Kultur-News KW 29-2019

Digitales

  • LEO-BW goes App und heißt „Landauf, LandApp BW“ mit bisher 1.200 Fotos und Beschreibungstexten kann man sich per Smartphone auf Erkundungstour durch Baden-Württemberg begeben. via zkbw
  • “Es ist vollbracht” möchte man ausrufen! Die Deutsche Forschungsgemeinschaft erkennt das Bloggen wird nun endgültig als durchaus legitime wissenschaftliche Praxis an – ein Schritt in die richtige Richtung. via djgd-Blog
  • Eine ähnliche Gratulation könnte man auch an das Land Schleswig-Holstein aussprechen, denn hier gibt es nun einen „Digitalen Masterplan Kultur“. Offenbar Teil dieses Masterplans ist auch der seit März existierende Twitter-Account der Landesbibliothek. via Geschichtsblogsh
  • Gute Nachrichten gibt es auch von Google Books: Die UB Bern verfügt über rund 100.000 Titel, die frei von Urheberrechten sind und digitalisiert werden können. Aus diesem Grund geht sie eine Kooperation mit dem Digitalisierungszentrum von Google ein. Ähnlich wird es mit den Bibliotheken in Luzern und Zürich aussehen und wohl auch weiteren Bibliotheken. via Archivalia
  • Die Bearbeitung von Inhalten mit freier Lizenz ist zwar grundsätzlich erlaubt, muss aber gekennzeichnet werden und da gibt es leider so manchen Fallstrick. Der Rechtsanwalt Paul Klimpel gibt auf iRights Tipps und erklärt wie die Kennzeichnung richtig geht.
  • Museum4punkt0 beschäftigt sich weiter mit der Frage, wie man virtuelle Realität katalogisieren und so die Entwicklung und Forschung zum Thema weiter vorantreiben kann.
  • 360°-Filme und Kuppelprojektionen – museum4punkt0 über digitale und virtuelle Features in Brauchtumsausstellungen.
  • Was nun? Die EU-Urheberechtsreform und die Umsetzung in nationales Recht. Netzpolitik.org über die digitale Gesellschaft und den Gesetzgebungsprozess.
  • „Ohne Beziehungen läuft in der Wissenschaft nicht viel. Das war schon im Mittelalter so, als Gelehrte aus ganz Europa sich intensiv austauschten und reisten. Diese Ursprünge der heutigen Wissensgemeinschaft zeigt jetzt die öffentlich zugängliche Datenbank «Repertorium Academicum Germanicum» (RAG). Sie ist unter Berner Federführung entstanden und umfasst die Lebensläufe von mehr als 60’000 mittelalterlichen Gelehrten.“ via idw
  • Kai Matuszkiewicz auf dem Blog „mediastudies“ über „Open Culture“, neue Studierende, offene Hochschulen und die Frage, ob deutsche Universitäten ihre Studierenden nicht besser künftig als „Stakeholder“ begreifen sollten.

