Schloss Benrath – Museums-Tipp

Es ist sozusagen meine alte Heimat in die ich nun für diesen Museums-Tipp zurückgekehrt bin. Lange Jahre habe ich hier gearbeitet und der Ort war nicht ganz unschuldig an der Wahl meines Dissertationsthemas.

Man möge mir also verzeihen, dass ich bei diesem Museums-Tipp ggf. etwas weniger objektiv bin, denn ich liebe diesen Ort einfach und verbinde mit ihm viele schöne Stunden und Erlebnisse und nicht zuletzt mich selbst in der Rolle der Kurfürstin Elisabeth Augusta.

Der Ort, das ist Schloss Benrath. Benrath ist heute ein Ortsteil von Düsseldorf, beim Bau des Schlosses jedoch eher weit davon entfernt, umgeben von Wald und Parklandschaft, ein ideales Jagdgebiet.


Die Orangerie – ein Rest des alten Benrather Schlosses – Foto: SSPB, Stiftung Schloss Benrath

Das alte Schloss Benrath

Schon lange gab es in Benrath ein Schloss bzw. eine Burg. Im 13. Jahrhundert fängt sie an die Geschichte der herrschaftlichen Häuser in Benrath. Immer wieder wurden sie um- und ausgebaut und im 15. Jahrhundert stand hier eine Wasserburg. Gehört haben sie den Herren von Benrode, ein altes Ministerialengeschlecht, das sich hier im 13. Jahrhundert niedergelassen hat, deren Besitz aber bald schon an die Grafen von Berg überging. Damit wurde Benrath immer wieder zum Witwensitz und auch zur Morgengabe. Anna von Bayern etwa, Ehefrau Herzog Wilhelms I. von Berg lebte hier von 1412-1415 oder auch Sibilla von Brandenburg, verheiratet mit Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg, die, nachdem im Jahre 1511 verwitwet, hier einzog. Viele andere Frauen folgten diesen beiden.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges aber war es mit Herrlichkeit nicht mehr weit her. Ein Neubau musste her und den gab der neue Herr von Jülich-Berg, Pfalzgraf Philipp Wilhelm denn auch um 1651 in Auftrag. Bis etwa 1664 dauerten die Arbeiten am Schloss. An ihrem Ende erstrahlte ein Wasserschloss. Es lag in einem langen Stauweiher, hatte drei Geschosse und seitliche Türme. Am Ufer erstreckte sich ein Anbau, der das Schloss mit dem Tiergarten verband.

Offenbar betrachtete die Familie der Pfalzgrafen das Schloss als gelungen und geeigneten Wohnort und hielt sich fortan häufig in Benrath auf. Der Tod des letzten in Düsseldorf residierenden Herrschers – Johann Wilhelm – im Jahr 1716 machte der Herrlichkeit allerdings ein Ende. Ein Brand im Jahr 1740 tat sein Übriges zum Verfall des Schlosses.


Karl Theodor
Karl Theodor von Pfalz-Bayern von Johann Georg Ziesenis [Public domain], via Wikimedia Commons

Kurfürst Carl Theodor und das neue Schloss Benrath

1747 besuchte der neue Herr von Jülich-Berg, der Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz erstmals Düsseldorf. Selbstredend stattete er dabei auch Benrath einen Besuch ab. Erfreulich war der Anblick, der sich ihm dort bot wohl nicht und so gab er zunächst einmal Reparaturen in Auftrag. Es stellte sich aber bald heraus, dass diese Reparaturen wohl ein ganz erhebliches Loch in die kurfürstliche Schatulle reißen würden und so entschloss sich Carl Theodor gleich einen Neubau in Auftrag zu geben, denn immerhin entsprach das alte Wasserschloss ja auch nicht mehr der neuesten architektonischen Mode und wenn schon Geld ausgeben, dann auch gleich richtig.

Gedacht, getan: 1755 wurde ein Neubau in Auftrag gegeben. Das Wasserschloss wurde abgerissen, die an Land liegenden Flügelbauten jedoch erhalten, um sie später weiter nutzen zu können. (Man kann ja nie genug Platz haben). Der Burggraf etwa zog hier ein und auch ein Teil der Orangerie. Diesem Umstand übrigens verdanken die Reste des alten Schlosses, die bis heute erhalten sind auch ihren heutigen Namen: Orangerie.

