Museum – Was ist das? – Geschichte und Zukunft
Das Museum – Plural: Museen – gilt vielen Menschen auch als Musentempel. Doch was bedeutet das eigentlich? Heißt es, dass man in Museen nur schöne Dinge zu sehen bekommt und nur mit Kunst und ästhetischen Werken konfrontiert wird?
Das hieße ja letztlich, dass in Museen nur Kunst zu sehen wäre, das allerdings ist deutlich zu kurz gegriffen und zeigt zunächst einmal eins: Irgendwie haben wir heute eine zu beschränkte Definition von den Musen. Die nämlich waren ursprünglich mal zu neunt!
Bei neun Musen scheint das Ganze dann doch deutlich vielfältiger zu sein, so denn Museen Musentempel sind. Und damit die Vielfalt der „Musen“ ein wenig klarer wird, hier eine kleine Auflistung:
- da ist zunächst einmal „Klio“ zu nennen, die Muse der Geschichtsschreibung
- dann „Euterpe“, sie ist die „Erfreuende“ und gilt als Muse der Lyrik und des Flötenspiels
- als nächstes haben wir dann die „Singende“, das ist „Melpomene“, sie ist die Muse der Tragödie
- mit „Erato“ haben wir dann die „Liebevolle“, ganz klar, dass sie die Muse der Liebesdichtung ist
- „Terpsichore“ ist die fröhlich tanzende Muse und steht sowohl für den Tanz als auch für die Chorlyrik
- die „Himmlische“ „Urania“ ist – das liegt nahe – die Muse der Astronomie
- dann kommt „Thalia“ – die ganz gerne auch mal Namensgeberin von Theatern ist und das macht Sinn, denn sie ist die Muse der Komödie
- „Polyhymnia“ steht als Muse für Hymnendichtung und feierlichen Gesang
- und „Kalliope“, die mit der schönen Stimme, ist viel beschäftigt, denn gilt als Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft
Sie sehen: Sollten denn Museen Musentempel sein, so können sie eine unendliche Vielfalt an Themen bieten und sind damit eins mit Garantie nicht: langweilig.
Aber was ist ein Museum nun eigentlich genau? Woher kommt das Wort, welche Aufgaben haben Museen und warum gibt es so viele unterschiedliche Arten von Museen? Genau darum soll es im Folgenden gehen.

Anonymous, French-Italian, 17th century Clio, ca. 1540–45 French,
The Metropolitan Museum of Art, New York, The Elisha Whittelsey Collection, The Elisha Whittelsey Fund, 1949 (49.95.316)
Inhaltsverzeichnis
Wo kommt das Wort Museum her?
So wie die Musen und ihre Namen kommt auch das Wort Museum – es liegt nahe – aus dem Altgriechischen. Dort bezeichnete „μουσεῖον (mouseîon)“ ursprünglich ein Heiligtum, das den Musen gewidmet war. Vom Ursprung her ist das Museum also tatsächlich ein „Musentempel“.
Das Wort begegnet uns zum ersten Mal in hellenistischer Zeit, also in jener Epoche vom Regierungsantritt Alexanders des Großen im Jahr 336 v. Chr. bis zur Annexion Ägyptens durch Rom im Jahr 30 v. Chr. Als das berühmteste „Mouseîon“ jener Zeit kann man sicherlich das Museion von Alexandria bezeichnen, zu dem auch die berühmte Bibliothek von Alexandria gehörte. Dieses Museion war allerdings weniger ein Ausstellungsraum als vielmehr ein Forschungsinstitut. Gegründet wurde es wohl unter König Ptolemaios I. Soter um das Jahr 280 v. Chr. Beraten haben soll ihn dabei Demetrios von Phaleron, der um 360 v. Chr. geboren wurde und um 280 v. Chr. starb — ein Schüler des Aristoteles.
