Von blankem Zeug und vom Humpiren – Wallensteins Tischzucht

Eine Tischzucht von Wallenstein? Etwa der Wallenstein, jener General aus dem Dreißigjährigen Krieg. Jener Mann, der der Nachwelt einmal als Held und einmal als skrupelloser Karrierist und Kriegsunternehmer gilt?

Ja, genau dieser Wallenstein, der eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein bzw. auf Tschechisch Albrecht Václav Eusebius z Valdštejna hieß, hat uns neben vielen Geschichten rund um sein Leben auch eine Tischzucht hinterlassen. Wobei diese Tischzucht eigentlich auch wieder gar nicht von ihm stammt, sondern von Erzherzog Ferdinand. Jener Ferdinand, geboren am 13. Juli 1608 in Graz war von Geburt Erzherzog von Österreich und seit dem Tod seines Bruders Johann Karl im Jahr 1619 auch designierter Thronfolger seines Vaters Ferdinand II. (1578-1637), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Schon Ende Des Jahres 1625 wurde Ferdinand, der später einmal der Dritte werden sollte, zum König von Ungarn gekrönt und am 27. November 1627 auch zum König von Böhmen. In den ersten Jahren war Erzherzog Ferdinand ein Freund Wallensteins, er wollte an dessen Feldzügen teilnehmen und als Oberbefehlshaber mit ihm gemeinsam kämpfen. Hochfliegende Pläne für einen jungen Mann, die auch niemals Realität wurden. Und wie es so oft ist bei Verschmähten: sie werden zu vehementen Widersachern. So auch im Falle unseres Erzherzogs. Er schloss sich zu Beginn der 1630er Jahre den Gegnern Wallensteins an und betrieb dessen Absetzung.

Zu dem Zeitpunkt aber, als die nachfolgende Tischzucht entstand gehörte Erzherzog Ferdinand noch zu den Freunden und Bewunderern Wallensteins, jenes Condottiere der seine Karriere und seinen bis heute anhaltenden Ruhm dem Dreißigjährigen Krieg und Schiller verdankt, denn eigentlich hatte die Welt ihn schon vergessen bis eben jener Friedrich Schiller kam und ihn zur Hauptfigur einer Dramentrilogie machte.

Doch wenden wir uns nun der eigentlich Tischzucht zu, die ich auch in einem Gastbeitrag im „Schlossmagazin“ der Schlösser und Gärten Deutschlands schon einmal zum Besten gegeben habe.

 

Porträt Kaiser Ferdinands III. von Jan van den Hoecke ca. 1643
Porträt Kaiser Ferdinands III. von Jan van den Hoecke ca. 1643 [Public domain] via Wikimedia Commons

Die Tischzucht von Wallenstein und Erzherzog Ferdinand

Wie wir ja an den vorangegangen Tischzuchten, vor allem denen von Caspar Scheidt und Hans Sachs, bereits gesehen haben, war es mit dem Benehmen bei Tisch im 17. Jahrhundert nicht zum Besten bestellt, Nicht einmal am kaiserlichen Hof wussten sich die Menschen zu benehmen, wenn man so mancher Quelle glauben darf. Und es muss wohl auch so gewesen sein, denn anders kann man die ständigen wiederholten Mahnungen nicht erklären sich doch bitte wenigstens halbwegs anständig zu verhalten. Auch vielen Ausländern, insbesondere Franzosen und Italienern galten die Deutschen und vor allem auch die deutschen Höfe als Horte des Grobianismus.

Wen wundert es da, dass sich vor allem Soldaten, selbst wenn sie Offiziere waren, nicht zu benehmen wussten. Das Verhalten der Wallenstein’schen Horden jedenfalls scheint irgendwann selbst dem Generalissimus zu viel geworden zu sein und so veranlasste er Erzherzog Ferdinand im Jahr 1624 etwas gegen diese Auswüchse bei Tisch zu unternehmen.

So entstanden die „mensae regulae“, die hier im Folgenden wiedergegeben werden:

  1. 1. Mit blankem Zeuge, saubern Rock und Stiefeln, und nicht angetrunken Ihre kaiserlichkönigliche Hoheit zu complementieren.

2. Item bei der Tafel mit dem Stuhl nicht wackeln und die Füße nicht lang ausspreizen.

3. Item nicht nach jedem Bissen trinken, alsdann man zu früh voll wird; den Humpen aber nach jeder Speise nur einmal halbert leeren, vorhinein aber den Schnauzbart und das Maul sauber abwischen.

4. Item mit der Hand nicht in die Vorlegeschüssel langen oder die abgekiefelten Beiner nie zurück oder hintern Tisch werfen.

5. Item nicht die Finger mit der Zunge schlecken, auf den Teller speien oder in das Tischtuch schnäuzen.

6. Item und zum letzten nicht so viehisch humpiren, daß man vom Stuhl fällt, oder item nicht mehr grad weggehen kann. [1]

 

Mit dieser Tischzucht Wallensteins und des Erzherzogs Ferdinand verlassen wir nun auch den Bereich der höfischen und grobianischen Tischzuchten und wenden uns langsam aber sicher den ersten “bürgerlichen Tischzuchten” zu. Den Anfang macht demnächst die Tischzucht von Johann Wilhelm Simler.

 

[1] Zitiert nach Josef CACHÉE, Die Hofküche des Kaisers. Die k.u.k. Hofküche, die Hofzuckerbäckerei und der Hofkeller in der Wiener Hofburg, Wien – München 1985, S. 16.

 

Beitragsbild: Reiterbild Wallensteins, Kupferstich ohne Jahresangabe. Plattengröße des Originals 35, 3 x 26,6 cm
Inschrift (nach Auflösung der Abkürzungen): ALBERTUS DEI GRATIA DUX FRIDLANDIAE SACRAE CAESAREAE MAIESTATIS CONSILIARIUS BELLICUS, CAMERARIUS, SUPREMUS COLONELLUS PRAGENSIS ET EIUSDEM MILITIAE GENERALIS
Public domain via Wikimedia Commons

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