Später, im 19. Jahrhundert war der Nordflügel eine Kaserne; Husaren und Ulanen waren hier stationiert. Es war eine neue Blütezeit für Benrath, denn wieder einmal zogen viele hohe Herrschaften ins Schloss ein und verliehen dem kleinen Provinzstädtchen Glanz, aber dazu kommen wir später noch.

Verfallen sind die Gebäudeteile aber durchaus weiter, da half alles nichts. Vom Südflügel ist nicht mehr viel erhalten bis auf die Kapelle. Einzig der Nordflügel hat die Jahrhunderte überdauert und wurde nach dem 2. Weltkrieg von der Stadt Düsseldorf, der das Schloss inzwischen gehörte, saniert.


Nicolas de Pigage
Porträt Nicolas de Pigages von Anna Dorothea Therbusch, 18. Jh.; Original im Stadtmuseum Düsseldorf [Public domain], via Wikimedia Commons

Neue geistige Strömungen, ein innovativer Architekt und ein neues Schloss

Ein neuer Wind zog ein in der Pfalz und damit auch in Benrath, als Carl Theodor von Pfalz-Sulzbach mit gerade einmal 18 Jahren die Regierung übernahm. Das war im Jahr 1742 gewesen. Seither war bereits viel geschehen, der junge Regent fing an das Land nach seinem Gusto zu gestalten und dazu gehörten ganz klar auch die Schlösser.

Die Wissenschaften hatten es Carl Theodor angetan, die Philosophie, die Literatur, Musik und selbstredend die Kunst. In seinem Denken galt er als aufgeklärt. Das sah auch Voltaire so und flüchtete sich nach einem Streit mit Friedrich dem Großen von Potsdam nach Mannheim zu Carl Theodor. Das war im Jahr 1753.

Auch der Oberbaudirektor, den Carl Theodor einstellte, der 1723 geborene Lothringer Nicolas de Pigage, war ein Vertreter der neuen Ideen der Aufklärung und des Klassizismus und er war ein Schüler des berühmten französischen Architekten Jacques François Blondel, jenem Mann, der in den 1760er Jahren der Stadt Metz ein völlig neues Gesicht verleihen sollte.

Pigage erhielt zwar nicht den Auftrag einer Stadt ein neues Gesicht zu verleihen, aber er erhielt den Auftrag ein neues Schloss zu bauen. Ein Schloss in dem sich all diese neuen Ideen und Strömungen wiederfinden sollten, die in den Köpfen der Herrschenden und Intellektuellen so herumgeisterten. Es sollte darum gehen näher an die Natur heranzurücken, einen privateren Charakter zu erschaffen, so wie Friedrich der Große dies auch schon für Sanssouci mit Hilfe seines Architekten Knobelsdorff umgesetzt hatte. Natürlich musste Repräsentation sein, aber bitte nur in Maßen.

Das Schloss, das Nicolas de Pigage so in den Jahren 1756 bis 1771 bzw. 1773 erstehen ließ, war schon für die Zeitgenossen durchaus bemerkenswert. Es war sozusagen ein Traum in Pfirsichblütenrosa und ein gekonnter Mix zwischen Spätbarock, bzw. Rokoko und Klassizismus. Von außen hat das Schloss eine zweigeschossige Fassade, von innen aber besitzt es tatsächlich vier Geschosse. Sehen kann man die allerdings nur von den Lichthöfen aus, die sich im inneren Bereich des Schlosses befinden.

80 Räume sind es insgesamt, die sich in diesem durchaus nicht riesig wirkenden Gebäude verstecken und die über insgesamt sieben Treppenhäuser zu erreichen sind; davon nur ein herrschaftliches und halbwegs repräsentatives Treppenhaus, die andern schön versteckt und nur für wenige Augen sichtbar.

Wenn Sie Lust auf einen gedanklichen Rundgang durch Schloss Benrath haben, dann folgen Sie doch einfach diesem Link, der Sie auf einen solchen Rundgang mitnimmt und schauen Sie sich in Ruhe die Bildergalerie an.

