Kultur-News KW 08-2020

Digitalisierung

  • Das Air Force Museum of New Zealand hat ca. 5.000 Fotografien online gestellt. Dies sind – nach eigener Aussage – ca. 0,5 Prozent des Bestandes. Aktuell stehen fast alle Fotos unter einer CC-by-NC-Lizenz.
  • „Europe as a trusted digital leader“ – so sieht das Ziel aus, das die EU mit ihrer neuen Digital-Strategie verfolgt, die nun vorgestellt wurde. in der Einleitung heißt es „Today, the Commission unveils its ideas and actions for a digital transformation that works for all, reflecting the best of Europe: open, fair, diverse, democratic and confident. It presents a European society powered by digital solutions that put people first, opens up new opportunities for businesses, and boosts the development of trustworthy technology to foster an open and democratic society and a vibrant and sustainable economy. Digital is a key enabler to fighting climate change and achieving the green transition. The European data strategy and the policy options to ensure the human-centric development of Artificial Intelligence (AI) presented today are the first steps towards achieving these goals.“
    Mehr zur Digital-Strategie der EU findet sich bei t3n.

Graf Adolf Museum Schloss Burg
Graf Adolf von Berg grüßt am Eingang zum Palas in Schloss Burg – Foto: A. Kircher-Kannemann

Museen

  • Es ist so eine Sache mit der Suche nach Definitionen und grünen Zweigen, offenbar auch in Sachen Museum: „Während der Online-Umfrage, die ICOM Deutschland vom 13. bis zum 31. Dezember 2019 unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat, sind insgesamt 302 gültige Fragebögen eingegangen. Dies entspricht einer Beteiligung von 4,6 Prozent der Verbandsmitglieder, jedes Bundesland ist mit Teilnehmern vertreten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Positionen der Umfrageteilnehmer zur geltenden ICOM-Museumsdefinition in sich schlüssig sind und eine breite Zustimmung aufweisen. Im Überblick betrachten 80,8 Prozent diesen Text als gut geeignete bzw. nur punktuell verbesserungswürdige Museumsdefinition. 1,3 Prozent stufen ihn als ungeeignet ein.“ Das Ganze scheint sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln und manchmal frage ich mich wirklich, ob es keine dringenderen Probleme auch in Sachen Museum gibt.
  • Lustwandeln abseits von Touristenströmen und dabei noch ein klein wenig Schlössersafari machen, das geht – man glaubt es kaum – sogar in München. Lena Griesbeck stellt auf dem Schlösserblog Bayern die Blutenburg vor. Ein beinah unbekanntes Kleinod mitten in München.
  • Noch mehr Schlössersafari gibt es auf dem Blog von Andrea Hahn: Nina Süßmilch nimmt uns in einem Gastbeitrag mit ins Schloss Altenburg, die ehemalige Residenz der Herzöge von Sachsen-Altenburg.
  • „Die Franckeschen Stiftungen in Halle wollen ein Netzwerk für Wunderkammern aufbauen. Ziel sei zu erfahren, wo es überall in Europa und darüber hinaus Kunst- und Naturalienkabinette gebe, teilten die Stiftungen mit. Wie ihr Direktor Thomas Müller-Bahlke sagte, wurde dazu Kontakt mit Experten aus dem Museum Kunstkammer St. Petersburg und aus Großbritannien aufgenommen.“ via zkbw
  • Deformiertes Metall, Lanzenspitzen, die teilweise kaum als solche zu erkennen sind. Das zeigt das Foto zum „Fund des Monats“. Die Geschichte zum Bild gibt es auf dem Blog des LVR-Landesmuseums Bonn.
  • „Im VRlab des Deutschen Museum können Besucher*innen seit August 2018 in immersive Welten eintauchen und Ausstellungsstücke, wie den Benz Motorwagen, die Sulzer Dampfmaschine erfahren, einen der ersten Flüge von Otto Lilienthal beobachten oder wie Alan Shepard eine Partie Golf auf dem Mond spielen. Das VRlab versteht sich aber auch als eine Art “gläsernes Labor”, welches neue Entwicklungen von Virtual Reality Technologien erfahrbar macht.“ Mehr zum VRlab und den aktuellen Aktionen gibt es auf dem Blog des Deutschen Museums.
  • Einen Museums-Tipp der besonderen Art hält „mus.er.me.ku“ in dieser Woche bereit: es geht in das älteste Museum der Niederlande – das „Teylers Museum“. Was es dort jenseits herrlicher Architektur noch alles zu sehen gibt, berichtet Angelika Schoder.
  • Museen brauchen Geld – eine altbekannte Weisheit. Gerade Museen, die ein weit gefächertes Angebot haben und sich der Digitalisierung widmen brauchen Geld, das machte jetzt auch der Direktor des Arp-Museums in Remagen deutlich. via General-Anzeiger.
  • Kommen wir zum Aufreger der Woche in Sachen Museen und zur Frage eines Kommunalpolitikers: „Warum sollten wir Museen restaurieren, in die eh keiner rein geht?“ – er meinte übrigens das Franz-Liszt-Museum in Bayreuth. Und darüber, ob er den Vorschlag dort lieber öffentliche Toiletten einzurichten wirklich ernst meinte grüble ich noch immer nach. via Bayreuther Tagblatt.