Museum

  • Das Deutschordensmuseum Bad Mergentheim hat einen Kooperationsvertrag mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg unterzeichnet. „Die Staatlichen Schlösser und Gärten werden zum 01. 01.2020 die Geschäftsführung der Deutschordensmuseum Bad Mergentheim GmbH, den Betrieb sowie die Weiterentwicklung und die Vermarktung des Museums übernehmen. Das Personal der Einrichtung wird ebenfalls von der SSG übernommen.“ via zkbw
  • Ein „Mitmachsack“ und die „selbständige Begegnung mit Kunstwerken“ – die Neue Galerie in Graz möchte so junge Leute animieren sich mit Kunst auseinanderzusetzen und vor allem Kunst zu erfahren. Ein Beitrag von Antonia Veitschegger auf dem Blog des Museum Joanneum.
  • Einst war das Museum der Ort, der das Bewusstsein für die eigene Nation darstellen, wenn nicht gar erschaffen sollte – heute sind Museen Orte des Lernens und der Kommunikation, zumindest in Deutschland. In vielen anderen Ländern aber sieht dies ganz anders aus. via Deutschlandfunk-Kultur
  • „Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg erhält prominenten Zuwachs: ein Porträt des Renaissance-Architekten Sebastiano Serlio (1475–1554), gemalt von Bartolomeo Passerotti aus Bologna, einem herausragenden Porträtisten aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.“ via idw
  • Die Kritik an den Museen wächst, vor allem das Dahlemer Depot stand dabei im Fokus der Artikel der Süddeutschen Zeitung. Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen Berlin, weist diese Kritik nun in einem Beitrag im Tagesspiegel zurück, räumt allerdings durchaus Mängel im Depot ein.
  • Das Mauritshuis in Den Haag ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, aber es ist auch der „Zuckerpalast“, erbaut von Johan Maurits, der sein Geld mit Einkünften aus Kaperfahrten und von Plantagenbesitzern verdiente. Das Museum untersucht nun seine Verwicklung in den Sklavenhandel. Es geht auch darum Licht zu bringen in die niederländische Kolonialgeschichte. via Tagesspiegel
  • Sind Heimatmuseen noch zu retten? Lars Lichtenberg setzt sich auf „Kultur hoch N“ mit den Problemen der meist ehrenamtlich geführten Museen auseinander und versucht Ideen zu entwickeln, wie man diese Museen in die Zukunft führen kann.
  • „‘The Eagle has landed‘ heißt es täglich im Planetarium des Deutschen Museums. Im Jubiläumsjahr der ersten Mondlandung erweitert das Haus damit das Fulldome-Programm für die Besucher der Münchner Museumsinsel. „Capcom Go!“ zeigt in einer spektakulären Kombination von Animationen mit original Bild- und Tonaufnahmen die Geschichte des US-amerikanischen Apollo-Raumfahrtprogramms, das am 20. Juli 1969 in der erfolgreichen Landung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond gipfelte.“ – Sabine Plegjer über die Reise zum Mond im Deutschen Museum.
  • Das Deutsche Uhrenmuseum Furtwangen hat Zuwachs bekommen: „15 Milllionen Holzuhren allein bis 1850: Mit ihren bunt bemalten Lackschildern waren sie der VW-Käfer unter den Uhren. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konnte man sie auch in vielen Haushalten ärmerer Leute finden. Nun hat das Museum eine Auswahl besonders schöner Exemplare dieser Alltagsuhren übernommen.“

Ausstellungen

  • Es gibt eine neue virtuelle Ausstellung der Europeana mit dem Titel „Heritage at Risk“. Sie zeigt, ausgehend von der Brandkatstrophe von Notre Dame, welche Welterbestätten in Gefahr sind und aus welchen Gründen.
  • Wenn 700 Gläser auf Kissen gebettet werden, dann ist etwas im Gange: Im Alten Schloss in Stuttgart entsteht eine neue Kulturlobby und so muss die Glassammlung nun erschütterungssicher gebettet werden. Wie das vor sich geht erfährt man auf dem Blog des Landesmuseums Stuttgart.
  • Audioguide oder Beschriftung? Und wenn Beschriftung dann wie? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine Ausstellung in der Berliner Gemäldegalerie, denn die Beschriftung lenkt die Wahrnehmung. via Süddeutsche Zeitung
  • Der #Staubexpedition der Herbergsmütter anlässlich der Ausstellung auf Burg Posterstein letzter Teil „Wie Staub zu neuem Leben wird“.
  • „Haltung. Halte ich mich gerade, wanke ich, falle ich, finde ich meine Balance? Wer zu starr steht, fällt leichter um. Es gilt also, beständig die eigene Haltung zu prüfen, locker zu bleiben, ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung zu finden.“ – die aktuell sehr aktiven Herbergsmütter zur Ausstellung „Haltung und Fall. Die Welt im Taumel“ im Marta Herford Museum.
  • „Die Ausstellung „Mode (verfolgen): Tracking Talents“ geht den Prozessen des Gestaltens und Produzierens von Mode auf den Grund. Verschiedene Arbeiten zeigen, wie handwerkliche Techniken und neue Technologien Innovation befördern. Nele Mai, Praktikantin am Kunstgewerbemuseum, sprach mit Kuratorin Clara Leskovar über das Projekt.“ auf dem Blog der Staatlichen Museen Berlin
  • „Die Impulse, die das Staatliche Bauhaus in der Kunst und Architektur setzte, wirken bis heute nach. Doch auch im Design von Alltagsgegenständen war die 1919 gegründete Hochschule wegweisend. […] Die Entwürfe, die in Weimar, Dessau, Berlin und darüber hinaus entstanden, hatten eines gemeinsam: sie waren nicht nur nützlich, sondern auch schön. Diesem Produktdesign von 1920 bis 1940 widmet das LVR-Industriemuseum im Peter-Behrens-Bau in Oberhausen nun seine aktuelle Sonderausstellung.“ – Angelika Schoder berichtet auf „musermeku“ über die Ausstellung
  • Die 4. Episode über die Vorbereitungen zur Ausstellung „Das Junge Rheinland“. Diesmal geht es über Bonn Richtung Eifel nach Monschau. via L.I.S.A.