Übrigens war dieser wundervolle Schlossbau eigentlich zunächst einmal für die Katz‘, denn der Auftraggeber, sprich Kurfürst Carl Theodor ließ sich nicht blicken, naja, fast: am 6. Juni 1785 kam er einmal kurz vorbei und betrachtete das Werk, das er hatte erschaffen lassen. Das war’s. Schloss Benrath verfiel in den Dornröschenschlaf.


Schloss Benrath zwischen Frankreich, Preußen und Stiftung

1806, während der französischen Zeit, wurde Schloss Benrath zur Residenz erhoben, zur Residenz der Großherzöge von Berg und das waren durchaus Personen von Rang und Namen, Joachim Murat zum Beispiel, ein Schwager Napoleons und dann tatsächlich auch der kleine Korse persönlich. Sie alle haben sich auch tatsächlich zeitweilig im Schloss aufgehalten, dort sogar richtig gewohnt. Der Bau kam also doch noch zu Ehren, wenn auch mit Verzögerung.

Bis 1813 blieb das so, als die französische Herrschaft endete. Der Wiener Kongress machte Schloss Benrath zu preußischem Besitz und auch die Preußen nutzten es. 1821 zog der Neffe Friedrich Wilhelms III., Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen ein. Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen nutzte Benrath als Sommerresidenz und der Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen zog 1862 ein und die Preußen kümmerten sich auch um den Erhalt des Schlosses. Die stilistische Ähnlichkeit zu Sanssouci kam dem ehemaligen Lustschloss da sicher zu Hilfe. Ja und selbst Kaiser, Wilhelm I., stattete dem Schloss einen Besuch ab. Es hätte also schlimmer stehen können.

Irgendwann einmal ist aber alle Herrlichkeit vorbei. Irgendwann nutzte die hohenzollernsche Familie das Schloss nicht mehr. 1911 kaufte die Stadt Benrath das Gebäude und als die 1929 zu Düsseldorf eingemeindet wurde, da ging die ehemalige Residenz in deren Besitz über.

Ein Ende hatte auch diese Ära und zwar im Jahr 2000. Seither ist Schloss Benrath mit seinem Park eine Stiftung, die im Auftrag der Stadt Düsseldorf die Gebäude und das Gelände verwaltete und nutzt.

2002, anlässlich der EUROGA 2002plus, wurde im Ostflügel das Museum für Europäische Gartenkunst eröffnet, das seither in über 40 Räumen auf 2.000 m2 die Kulturgeschichte der Gärten und Parks von der Antike bis heute zeigt.

Auch der Westflügel ist Museum, wenn auch nicht komplett. Bereits seit 1929 befindet sich hier ein Naturkundemuseum mit einer Ausstellungsfläche von immerhin 800 m2. Die restlichen Bereiche nutzt die Stiftung für Büros und eine Bibliothek.

Daneben verfügt Schloss Benrath auch noch über eine große Sammlung Frankenthaler Porzellans, die in verschiedenen Bereichen der Schlossbauten zu sehen ist.


Schloss Benrath Westseite – Foto: A. Kircher-Kannemann

Ein Besuch in Schloss Benrath heute

Dem heutigen Besucher ist also viel geboten, wenn er nach Benrath kommt: das Schloss, der Park und zwei Museen.

Das Schloss selbst, also das sogenannte Corps de Logis, ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Diese finden von Juli bis September jeweils Dienstag und Freitag um 11:00 Uhr, sowie um 12:30, 14:00, 15:00 und 16:00 Uhr statt. Mittwochs und donnerstags kann man sich um 14:00 und 16:00 im Rahmen einer Führung das Schloss ansehen und samstags und sonntags um 11:00 Uhr, 12:30, 13:30, 14:00, 16:00 und 17:00 Uhr.

Außerdem gibt es zwischen Juli und September an Sams- und Sonntagen jeweils um 15:00 Uhr Kurzführungen und um 15:15 Uhr eine Sonderführung.

Die Eintrittspreise liegen, je nachdem, ob man ein Tagesticket für alle Museen und das Schloss oder nur für das Schloss bevorzugt zwischen 10 und 14€.

