Roms fließende Grenzen in Xanten

Ausstellungsplakat innen Limes am Niederrhein APX
Ausstellungsplakat “Der Limes am Niederrhein” im APX
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Ein Besuch in der Ausstellung “Der Limes am Niederrhein” im Archäologischen Park Xanten

Wieder einmal bin ich dem Lockruf der Römer gefolgt und wieder einmal ging es in eines meiner Lieblingsmuseen, ins Römermuseum nach Xanten, das sich – fast wie eine Kulisse wirkend – über der historischen Thermenanlage erhebt. Den Lockruf stieß die neue Sonderausstellung aus, die im Untergeschoss des Museums zu sehen ist. Sie trägt den Titel „Der Limes am Niederrhein“.

Gerade jetzt und hier eine solche Ausstellung zu zeigen, das macht Sinn, denn seit Juli dieses Jahres sind wir hier am Niederrhein ja Welterbe. Nach Jahren hat es endlich geklappt und der „nasse Limes“ – korrekt der Niedergermanische Limes -, der sich von Bad Breisig bei Bonn bis nach Katwijk an der niederländischen Nordseeküste erstreckt ist UNESCO-Welterbe.
Insgesamt 230 Kilometer dieser nassen Grenze ziehen sich durch Nordrhein-Westfalen. Da lag es nah die neue Landesausstellung dieser ehemaligen Grenze zu widmen und sie unter das Motto „Roms fließende Grenzen“ zu stellen. Insgesamt sind es fünf Standorte, die sich in diesem und im nächsten Jahr der römischen Geschichte Nordrhein-Westfalens widmen.
Den Anfang hat am 24. September das Lippische Landesmuseum in Detmold gemacht mit der Ausstellung „Grenzüberschreitung am Limes“. Als nächste Ausstellung wurde dann am 30. September die Xantener eröffnet unter dem schon erwähnten Titel „Der Limes am Niederrhein“.
In den nächsten Monaten werden drei weitere Ausstellungen folgen. Im LVR-Landesmuseum Bonn geht es ab 25. November um das „Leben am Limes“. Ab dem 25. März 2022 wird es im LWL-Römermuseum in Haltern am See um „Römer in Westfalen 2.0“ gehen und last but not least startet man in Köln am 29. April 2022 mit „Rom am Rhein“.

Soviel zum Drumherum. Ich starte in der guten alten Colonia Ulpia Traiana und blicke auf die römische Vergangenheit am Niederrhein.

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit dem Aufruf des Videos erklärst Du Dich einverstanden, dass Deine Daten an YouTube übermittelt werden und das Du die Datenschutzerklärung gelesen hast.
Trailer zur Ausstellung “Der Limes am Niederrhein” im Römermuseum des Archäologischen Parks Xanten

Xanten und der Limes am Niederrhein

Noch bevor ich die Ausstellung betrete ist da ein Tisch aufgebaut und auf dem liegen Hefte aus und kleine Karten. Die Hefte sind für Kinder gemacht. Es ist ein „Entdeckerbuch“, das die Kinder durch alle fünf Ausstellungen begleiten soll. Nicki Nuss heißt der kleine Guide, der durch die einzelnen Ausstellungen führt, Geschichten erzählt und Basteltipps auf Lager hat. Da gibt es Bilder zum Ausmalen, Backanleitungen für „Panis militaris“, eine Anleitung für den Bau eines Römerschiffes, Rätsel und vieles mehr.
Für die Erwachsenen gibt es die kleinen Karten. Hier kann man sich den Besuch einer jeden der fünf Ausstellungen abstempeln lassen und am Ende an einem Gewinnspiel teilnehmen. Eine schöne Idee alle Ausstellungen miteinander zu verknüpfen und einen Anreiz zu schaffen auch wirklich alle zu besuchen.

Römischer Reiter Limes am Niederrhein APX
Ein Römischer Reiter empfängt die Besucher:innen in der Ausstellung “Der Limes am Niederrhein” in Xanten
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Der Limes am Niederrhein – ein nicht immer friedlicher Multikulti-Treff

Kaiser Hadrian (76-138) war es, der die Grenze zwischen den römischen und den nicht-römischen Gebieten Europas systematisch befestigen ließ. So wurden überall in regelmäßigen Abständen Wehranlagen und Kastelle errichtet. Hier entlang des Rheins, der allein durch seine Breite eine natürliche Grenze bildete. Aber so undurchlässig, wie man vielleicht glauben mag war diese Grenze nicht. Es gab sehr viele Kontakte zwischen hüben und drüben, es gab Handel und nicht wenige Germanen genossen die Vorzüge in römischen Diensten zu stehen.