Viele berühmte Gelehrte kamen seit der Gründung im Museion von Alexandria zusammen und widmeten sich dort ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Auch die Septuaginta, also die griechische Übersetzung des Alten Testaments, wird mit dem gelehrten Umfeld Alexandrias in Verbindung gebracht. Vor allem in hellenistischer und römischer Zeit wirkten hier zahlreiche Ärzte, Philosophen, Astronomen und Mathematiker.
Es gibt übrigens noch eine weitere Herleitung des Begriffs „Museum“; sie findet sich auf einer älteren, inzwischen nur noch im Net-Archive zugänglichen Version der Website des Deutschen Museumsbundes. Dort hieß es:
„Mit dem Begriff „Museum“ wurde im Laufe der Geschichte eine Vielzahl von Dingen bezeichnet: das Museum als Ort (Hügel) im alten Griechenland, an dem der Poet Museio bestattet war; das Museum Alexandrinum, Museum Romanum oder Museum Graecum als Schule, Gymnasium bzw. Universität; das Museum als Kunstkammer, „Müntz-Cabinett“ oder Wunder- und Raritätenkammer. Zedlers Universal-Lexikon aus dem Jahr 1739 listet entsprechend viele Bedeutungen auf. Zu einem späteren Zeitpunkt werden auch Journale und Lesegesellschaften mit dem Titel „Museum“ benannt.
In der Krünitzschen Enzyklopädie von 1805 bezeichnet das Wort Museum bereits einen Ort für eine öffentliche Sammlung und als Institution mit gesellschaftlicher Relevanz. In die Betrachtung einbezogen wird auch bereits das Museumspublikum: Das Museum wird als öffentlicher und lebendiger Ort des Diskurses mit einer publikumsorientierten Infrastruktur beschrieben.“
Man sieht daran vor allem eins sehr schön: Das Museum war nie nur ein Raum voller Dinge.
Schon die Wortgeschichte zeigt, dass sich mit dem Begriff immer wieder neue Vorstellungen verbunden haben — vom Ort der Musen über die gelehrte Sammlung bis hin zur öffentlichen Institution, die sammelt, bewahrt, forscht, ausstellt und vermittelt.
Kurz gesagt: Das Wort Museum kommt vom altgriechischen „mouseîon“ und bezeichnete ursprünglich einen den Musen gewidmeten Ort. Erst viel später entwickelte sich daraus die Bedeutung, die wir heute mit dem Museum verbinden: eine Sammlung, eine Ausstellung, ein Ort des Wissens und der Vermittlung.
Wie lautet die Definition von Museum?
Der Duden definiert „Museum“ als ein „Institut, in dem Kunstwerke sowie kunstgewerbliche, wissenschaftliche, technische Sammlungen aufbewahrt und ausgestellt werden“. Das ist eine kurze und prägnante Definition, aber sie umfasst längst nicht alles, was ein Museum ausmacht.
Deutlich weiter und ausführlicher ist da die Definition des Internationalen Museumsrats, kurz ICOM. Im Jahr 2022 wurde in Prag eine neue Museumsdefinition verabschiedet, die inzwischen auch in offizieller deutscher Übersetzung vorliegt: (ICOM):
„Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die materielles und immaterielles Erbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Öffentlich zugänglich, barrierefrei und inklusiv, fördern Museen Diversität und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommunizieren ethisch, professionell und partizipativ mit Communities. Museen ermöglichen vielfältige Erfahrungen hinsichtlich Bildung, Freude, Reflexion und Wissensaustausch.“
Diese neue Definition macht eines ganz klar: Die Aufgaben von Museen sind ausgesprochen vielfältig — und sie sind in den letzten Jahren nicht weniger geworden. Auffällig ist an dieser neuen Definition vor allem, dass Museen nicht mehr nur über ihre klassischen Aufgaben beschrieben werden. Sammeln, Bewahren, Forschen und Ausstellen bleiben wichtig, keine Frage. Aber hinzu kommen Begriffe, die 2020 noch deutlich weniger im Zentrum standen: Barrierefreiheit, Inklusion, Diversität, Nachhaltigkeit und die Zusammenarbeit mit Communities. Museen werden damit noch stärker als Orte verstanden, die mitten in der Gesellschaft stehen — und nicht irgendwo daneben.