Wer sich vorab über das Schloss, die Museen und die vielen Veranstaltungen informieren möchte, die hier so geboten werden, der kann sich auf einer sehr umfangreichen, wenn auch an der ein oder anderen Stelle etwas unübersichtlichen Webseite informieren, die allerdings, wie mir Anna Weidemann verriet, die für die Bereiche Events und Kommunikation sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, im nächsten Jahr überarbeitet wird.

Auch im Bereich Social Media ist Schloss Benrath recht aktiv. So gibt es eine Facebook-Seite, die regelmäßig über Termine und Veranstaltungen informiert und auch bei Instagram ist man aktiv. Selbst Twitter scheint, nach einer Pause nun wieder genutzt zu werden, um auf Ausstellungseröffnungen und andere Events hinzuweisen.

Summa summarum also ist das Haus sehr aktiv und präsentiert sich dem Publikum auf vielen verschiedenen Ebenen und bietet viele Möglichkeiten entdeckt und erlebt zu werden. Ich persönlich schlage vor einen ganzen Tag für Benrath einzuplanen und wirklich auch alle Angebote zu nutzen.

Bis heute beginne ich einen Besuch in Benrath immer mit einem kleinen Spaziergang im Park, vorzugsweise auf der Seite des Kurfürsten. Dann geht es hinein ins Corps de Logis, das so lange mein Arbeitsplatz war und wo ich jeden Winkel kenne. Danach erst einmal ein Kaffee, vielleicht ein Stückchen Kuchen oder einen Snack im Schlosscafé. Ein weiterer kleiner Spaziergang, vielleicht zur Orangerie, einmal herum um den Spiegelweiher und dann die Museen anschauen. Danach ist immer noch genügend Zeit, um in Ruhe im Schlosscafé oder auch einfach auf einer der vielen Bänke im Park den Tag ausklingen zu lassen und all das Gesehene Revuepassieren zu lassen.

Ich jedenfalls wünsche Ihnen viel Freude bei Ihrem Besuch in Schloss Benrath und vielleicht mögen Sie mir ja mal von Ihrem Tag in Benrath erzählen.
Zum Schluss noch eins: Fotografieren ist in Schloss Benrath nur im Rahmen spezieller Führungen möglich.

Schloss Benrath Ostseite – Foto: A. Kircher-Kannemann

Schloss Benrath

Benrather Schlossallee 100-106

40597 Düsseldorf

Öffnungszeiten:

Museen
Sommersaison: (01.4. – 31.10.)
Di – Fr: 11.00 – 17.00 Uhr
Sa & So: 11.00 – 18.00 Uhr

Wintersaison: (01.11. – 31.3.)
Di – So: 11.00 – 17.00 Uhr

Museumsshop
Di – So:
30 min vor Öffnung der Museen

Schlosscafé
Di – Fr: 10.00 – 18.00 Uhr
Sa & So: 10.00 – 19.00 Uhr

Eintrittspreise:

TAGESTICKET
für alle Museen (inkl. Schlossführung)
Erwachsene       14 €  
Ermäßigt             10 €
Kinder, Jugendliche und Schüler (6-17 Jahre)      4 €
Familienkarte (max. 2 Erwachsene und alle eigenen Kinder unter 18)      28 €

EINZELTICKET
Museum Corps de Logis (inkl. Schlossführung)
Erwachsene       10 €  
Ermäßigt             6 €
Kinder, Jugendliche und Schüler (6-17 Jahre)      3 €

Museum für Gartenkunst / Naturkundemuseum jeweils
Erwachsene       6 €
Ermäßigt             4 €
Kinder, Jugendliche und Schüler (6-17 Jahre)      3 €


Dieser Beitrag entstand nach einem Gespräch mit Anna Weidemann, die im Schloss Benrath verantwortlich ist für die Bereiche Events und Kommunikation sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit.
ich bedanke mich an dieser Stelle sehr für das Gespräch und die mir zur Verfügung gestellten Bilder der Innenräume des Schlosses und der Orangerie.

Beitragsbild:
Ansicht von Schloss Benrath vom Spiegelweiher – Foto: A. Kircher-Kannemann

2 Antworten auf „Schloss Benrath – Museums-Tipp“

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