Römische Helme Limes am Niederrhein APX
Römische Helme künden von der Bataverschlacht im Jahr 69
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Trophaea - Römische Helme - Abenteuer Großgrabung Krefeld Linn
Meine erste Begegnung mit den Helmen vom Schlachtfeld in Gelduba
Ausstellung “Abenteuer Großgrabung” im Krefeld-Linn
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Am Eingang der Ausstellung empfängt mich ein römischer Reitersoldat. Stolz sitzt er auf seinem Pferd, gut gerüstet und kampfbereit. Er deutet an, dass das Zusammenleben von Römern und Germanen hier nicht immer friedlich war. Wie wenig friedlich es war, das sehe ich kurze Zeit später, als mich Funde begrüßen, die ich schon kenne – nicht von hier, sondern aus Linn. Im Museum Krefeld-Linn sind sie normal zu sehen und künden von einer der größten Schlachten, die hier in der Region in römischer Zeit stattgefunden haben. Im Jahr 69 war es, als die Germanen bei Gelduba (Krefeld-Gellep) einen Reiterangriff gegen das römische Heer führten und beinahe gewonnen hätten.

Aber nicht immer standen die Zeichen zwischen Römern und Germanen auf Krieg. Die meiste Zeit arrangierte man sich und es gab eine friedliche Koexistenz.

Römische und Germanische Göttinnen und Götter
Göttinnen und Götter bei Römern und Germanen
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Rom meets Germanien am Niederrhein

Die meisten der insgesamt 400 Exponate der Ausstellung künden von dieser friedlichen Koexistenz in der man lebte, leben ließ und das, was man gut fand einfach übernahm.
Die Ausstellung gewährt uns einen Einblick in das Alltagsleben jener Zeit als es Kaiser in Rom gab, die Traian, Hadrian oder auch Marc Aurel hießen. Modelle von Rheinschiffen zeigen Handel und Wandel auf dem großen Fluss und die Statuetten der Götter und Göttinnen zeigen eine religiöse Vielfalt in der die einen von den andern übernahmen, was gefiel.
Zahlreiche Monitore mit Bildern aus römischer Zeit helfen dabei sich in jene Epoche zu versetzen und einen Eindruck von der Welt zu bekommen, die die Menschen im 1. und 2. nachchristlichen Jahrhundert umgab und in der sie lebten.

Modelle römischer Schiffe in der Ausstellung "Der Limes am Niederrhein" in Xanten
Modelle römischer Schiffe in der Ausstellung “Der Limes am Niederrhein” in Xanten
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Dabei zeigt die Ausstellung deutlich wie eng die Verflechtungen waren zwischen Römern und Germanen, wie intensiv der Austausch zwischen diese beiden doch eigentlich so unterschiedlichen Kulturen war und wie sie sich hier am Niederrhein ergänzten und in vielen Bereichen verschmolzen.

Römisches Glas Limes am Niederrhein APX
Römisches Glas und Terra Sigillata vor passendem Hintergrund
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Am Ende sitzt da ein Germane, er erhebt seinen Becher aus Glas und scheint mich einzuladen mich neben ihn zu setzen und ein Glas mit ihm zu trinken. Ich folge seiner Einladung, setze mich neben ihn und blättere durch den Katalog. Ein dicker Band, der für alle fünf Ausstellungen gemeinsam ist und den ich mir demnächst wohl kaufen werde, denn was ich hier so beim Durchblättern kurz lese, das ist gut geschrieben und gefällt mir. Dann verabschiede ich mich vom trinkfreudigen Germanen und gehe wieder hinaus in die Colonia.

Germane mit Trinkbecher Limes am Niederrhein APX
Ein Germane lädt mich ein
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Ein Epilog

Draußen vor der Türe mit dem Blick auf die alte Colonia Ulpia Traiana und die nachgebauten Schiffe neben dem Museum, da ziehe ich – wie so oft an diesem Ort – ein altes Buch aus der Tasche und beginne zu lesen:

„So sehr ihn die Ferne reizte, so schwer fiel ihm der Abschied von seiner Familie und seiner Stadt, an der noch immer gebaut wurde, obwohl bereits zwei Jahrzehnte seit ihrer Gründung vergangen waren. Immer noch gab es unbebaute Flächen, vor allem im Westen der Stadt. Dicht bebaut mit Häusern war nur das Zentrum um das Forum und das Kapitol sowie der Ostteil mit der „Altstadt“, wo vor allem die Cugerner wohnten, die sich längst in das Stadtleben eingewöhnt und als Fischer, Schiffer, Handwerker oder Wirte ihr Auskommen gefunden hatten. Mancher, der zu etwas Geld gekommen war, hatte inzwischen sein Lehmfachwerkhaus niedergerissen und ein kleines Steinhaus an seine Stelle gesetzt, um komfortabler leben zu können und sich dem römischen Lebensstil anzugleichen. Doch immer noch war das dichtbebaute „Cugerner-Viertel“ eng und winklig und unterschied sich deutlich von den großzügiger angelegten Vierteln im Zentrum der Stadt.“

Tilmann Bechert: Marcus, der Römer. Ein historisches Lebensbild aus dem römischen Xanten, S. 32
Römische - Germanische Tongefäße Limes am Niederrhein APX
Tongefäße aus römischer Zeit mit passendem Hintergrund
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.