil sowie des französischen Art Deco oder Art Nouveau. Bis heute wird das 1921 eröffnete Theater als Kino genutzt. Während bei den meisten Filmtheatern das Hauptgeschehen auf der Leinwand stattfindet, stiehlt das Tuschinski-Theater mit seiner Architektur jedem Hollywood- Film die Show.“ – Amsterdam und dieses Theater kommen also direkt auf die Liste der Jugendstil-Orte, die ich besuchen muss.

Die Keltenwelt am Glauberg

In eigener Sache

Hier auf dem Blog ist ein neuer Museums-Tipp hinzugekommen: Die Keltenwelt am Glauberg. Eher durch Zufall habe ich dieses Museum vor Kurzem besucht und war so angetan davon, dass ich diesen Tipp unbedingt direkt weitergeben musste. An dieser Stelle nochmals ein herzlicher Dank an Lars Corsmeyer von der Keltenwelt, der mir einige Fragen zum Museum beantwortet hat.

Ansonsten bereite ich gerade die nächste #Kulturwoche vor, die bald kommen wird und “grenzenlos” sein wird. Wir überschreiten dabei nicht nur Ländergrenzen, sondern auch viele Grenzen im Kopf und in den Wissenschaften. Mit dabei sind die Kelten, die Römer, der Herr Goethe, ein paar Franzosen und “nassauern” werden wir auch.


Beitragsbild:
Blick auf das Museum der Keltenwelt am Glauberg – Foto: A. Kircher-Kannemann

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