Kultur-News KW 16-2019

Vorab

Ein Brand überschattet diese Woche vor Ostern und der Zeitpunkt scheint schon beinahe symbolisch zu sein. Mit dem Dach von Notre Dame brannte nicht nur ein Dach, nicht nur der „Wald von Notre Dame“ und nicht nur Stein, wie manche sagen: es brannte Geschichte, es brannte Kultur, es brannten beinahe 1000 Jahre voller Gebete, Geschichten, Ereignisse und vor allem auch Symbole und symbolischer Handlungen, die weit über Frankreich und den Katholizismus hinausreichen. Und so gibt es nicht nur weinende Katholiken mit Rosenkränzen in den Händen, sondern auch „Ein Kaddisch auf Notre Dame“. Nachtrag: Sagen wir so: es gab ein “Kaddisch auf Notre Dame” leider existiert die Seite nicht mehr. Warum? Das weiß ich leider nicht.

Der Brand von Notre Dame trieb im Übrigen zahllose weniger schöne Blüten und wenn man ehrlich ist, dann gab es nur wenig Text, der der Erwähnung wert ist. Eine recht gute Zusammenfassung der Ereignisse findet sich auf „spektrum.de“ und wer bezüglich Notre Dame auf dem Laufenden bleiben möchte und wissen möchte, was zerstört wurde, was erhalten blieb und wie es nun weitergeht, dem kann ich eigentlich nur die französische Wikipedia ans Herz legen, die einen eigenen Artikel zum Brand von Notre Dame hat, der ständig aktualisiert wird.

Inzwischen – genau gesagt seit gestern – sind nun auch die letzten Glutnester gelöscht und die wichtigsten Teile der Kathedrale sind abgesichert, wie die „Tagesschau“ berichtet. Zudem möchte der französische Präsident Emmanuel Macron aus der Katastrophe auch Lehren ziehen und kündigte eine Initiative auf EU-Ebene zum Schutz des Kulturerbes in Europa an. Zu wünschen wäre es.

Was nun Notre Dame angeht, so soll ein „Regenschirm“ sie schützen. Den allerdings sollte man schnell aufspannen, denn für Frankreich kündigen die Meteorologen baldige Gewitter an.

 

Digitales

  • Wie wichtig Digitalisierung gerade im Kulturbereich ist, das führt uns in dieser Woche der Brand von Notre Dame mehr als deutlich vor Augen, denn nicht zuletzt die detailgenauen Laserscans, die 2015 von der Kathedrale angefertigt wurden, werden helfen sie wieder aufzubauen.

 

 

  • Und noch einmal EU-Urheberrecht: Es gibt nicht nur Schatten, sondern scheinbar auch ein wenig Licht und das in Bezug auf das Reiss-Engelhorn Urteil, wie nun John Weitzmann von Wikimedia bei IRights erläuterte. Das neue EU-Gesetz bringt nämlich offenbar mit Artikel 14 eine Wendung bzgl. Reprofotos mit sich. Weitzmann sagt dazu: „Konkret muss nach der neuen Regel gesetzlich sichergestellt werden, dass an digitalen eins-zu-eins-Kopien gemeinfreier Werke der bildenden Kunst keine neuen Rechte entstehen.“ Lassen wir uns also überraschen und hoffen wir.
  • Und noch ein Nachklapp zur EU-Urheberrechtsreform und zwar von einem Urheber: Henry Steinhau auf „IRights“ mit der Frage: „Wie wäre es […] mit einem neuen, großen Bund für alle Urheber*innen?“.

 

  • Hier gibt’s Apps! Die Universität Köln hat anlässlich ihres 100. Geburtstages eine App herausgebracht „100 Jahre Uni Köln“. Sebastian Schlinkheider berichtet auf dem Blog „zeitenblicke“ darüber.

 

 

 

Museum

  • Und noch ein neues Museum und wieder geht’s um einen Schreiberling! Hatten wir in der vergangenen Woche das neue Grimm-Museum, so ist es nun Adelbert von Chamisso, dem ein neues Museum gewidmet ist. Am 13. April eröffnete das erste Chamisso-Museum in Kunersdorf.

