Von den Römern bis zum Luftschutzbunker – das Museumszentrum Burg Linn

#Kulturwoche: Donnerstag, 2. Mai 2019

Wer 2.000 Jahre Geschichte mit ganz unterschiedlichen Facetten und in ganz unterschiedlicher Form auf relativ kleinem Raum erleben möchte, der ist in Krefeld-Linn nicht nur gut aufgehoben, er sollte auf jeden Fall dorthin. Das weiß ich spätestens jetzt, denn ich gestehe: bis zu diesem Tag wusste und kannte auch ich vieles davon leider nur in der Theorie.

Es ist Jahre her, ich lernte damals gerade römische Numismatik, da war ich öfter im Museum Burg Linn zu Gast, denn römische Münzen hat es hier, dank der Funde aus dem ehemaligen Gelduba (Krefeld-Gellep), mehr als genug. Das Museum also kannte ich, die Burg und das Jagdschloss, die beide quasi dahinter im Park stehen, die aber kannte ich nur von außen, denn die Münzen hatten mir nie die Zeit gelassen auch diese beiden Gebäude einmal zu erkunden. Und wie das so ist mit der Kultur, die man quasi direkt vor der Haustüre hat: man verschiebt sie immer wieder, denn das weit entfernte ist doch immer irgendwie reizvoller, denkt man zumindest.

Also stand das Museumzentrum Burg Linn auf dem Plan für meine Kulturwoche und so brach ich auf, um mir in Ruhe die Burg, das Schloss und das Museum anzuschauen. Ich sage gleich: Wer Gleiches vorhat, der möge sich viel Zeit nehmen! Ich jedenfalls war froh einen ganzen Tag eingeplant zu haben, denn am Ende waren es sieben! Stunden, die ich hier verbrachte und wenn ich ehrlich bin, dann hätten nicht zwei mehr auch nicht geschadet.

Das Museum Burg Linn

Schon von ferne gut sichtbar ist die mittelalterliche Burg, die dem Museumszentrum seinen Namen gegeben hat. Gleich dahinter ein kleines Jagdschlösschen aus dem 18. Jahrhundert und dahinter dann noch ein Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg. Das allein sind schon 800 Jahre Geschichte in Bezug auf Repräsentation, Macht, Herrschaft und Krieg. Wendet man sich dann den Ausstellungen zu, so findet man schnell die restlichen gut 1.000 Jahre, denn das Archäologische Museum beherbergt Funde aus dem ehemaligen römischen Garnisonslager Gelduba.

Meinen Rundgang begann ich chronologisch bei den Römern im Museum, vorne im ehemaligen Luftschutzbunker (warum das Museum sich hier befindet und wie es kommt, dass man ausgerechnet einen Bunker so baut, dass anschließend ein Museum darin sein Zuhause findet, das erkläre ich später in einem Museums-Tipp – EDIT: Inzwischen habe ich mich entschieden doch lieber drei Museums-tipps daraus zu machen, der Text würde sonst zu lang. Es gibt also einen Museums-Tipp zum eigentlichen Museum und dem archäologischen Teil, einen zur Burg und einen zum Jagdschlösschen). Gleich kamen die Erinnerungen an den Montag und auch ein wenig an den Dienstag der Woche wieder auf.

Nach soviel Input brauchte ich definitiv eine Pause und habe seitdem übrigens ein neues Lieblingscafé! Das Museums-Café in Burg Linn kann ich wirklich nur empfehlen, der Kuchen ist einfach ein Träumchen.

Museum Burg Linn
Museum Burg Linn – 2.000 Jahre Geschichte
Foto: A. Kircher-Kannemann

Burg Linn und das Jagdschloss

Frisch gestärkt ging es weiter, ab ins 18. Jahrhundert und auch ins 19. und mich empfing ein Vorgeschmack auf den folgenden Tag, denn das Jagdschloss ist ein Dorado für alle Musikliebhaber. Sogar den guten alten Goethe fand ich wieder und auch ein Stück meiner Familiengeschichte (irgendwie), womit ich nie gerechnet hätte. Es war definitiv viel zu viel Sehenswertes, als dass ich das hier in diesem kurzen Text alles erzählen könnte, deshalb gibt’s das Jagdschloss demnächst als längere Geschichte hier auf dem Blog. Ähnlich sieht es übrigens auch mit der Burg aus und das nicht nur, weil ich hier mein erstes Virtual Reality Erlebnis hatte und einen Stein in der Wand versenkte (bin halt keine echte Gamerin). In der Burg findet übrigens aktuell eine Märchenausstellung statt und Frau Holle grüßt mit Federbett.

Auf jeden Fall brauchte ich anschließend einen kleinen Spaziergang rund um die Burg mit viel frischer Luft und beruhigender Natur, um die ganzen Eindrücke ein wenig sacken zu lassen und als ich mich auf den Weg zu einem zweiten Kaffee machte, da war es wie Rapunzel aus dem Turme: ein Fenster öffnete sich und es erscholl die Frage: „Sind Sie die Bloggerin?“ Ja, die war ich wohl und das Wesen am Fenster war mitnichten Rapunzel, es war die Direktorin Frau Jennifer Morscheiser. Wir nutzten die Gelegenheit zu einem sehr spannenden Gespräch, denn Frau Morscheiser bekam vor nicht einmal drei Jahren den Auftrag die Burg zu „rocken“ und das tut sie mit vielen neuen Ideen, mit Veranstaltungen, Neugestaltungen, mit viel Akribie und Engagement. Ich kann nur sagen: Hier verändert sich gerade so viel, dass ich auf jeden Fall mindestens alle zwei Monate vorbeikommen werde, denn sonst finde ich mich nicht mehr zurecht.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an Jennifer Morscheiser für das schöne Gespräch, die vielen Informationen und Einblicke in ihre Arbeit. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Besuch.

Beitragsbild:

Burg Linn und Jagdschloss – Mittelalter trifft Frühneuzeit in Krefeld
Foto: A. Kircher-Kannemann

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