Schloss Benrath
Schloss Benrath – Parkansicht – Foto: A. Kircher-Kannemann

Bibliotheken/Archive

  • „Von Schlitzohren und Büchermardern“ – Lilly Welz stellt auf dem Blog der Staatsbibliothek Berlin die ganz anderen und nicht ganz so normalen Seiten dieser Bibliothek vor.
  • Das Blog der Staatsbibliothek Berlin beschäftigte sich in dieser Woche auch mit der Frage was das EU-Urheberrechtsgesetz für die Wissenschaft und für Bibliotheken bedeutet. Am Ende steht ein Aufruf an Bibliotheken und die Wissenschaft Vorschläge auszuarbeiten und diese der Bundesregierung zu unterbreiten.
  • Der österreichische Historiker Thomas Winkelbauer ruft „SOS“ und beschreibt den desolaten Zustand des Österreichischen Nationalarchivs in „Die Presse“: „Angesichts seiner wissenschaftlichen Bedeutung und des Umfangs seiner Bestände – alles in allem rund 240 Regalkilometer – müsste das Staatsarchiv mindestens 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. In Wirklichkeit aber umfasst sein – noch dazu seit Jahrzehnten von Jahr zu Jahr schrumpfender – Personalstand derzeit nur ziemlich genau die Hälfte (circa 100; im Jahr 2000 waren es immerhin noch 150). Zum Vergleich: Das Belgische Staatsarchiv (mit 328 Regalkilometern an Akten und anderen Beständen) beschäftigt etwa 240 Mitarbeiter, das Tschechische Nationalarchiv (168 Regalkilometer) ungefähr 160 und das Ungarische Nationalarchiv (83 Regalkilometer) sogar rund 210. In Wien entfallen im Durchschnitt auf einen Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin des Archivs 2,33 Regalkilometer, in Brüssel 1,38, in Prag 1,05 und in Budapest weniger als 0,4.“

Geschichte

  • „Wie starb Wallenstein?“ – Dieser Frage geht Michael Kaiser anhand zeitgenössischer Quellen auf dem „DK-Blog“ nach.
  • „Der 20. Juli 1944 markiert einen bedeutenden Tag für den Widerstand gegen das NS-Regime. Unter dem Decknamen „Walküre“ organisierten mehrere hochgestellte Offiziere ein Attentat auf Adolf Hitler und den Umsturz der Regierung. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg übernahm dabei die Aufgabe, eine Sprengladung neben Hitler zu deponieren. Das Attentat scheiterte – das Zeichen für den aktiven Widerstand blieb, wie Thomas Jander, Sammlungsleiter Dokumente im DHM-Blog berichtet.“ via DHM-Blog
  • Höfisches Leben zwischen „Mithridatisation“, „Bezoaren“, ganz viel Risiko und Aberglauben. Christian Quaeitzsch berichtet auf dem Schlösserblog Bayern über die (durchaus nicht ganz unberechtigte) Angst vor Vergiftungen und was man nicht so alles dagegen unternahm.