Denn Museen sind Orte an denen Dinge und Wissen gesammelt werden. Aber eben nicht nur gesammelt: Diese Dinge und dieses Wissen werden auch aufbereitet, eingeordnet und den Menschen zur Verfügung gestellt, damit sie nicht verloren gehen oder vergessen werden. Das ist wichtig, denn alle diese Dinge und all das Wissen sind Teil unserer Kultur.
Kurz gesagt: Ein Museum ist heute nicht einfach nur ein Gebäude, in dem alte oder schöne Dinge gezeigt werden. Ein Museum sammelt, bewahrt, erforscht, interpretiert und präsentiert materielles und immaterielles Erbe — und es tut dies für die Gesellschaft und gemeinsam mit ihr.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Die fachliche Definition von Museum – Deutscher Museumsbund
Ein Problem mit dem Begriff Museum gibt es allerdings bis heute, zumindest in Deutschland: der Begriff ist rechtlich nicht geschützt! Das heißt, dass sich im Grunde genommen jede Sammlung von irgendetwas, die man sich anschauen kann, „Museum“ nennen kann. Besonders abstruse Beispiele hierfür waren und sind wohl die sogenannten „Instagram-Museen“, die im Grunde nichts anderes zu bieten haben als mehr oder minder witzige Kulissen, vor denen man Selfies machen kann. Vor allem aus diesem Grund hatte sich der Deutsche Museumsbund um eine engere fachliche Bestimmung bemüht, die den professionellen und wissenschaftlichen Charakter des Museums betonte. Eine ältere fachliche Eingrenzung des Deutschen Museumsbundes formulierte deshalb recht klar, was ein Museum aus fachlicher Sicht mindestens leisten sollte:
„1. Ein Museum ist eine von öffentlichen Einrichtungen oder von privater Seite getragene, aus erhaltenswerten kultur- und naturhistorischen Objekten bestehende Sammlung, die zumindest teilweise regelmäßig als Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich ist, gemeinnützigen Zwecken dient und keine kommerzielle Struktur oder Funktion hat.
2. Ein Museum muß eine fachbezogene (etwa kulturhistorische, historische, naturkundliche, geographische) Konzeption aufweisen.
3. Ein Museum muß fachlich geleitet, seine Objektsammlung muß fachmännisch betreut werden und wissenschaftlich ausgewertet werden können.
4. Die Schausammlung des Museums muß eine eindeutige Bildungsfunktion besitzen.
5. Nicht als Museum werden angesehen: Konzeptionslose Ansammlungen verschiedenartiger Objekte ohne fachbezogenen Hintergrund. Gleichartige Objektansammlungen ohne fachbezogenen Hintergrund oder ohne Bildungsfunktion (z.B. Bierdeckelsammlungen). Fachbezogene, aber nicht zuletzt einem kommerziellen Zweck dienende Verkaufsschauen (auch wenn sie aus heute nicht mehr gebräuchlichen oder auf dem allgemeinen Markt erhältlichen Objekten bestehen). Rein didaktischen oder informativen Zwecken dienende Ausstellungen ohne Sammlung als fachbezogener Hintergrund und ohne fachliche oder wissenschaftliche Betreuung bzw. Bearbeitung der Objekte. Rein wissenschaftliche Sammlungen, die nicht regelmäßig der Öffentlichkeit zur Besichtigung zugänglich sind.“
Dass auch diese Definition Probleme aufwerfen konnte, sah selbst der Deutsche Museumsbund. Sie war also weniger ein endgültiger Schlusspunkt als vielmehr ein Versuch, den Begriff Museum fachlich einzugrenzen.