Ausstellungen

  • Haute Couture, Lyoneser Seidenindustrie und ein unvergessener Modezar – das Blog des Nationalmuseums der Schweiz widmet sich Yves Saint Laurent und der Ausstellung „Yves Saint Laurent. Les coulisses de la haute couture à Lyon“ im Musée des tissus, Lyon.
  • Heute eröffnet die Foto-Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“ mit Schwarz-Weiß-Fotografien von Karl-Heinz Rothenberger im Museum Burg Posterstein. „Insgesamt 14 Mal besuchte der Landshuter Fotograf Karlheinz Rothenberger ab Ende der 1990er Jahre die von der „Wismut“ geformten Landschaften im Ronneburger Uranerzbergbaurevier. Durch persönliche Kontakte erhielt er Einblicke in die Rückbaumaßnahmen vor und nach der Bundesgartenschau 2007. Auf eindrucksvollen Fotografien hielt er die verformten Landschaften fest.
    Das Museum Burg Posterstein zeigt die so entstandenen Schwarz-Weiß-Fotografien von 23. Februar bis 10. Mai.“
  • Vom 22. Februar bis zum 1. Juni steht das Museum Barberini ganz im Zeichen von Monet. Unter dem Titel „Monet. Orte“ werden 110 Exponate gezeigt, die aus insgesamt 80 verschiedenen Sammlungen stammen und aus 15 Ländern. via rbb24.

Bibliotheken / Archive

  • Am 2. März ist es soweit: das Vatikanische Archiv gibt die Akten aus dem Pontifikat von Papst Pius XII. (1939-1958) frei. Neun Jahre hat die Katalogisierung der Bestände gedauert, die ca. 2 Millionen Dokumente umfassen sollen. via Vatican News.
  • Einen ersten Blick kann man in einem eigens erstellten Video in das Archiv werfen:
  • Schutz von Kulturgütern und Notfallmaßnahmen werden spätestens seit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs immer mehr diskutiert. Bereits in den Kultur-News KW 07-2020 habe ich über die Maßnahmen des Duisburg Stadtarchivs berichtet. Auch in Osnabrück gibt es einen Notfallverbund, der sich vor kurzem traf und über den Ernstfall sprach und Notfallprozeduren probte. via hvos.hypotheses.