Archäologie

  • Die Pariser Stadtarchäologie gibt es nun in einer interaktiven Karte. „Die Karte lokalisiert die Grabungsorte auf dem Pariser Stadtplan und liefert zu jeder Grabung mehr oder weniger ausführliche Erläuterungen. Eine gefilterte Darstellung nach Epoche (Funde aus der Ur- und Frühgeschichte, Mittelalter, Neuzeit) ist ebenfalls möglich.“ so Sven Ködel auf dem Hypotheses-Blog „francofil“.
  • Eine Metropole der Jungsteinzeit haben Archäologen nun nahe Jerusalem gefunden. In der 9.000 Jahre alten Siedlung gab es neben großen Häusern auch rituelle Stätten. via Welt

Vom Neandertaler zum modernen Menschen – LVR-LandesMuseum Bonn
Foto: A. Kircher-Kannemann

Lesenswert

  • Andrea Hahn ist wieder einmal unterwegs gewesen diesmal führt sie uns in eine Region in der nicht nur Dichter, sondern auch der Wein zuhause sind und über die dereinst ein Dichter schrieb: „Die ganze Landschaft, von Schillers Heimath beginnend, Bottwar, Beilstein mit der merkwürdigen Burg Langhans und der Kirche St. Magdalena, das Stift Obristenfeld mit seinem Münster, das Schloss Lichtenberg, das eigenthümlich aus dem kleinen See aufsteigende Theusser Bad, das alte Nest Löwenstein und die herrlichen Forste der Löwensteiner Berge bis hinüber nach Weinsberg verdienen nähere Schilderung und sind werth, solchen Touristen, die eine Reise im Innern von Deutschland einer weit in die Ferne schweifenden vorziehen, empfohlen zu werden.“ – Eine Wanderung entlang des Wein-Lese-Wegs im Bottwartal.
  • Die Diskussion um die Zustände in Museums-Depots, die neue Europeana Collection „Heritage at Risk“ – es scheint als sei Kulturerbe allüberall in Gefahr. Damian Kaufmann hat sich in dieser Woche mit Goslar auseinandergesetzt, einer Stadt, die Welterbe-Status besitzt und diesen nun durch undurchdachte Neubauvorhaben gefährdet.
  • Ein altes Möbelstück auf dem Weg von der „Ruine zum Prachtstück“ oder auch wie an etwas derangierter Reiher zum goldenen Prachtvogel wird. Auf dem Schlösserblog-Bayern kann man die einzelnen Schritte der Restaurierung des „Reiher-Tisches“ nachlesen.
  • Von Upcycling, Ready-Made und einem nicht interessierenden Urheberrecht. Caroline Schäfer auf dem Blog „The ARTicle“ über das „Titelblatt der Holzhausen-Porträtsammlung“.
  • Das Thema Notre Dame wurde ja gerade bei den Ausstellungen bzgl. der Europeana schon einmal angeschnitten. Hier nun ein Artikel von „Restauro“ über die Probleme ausreichend viele Steinmetze zu finden, die sich noch auf das alte Handwerk verstehen.
  • Frederik Menne berichtet auf dem Blog „LWL-Archäologie“ über sein Bundesfreiwilligenjahr im Zentralen Fundarchiv in Münster „Zwischen Faustkeil und Flugzeugmotor“.
  • Die Herbergsmütter gehen nach der Staubexpedition nun auf Orgelexpedition nach Niedersachsen und begeben sich dort auf die Spuren von Arp Schnitger, einem legendären Orgelbaumeister.
  • „[…] man mutmaßt, dass Texte und Diskurse insgesamt künftig keine so große Rolle mehr spielen, die Epoche der Schrift also zu Ende geht. Was aber soll Wissenschaft dann überhaupt noch sein? Ist ihre Zeit dann nicht auch vorbei? Oder müsste sie sich vollständig reformieren, um zeitgemäß zu sein, ja um in einer Gesellschaft Geltung haben zu können, in der Evidenzen und Emotionen zunehmend eher mit Bildern als mit Worten geschaffen werden?“ – Fragen und Gedanken von Wolfgang Ullrich über die Krise des Lesens und die „Nicht-Krise“ des Schreibens.
  • Eine kritische Sicht auf „100 Jahre Bauhaus“ – Jeannine Fiedler im Interview bei L.I.S.A.

In eigener Sache

Endlich habe ich es geschafft meinen Museums-Tipp zum LVR-LandesMuseum Bonn zu schreiben. Ein beeindruckendes, facettenreiches Museum im Umbau, dass den digitalen Wandel nicht nur im Internet, sondern auch im Bereich der Ausstellungen geschafft zu haben scheint.


Beitragsbild:
Die Entwicklung des Menschen multimedial nachvollziehen im LVR-LandesMuseum Bonn – Foto: A. Kircher-Kannemann

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