Inzwischen steht beim Deutschen Museumsbund allerdings weniger eine eigene neue Museumsdefinition im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage, welche Standards professionelle Museumsarbeit erfüllen sollte. 2023 veröffentlichte der Museumsbund den Leitfaden „Standards für Museen“. Dieser versteht sich ausdrücklich nicht als Museumsdefinition, sondern als Angebot und Empfehlung in Ergänzung zur ICOM-Museumsdefinition. Im Mittelpunkt stehen typische Arbeitsbereiche wie Managen, Forschen, Sammeln, Dokumentieren, Bewahren, Bilden und Vermitteln, aber auch Grundwerte und überprüfbare Kriterien für eine zukunftsfähige Museumsarbeit.
Damit wird auch eins ganz klar: Nicht alles, was sich Museum nennt, arbeitet automatisch wie ein Museum. Entscheidend ist nicht allein das Schild an der Tür, sondern die Frage, ob gesammelt, bewahrt, dokumentiert, geforscht, vermittelt und für die Öffentlichkeit gearbeitet wird.
#Museumsdefinition – die Suche nach einer neuen Definition
Von Kyoto nach Prag
2007 war es, als das ICOM, das International Council of Museums eine internationale Museumsdefinition aus der Taufe hob. Diese Definition lautete:
„A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.“
Sie schien die Schwerpunkte nicht mehr so zu setzen, wie viele Museen und Museumsfachleute es für die Gegenwart für notwendig hielten — und so begann das Unvermeidliche: die Diskussion um eine neue Museumsdefinition. Einen ersten großen Höhepunkt fand diese Diskussion im Jahr 2019 in Kyoto. Dort fand die Generalkonferenz von ICOM statt — und es wurde diskutiert. Der damalige Vorschlag war deutlich politischer und gesellschaftlicher formuliert als die Definition von 2007:
„Museums are democratising, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artefacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people. „
Das Ergebnis der Diskussion las sich dann auf der Website von ICOM-Deutschland wie folgt:
„In Kyoto wurde intensiv über die neue Museumsdefinition diskutiert – die geplante Verabschiedung der vorliegenden Neuformulierung somit zugunsten einer weiteren Meinungsbildung zurückgestellt. ICOM Deutschland fordert, grundlegende Begriffe zur Charakterisierung von Museen wieder aufzunehmen, und begrüßt die weitere konstruktive Auseinandersetzung. […]
Für uns fehl(t)en in der neuen Definition einfach grundlegende Begriffe, die ein Museum verkörpern. Wir haben nach langen Diskussionen vor und während all der Tage in Kyoto – wahrlich in der Hitze und Schwüle der Tage (32 Grad und plus, 80% Luftfeuchtigkeit) – die kontroverse Debatte in der General Assembly geführt, sicherlich dergestalt wie ICOM sie bisher noch nicht erlebt hat. Das Votum fiel dann jedoch eindeutig aus, denn über 70% sprachen sich für eine Überarbeitung bis zur nächstmöglichen Generalkonferenz aus.
Es ist eine neue Chance zu überdenken, was Museen heute eint, was sie international verbindet und was als gesellschaftlicher Konsens über alle politischen, religiösen und humanistischen Modelle hinaus verstanden wird.“
Sie ging also weiter, die Diskussion darüber, was ein Museum heute ist, wofür es steht und vor allem auch in welche Richtung es sich in Zukunft entwickeln soll.
Die Heftigkeit der Diskussion um eine neue und zeitgemäße Definition des Begriffs Museum mag so manche:n überraschen. Aber sie zeigt sehr schön, dass Museen eben nicht nur Häuser voller Dinge sind, sondern Institutionen, an denen gesellschaftliche Erwartungen hängen.
Und die Diskussion fand auch ihren Niederschlag in den Feuilletons diverser Zeitungen. FAZ.net berichtete am 3. Februar 2020 über ein Streitgespräch, das im Jüdischen Museum Berlin zwischen Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsens und Mitglied des Weltvorstands von ICOM, und Markus Walz, Professor für Museumskunde in Leipzig und Vorstandsmitglied des deutschen Vereins stattfand und das offenbar auch nicht wirklich zu einem Konsens führte.