Geschichte

  • Es ist ein schwieriges Thema, dem sich Damian Kaufmann auf seinem Blog Zeilenabstand.net in seinem jüngsten Beitrag gewidmet hat: der Genozid an den Herero im ehemaligen „Deutsch-Südwestafrika“ und dem damit verbundenen Geschichtsrevisionismus. Detailliert und engagiert spürt er – ausgehend von einer ARTE-Dokumentation und den erschreckenden Reaktionen darauf – der Geschichte und dem Umgang mit ihr nach. Beängstigend deutlich wird wie laut rechte Ideologien inzwischen wieder sind und wie sehr sie das Meinungsbild beherrschen.
  • Von wegen Gutenberg … das wohl älteste Buch, das mit beweglichen Lettern gedruckt wurde stammt aus China aus dem Jahr 1150. via Digithek.ch und Archivalia.
  • Kennen Sie die „Pummerin“? – Ich kannte sie offen gestanden nicht. „Pummerin“ nennen die Österreicher die größte Glocke des Stephansdoms. Katrin Keller erzählt auf ihrem Kaiserin-Blog über die Geschichte und das Geheimnis dieser Glocke.
  • Schützenfeste sind in manchen Regionen Deutschlands unausweichlich und während die einen sie lieben gehen die anderen lieber laufen. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Schützenwesen? Wo kommt es her und wie hat es sich entwickelt? Antworten gibt es auf dem Blog des Deutschen Historischen Museums.
  • Ein beherrschendes Thema des 17. Jahrhunderts war die „Türkengefahr“, aber nicht alle sahen nur die Gefahr, es gab tatsächlich auch in dieser Zeit einen intensiven kulturellen Austausch zwischen dem Westen und den osmanischen Herrschern am Bosporus. Über einen Schweizer, der auszog den Hof des Sultans zu erkunden berichtet das Blog des Schweizer Nationalmuseums.

Archäologie

  • Ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts entdeckte bei jüngsten Ausgrabungen in einem heutigen Kirchengelände des Fundplatzes Yeha (Äthiopien) die Reste eines 2700 Jahre alten Tempels frei. via idw.
  • Sie werden wohl nie ein Ende nehmen, die Spekulationen um Nofretetes Grab und das Grab Tutanchamuns. „Der Wissenschaftskrimi geht weiter“ titelt der Standard und schreibt über neue Hinweise zu Nofretetes Grab.
  • Auch in Rom gibt es sie immer noch, wenn auch eher selten, die ungewöhnlichen und herausragenden Neufunde. Einer davon ist ein Romulus-Kulturort, der nun entdeckt wurde. via Der Standard.

Lesenswert

  • Manchmal werden Kulturgüter zum Glück auch vor dem Verfall bewahrt. So jetzt in Langenfeld: die alte Wasserburg Haus Graven wurde nun von der Stadt Langenfeld gekauft und soll demnächst ein Umweltzentrum beherbergen, wie die WZ berichtet. via Archivalia.
  • „Die neue Stiftung „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ hat die Arbeit aufgenommen: Das Kuratorium der Stiftung ist zur ersten Sitzung im Behrensbau am Düsseldorfer Rheinufer zusammengekommen. Zum Vorsitzenden der gemeinsamen Stiftung von Landtag und Landesregierung wählten die Kuratoriumsmitglieder André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen, Ministerpräsident Armin Laschet wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden der Stiftung gewählt.“ via siwiarchiv.

Museum Schloss Burg Museums-Tipp
Ein Museum auf dem Weg in die Moderne – das Museum Schloss Burg in Solingen – Museums-Tipp
Foto: A. Kircher-Kannemann

In eigener Sache

Auch in dieser Woche gibt es wieder einen Museums-Tipp auf dem Blog: Besucht habe ich das Museum Schloss Burg an der Wupper in Solingen, das aus der Not eine Tugend macht und in der Zeit der Sanierung nicht etwa seine Pforten schließt, sondern den Wandel hin zu digitalen Techniken vorantreibt.
Es war sicher einer der spannendsten und informativsten Museumsbesuche der letzten Zeit und ich war selten so begeistert und habe nur selten so viel Enthusiasmus und Willen zur Veränderung erlebt wie hier.

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