 

  • Technikmuseen brauchen Technik – klingt platt, einleuchtend und ist offenbar doch schwierig, denn das Abfallnachweisverfahren verhindert häufig, dass Technikmuseen Exponate bekommen. Warum? Sie sind nicht zertifiziert Entsorgungsnachweise auszustellen.

 

  • Ich weiß wirklich nicht mehr wie oft ich diesen Satz zu Besucher*innen gesagt habe: „Bitte fassen Sie das Objekt nicht an. – Please don’t touch.“ Ein paar tausendmal wird es im Laufe der Jahre sicher gewesen sein. Kristina Mösl, leitende Restauratorin der Alten Nationalgalerie, erklärt in einem Interview auf dem Blog „Museum and the City“ warum es so wichtig ist, dass Kunstwerke nicht angefasst werden.

 

  • Elisabeth Eder auf dem Blog des Universalmuseums Joanneum über Ostereier und andere Überraschungen in den Depots des Volkskundemuseums. Ein spannender Rundgang passend zu Ostern!

 

 

 

 

Ausstellungen

  • Eine Jahrhunderthochzeit und das Sächsische Rokoko erleben, das kann man ab dem 28. April in Schloss Hubertusburg in Wermsdorf, einem der größten Jagdschlösser Europas. Die Ausstellung erinnert an die Hochzeit und das Leben von Friedrich August, Kurprinz von Sachsen und Sohn Augusts des Starken und der Kaisertochter Maria Josepha. Unter dem Titel „Friedrich August und Maria Josepha – das verlorene sächsische Rokoko“ ist die Ausstellung vom 28.4. bis zum 6.10. zu sehen.

 

 

  • Die internationale Wanderausstellung, die die Welt der Höhlen von Lascaux für Besucher*innen auferstehen lässt, ist nun in Deutschland angekommen. Vom 17. April bis 8. September ist die Ausstellung unter den Titel „Lascaux – die Bilderwelt der Eiszeit“ in der Kleinen Olympiahalle in München zu sehen.

 

Chinoiserie
Chinoiserie: Landschaft mit Mandarinenbaum – Giovanni Domenico Tiepolo [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

Geschichte

  • Barock und Kostüme – zwei Begriffe, die zusammengehören. Maskenbälle, Kostümspiele und natürlich Theateraufführungen in opulenten Kostümen gehörten zum barocken Alltag. Cordula Mauß und Dorothea Nicolai berichten auf dem Blog der Bayerischen Schlösserverwaltung von solchen Festen und Aufführungen und von der Rekonstruktion barocker Kostüme.

 

  • Manchmal können historische Ereignisse sehr lange nachwirken, denken wir nur an Galileo, da dauerte es bis 1992 bis die katholische Kirche ihn rehabilitierte. Überhaupt hängt die Kirche offenbar gerne lange historische Ereignissen nach, wie im Fall eines Hexenmeisters aus Trier, wie auf dem Blog „Archivalia“ von Klaus Graf nachzulesen ist.

 

 

 

Archäologie

  • Das Wunder von Pompeji könnte man es nennen, denn nachdem die antike Stadt lange nur von sich reden machte, weil sie verfiel, macht sie nun von sich reden, weil sie wieder aufersteht und das nicht zuletzt dank 105 Millionen Euro der EU-Kommission, wie nun der Focus berichtet.

 

  • Und da gibt es noch eine zweite römische Stadt, die von sich reden macht. Sie ist nicht so berühmt wie Pompeji aber nicht weniger beeindruckend: Ostia. Auch hier war und ist Kulturgut gefährdet aber auch hier geht es voran und das nicht zuletzt dank 3D-Rekonstruktionen, wie Axel Gering nun im Tagesspiegel berichtet.

 

 

Lesenswert

  • Das Land Baden-Württemberg stellt 5,3 Millionen Euro für die Denkmalförderung zur Verfügung. Die Gelder stammen aus den Erlösen der Staatlichen Toto-Lotto GmbH. Gefördert werden insgesamt 130 Denkmäler, darunter 74 private, sowie 31 kirchliche und 25 kommunale.

 

 

 

Beitragsbild: Postkarte “Fröhliche Ostern” aus dem Jahr 1909

 

 

 

 

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