Und tatsächlich: Die Diskussion ging weiter. Drei Jahre nach Kyoto wurde auf der außerordentlichen Generalversammlung von ICOM in Prag am 24. August 2022 eine neue Museumsdefinition verabschiedet. Die Zustimmung war deutlich: 92,41 Prozent stimmten für den Vorschlag. Damit war die Suche nach einer neuen Definition zumindest vorläufig an einem Ziel angekommen.
Die neue Definition lautet in der offiziellen deutschen Übersetzung:
„Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die materielles und immaterielles Erbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Öffentlich zugänglich, barrierefrei und inklusiv, fördern Museen Diversität und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommunizieren ethisch, professionell und partizipativ mit Communities. Museen ermöglichen vielfältige Erfahrungen hinsichtlich Bildung, Freude, Reflexion und Wissensaustausch.“
https://icom-deutschland.de/netzwerk/museumsdefinition/
Eine Frage, die in der Definitionsdebatte ebenfalls immer wieder mitschwingt, ist die nach dem digitalen oder virtuellen Museum.
Bernd Günter plädierte bereits 2018 auf der Abschlusstagung zur Ausstellung „Schöne neue Welten“ im Zeppelin-Museum Friedrichshafen dafür, auch virtuelle Museen mit in die Definition aufzunehmen. In seinem Beitrag „Virtual Reality und der Weg zum virtuellen Museum. Illusion, Chance oder gar Notwendigkeit?“ kam er zu folgendem Ergebnis: „Die Frage, ob ein virtuelles Museum die fünf ICOM-Ziele erfüllen kann, ist nach meiner Auffassung eindeutig mit ‚Ja‘ zu beantworten.“
Dass diese Frage nicht einfach eine technische Spielerei ist, sondern die Museumswelt tatsächlich beschäftigt, zeigte sich auch in den folgenden Jahren. Gemeinsam mit Bernd Günter und weiteren Kolleg:innen habe ich 2024 im Deutschen Kunstverlag die Publikation „Virtuelle Museen – Ein Plädoyer. Rund um die Uhr. Rund um die Welt“ veröffentlicht. Unterstützt wurde sie von AVICOM, dem internationalen ICOM-Fachkomitee für audiovisuelle Medien, neue Technologien und Social Media. Im Mittelpunkt steht darin die Frage, ob und wie virtuelle Museen als eigenständige museale Form gedacht werden können — und nicht nur als digitale Kopie eines analogen Museums.
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Eine weitere interessante Perspektive auf Museen stammt aus dem Jahr 1990 vom damaligen Kreisdirektor und Kulturdezernenten des Kreises Unna, Otto Krabs. Er sah Museen und kulturelle Einrichtungen als Produktionsstätten — und damit als Orte, die weit mehr leisten als nur Dinge zu zeigen. Er forderte daher:
Kulturelle Einrichtungen können als Produktionsstätten betrachtet werden, die zahlreiche externe Effekte auslösen und es wäre mehr als wünschenswert, wenn dieser Sachverhalt von der Politik, von der Wirtschaft, von der Administration akzeptiert und in konkretes Handeln, besser in konkludentes Handeln umgesetzt würde.
Mehr dazu im Beitrag „Museen und Kultureinrichtungen — bedrohte Produktionsstätten?“
Das klingt vielleicht zunächst etwas trocken, ist aber ein wichtiger Gedanke: Museen kosten nicht nur Geld. Sie erzeugen auch Wirkung — kulturell, gesellschaftlich, touristisch, wirtschaftlich und nicht zuletzt bildungspolitisch. Mehr zu dieser Thematik finden Sie hier auf dem Blog in der Rubrik „Standortfaktor Kultur“.
Welche Arten von Museen gibt es?
Spätestens die vorangegangenen Definitionen und Definitionsversuche zeigen, wie vielfältig Museen sind — und wie viele unterschiedliche Arten von Museen es gibt bzw. geben kann. Da sind etwa kulturhistorische, historische, naturkundliche, technische, literarische, archäologische oder auch ganz spezielle thematische Museen.
Das Institut für Museumsforschung, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört, unterscheidet in seiner statistischen Gesamterhebung weiterhin neun verschiedene Museumsarten. Für das Jahr 2023 wurden 6.781 Museen angeschrieben; die Einteilung zeigt sehr schön, wie breit die deutsche Museumslandschaft tatsächlich ist.
Orts- und regionalgeschichtliche Museen / Museen zur Europäischen Ethnologie:
Diese Museen beschäftigen sich mit Orts- und Regionalgeschichte, Alltagskultur, Lebensweisen, Handwerk, Landwirtschaft, Mühlen, Bauernhäusern und vielem mehr. Früher hätte man hier oft von Volkskunde- und Heimatkundemuseen gesprochen. Heute ist die Bezeichnung meist etwas weiter gefasst — und das ist auch gut so, denn „Heimat“ ist schließlich kein ganz einfacher Begriff.
Kunstmuseen:
Hier findet sich Kunst in all ihren Facetten: von Kirchenschätzen und sakraler Kunst über Gemälde, Skulpturen, Grafik und Fotografie bis hin zu Medienkunst, Film und zeitgenössischen Positionen.
Designmuseen:
Designmuseen erscheinen in der IfM-Systematik nicht als eigene der neun Hauptgruppen, sondern werden eher im Umfeld von Kunst, Kulturgeschichte oder Spezialmuseen mitgedacht.
Diese Museen widmen sich Design, Architektur, Kunsthandwerk, Keramik, Glas, Mode, Produktgestaltung oder auch Alltagsobjekten, die oft erst auf den zweiten Blick zeigen, wie viel Gestaltung in ihnen steckt.

Schloss- und Burgmuseen:
Ein Museum, das sich in einem Schloss oder einer Burg befindet, beschäftigt sich — das versteht sich fast von selbst — oft zunächst einmal mit der Geschichte dieses Gebäudes. Das gilt auch für viele Klostermuseen, die ebenfalls in diese Rubrik gehören.
Oftmals findet sich in diesen Museen über Jahrhunderte hinweg erhaltenes Inventar und (gerade in Klöstern) auch historische Bibliotheken. Ein schönes Beispiel für ein solches Museum ist etwa Schloss Benrath in Düsseldorf. Wobei man hier auch schon von einem Museumskomplex sprechen könnte, denn in den Seitenflügeln des Schlosses finden sich auch ein Naturkundemuseum und ein Museum für Gartenkunst. Klassischer ist da tatsächlich etwa Schloss Weilburg, denn hier geht es wirklich nur um die Geschichte des Schlosses und der Familie Nassau.
Naturkundliche Museen:
Die Themen naturkundlicher Museen sind so vielfältig wie die Naturkunde selbst. Sie reichen von Zoologie und Botanik über Geowissenschaften, Paläontologie und Naturgeschichte bis hin zu Fragen von Biodiversität, Klima, Artensterben und dem Verhältnis von Mensch und Natur.
Naturwissenschaftliche und technische Museen:
Ebenfalls ausgesprochen vielfältig ist das Themenspektrum naturwissenschaftlicher und technischer Museen. Von Technik allgemein über Verkehr, Bergbau, Hüttenwesen, Chemie, Physik, Astronomie, Technikgeschichte, Humanmedizin, Pharmazie und Industriegeschichte bis hin zu Digitalisierung, Raumfahrt, Energie und Künstlicher Intelligenz kann hier alles vertreten sein.
Zum Bereich der technischen Museen zählen selbstredend auch die sogenannten Industriemuseen, wie etwa Haus Cromford in Ratingen, die älteste Baumwollspinnerei auf dem europäischen Kontinent.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Historische und archäologische Museen:
Die historischen und archäologischen Museen nehmen einen großen Stellenwert unter den deutschen Museen ein. Ihre Themengebiete umfassen die allgemeine Historie, die weniger auf einen konkreten Ort bezogen ist, über Archäologische Fundstätten bis hin zur Gedenkstättenarbeit. Auch Museen, die sich mit speziellen Personen oder Personenkreisen oder Militaria beschäftigen fallen in diese Kategorie. Ein gutes Beispiel für ein solches archäologisches Museum ist die Keltenwelt am Glauberg. Am Archäologischen Park Xanten und dem dazugehörigen Römermuseum kann man erkennen welche Möglichkeiten und Dimensionen ein solches archäologisch-historisches Museum haben kann.
Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang übrigens das Römerkastell Saalburg in der Nähe von Bad Homburg v. d. Höhe, das sozusagen die „Mutter“ aller Römerkastelle ist.
Nach diesen Beispielen für archäologische Museen sollen nun aber auch noch einige Beispiele für historische Museen genannt werden, vor allem für historische Museen, die sich mit einer speziellen Person beschäftigen: Beispiele hierfür sind etwa das Goethe-Museum in Düsseldorf oder das Lottehaus in Wetzlar. Als ganz besonders kuriosen Spezialfall ist eines der kleinsten Museen Deutschlands anzusehen, das sich ebenfalls in Wetzlar befindet: das Jerusalemhaus.
Sammelmuseen mit komplexen Beständen:
Als „Sammelmuseen mit komplexen Beständen“ werden Museen bezeichnet, deren Inhalte ausgesprochen vielfältig sind und die sich nicht nur einem einzigen Sammlungsschwerpunkt widmen.
Als einen klassischen Vertreter der Kategorie „Sammelmuseum“ kann man zum Beispiel das LVR-Landesmuseum in Bonn betrachten, dessen Dauerausstellung von archäologischen Funden bis hin zu einer Kunstsammlung so ziemlich alles umfasst.
Auch kleinere Museen, wie etwa das Wetterau-Museum in Friedberg sind oftmals Sammelmuseen, insbesondere, wenn ihre Anfänge in einem historischen Verein begründet sind. Im Wetterau-Museum etwa reicht die Palette über archäologische Funde der Bronzezeit, Kelten und Römer über Landwirtschaft und Kolonialwaren bis zu Elvis Presley und Moderner Kunst.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Kulturgeschichtliche Spezialmuseen:
Diese Museen widmen sich einem ganz speziellen Bereich der Kulturgeschichte — und gerade deshalb sind sie oft besonders spannend.
Solch spezielle Bereiche können die Religions- und Kirchengeschichte sein, aber auch die Völkerkunde oder spezielle Sammlungsthemen wie Spielzeug, Musikinstrumente. Auch Museen zu den Themengebieten Brauereiwesen und Weinbau oder Literaturgeschichte und Feuerwehr fallen in diese Kategorie.
Ein schönes Beispiel für ein solches Spezialmuseum, das aber irgendwie auch ein klein wenig ein Technikmuseum ist, ist das Deutsche Uhrenmuseum Furtwangen.
An diesem Beispiel sieht man bereits, dass die Übergänge zwischen den einzelnen Museumstypen durchaus fließend sind. Denn auch die Häuser, wie etwa das Goethe-Museum in Düsseldorf, sind natürlich auch Spezialmuseen, ebenso wie auch das Chamisso-Museum.
Mehrere Museen in einem Museumskomplex:
Als Museumskomplex bezeichnet die Museumswissenschaft mehrere Museen mit unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten, die im selben Gebäude, auf demselben Gelände oder in direkt angrenzenden Gebäuden untergebracht sind.
Als Beispiel ganz spezieller Form kann man hier wohl das Museumszentrum Burg Linn nennen: hier sind Schloss-, Burg– und archäologisches Museum vereint und das alles noch kombiniert mit wundervollen Spezialsammlungen etwa zum Thema Musik und Musikinstrumente.
Virtuelle oder digitale Museen
Die Digitalisierung hat den Museen völlig neue Möglichkeiten eröffnet — und dazu gehören auch virtuelle bzw. digitale Museen. Ihr großer Vorteil: Sie können jederzeit und ortsunabhängig besucht werden, denn sie existieren im Netz.
Solch virtuelle bzw. digitale Museen bieten sich zum Beispiel an, wenn keine Möglichkeit besteht einen adäquaten Raum, das nötige Geld und Personal für ein analoges Museum bereitzustellen. Wobei auch virtuelle Museen Geld kosten — und zwar nicht nur in der Erstellung, sondern auch in Pflege, Weiterentwicklung, Technik, Vermittlung und Sichtbarkeit.
Bernd Günter lieferte in seinem Vortrag „Virtual Reality und der Weg zum virtuellen Museum. Illusion, Chance oder gar Notwendigkeit?“ eine sehr gute Definition für den Begriff „virtuelles Museum“ und grenzte ihn auch gleich deutlich vom „digitalen Museum“ ab. Zudem plädierte er dafür, virtuelle Museen auch in der ICOM-Definition für den Begriff „Museum“ mitzudenken.
Mehr zum Thema findet sich hier auf dem Blog im Beitrag „Kulturvermittlung digital und OpenGLAM“ — und inzwischen auch in der Publikation „Virtuelle Museen“, die ich 2024 gemeinsam mit Bernd Günter und weiteren Kolleg:innen im Deutschen Kunstverlag veröffentlicht habe. In dieser Handreichung geht es genau um die Frage, was virtuelle Museen leisten können, wann sie sinnvoll sind und warum sie eben nicht einfach nur eine digitale Kopie eines analogen Museums sein sollten. Ein virtuelles Museum kann vielmehr eine eigene museale Form sein: rund um die Uhr zugänglich, weltweit erreichbar und mit Möglichkeiten, die ein analoger Ausstellungsraum so nicht bieten kann.
Wann und in welchen Fällen digitale bzw. virtuelle Museen Sinn ergeben, hat Bernd Günter bereits in diesem Vortrag in insgesamt acht Thesen beschrieben. Viele dieser Überlegungen sind auch für die spätere Publikation „Virtuelle Museen“ grundlegend geblieben:
- Inhalte und Themen, die abstrakt und / oder intangibel sind, z. B. das Thema Zeit […]
- Eine Organisation oder Institution besitzt kein Gebäude für ihre Objekte, Sammlungen, Ausstellungen u.a. Inhalte und wird voraussichtlich in absehbarer zeit keines bauen bzw. besitzen können […]
- Fälle, in denen Exponate und Ausstellungen aus konservatorischen Gründen oder aus Sicherheitsgründen nicht physisch präsentiert werden können. Dazu zählt auch die Sicherung gefährdeter Objekte
- Rekonstruktion historischer Orte und deren Umgebungen auf der Basis historischer oder archäologischer, paläontologischer Sachverhalte und Dokumente
- Fälle, in denen die Zielsetzung besteht, eine komplette Sammlung und das gesamte verfügbare Material bzw. Exponate zu präsentieren, also auch aus Depots
- Ein Museum versucht, Besucher*innen und andere Stakeholder […] überall / weltweit und zu jeder Zeit zu erreichen
- Spezialfall: „WebArt“; digitale Sammlungen, Ausstellungen mit digitalen Exponaten; digitale Neukompositionen […]
- Ermöglichung physisch nicht in Frage kommender Perspektiven
Gerade diese Punkte zeigen, warum virtuelle Museen nicht als Ersatzlösung missverstanden werden sollten. Natürlich können sie ein analoges Museum ergänzen. Sie können aber auch dort entstehen, wo ein analoges Museum gar nicht möglich wäre — oder wo digitale Räume schlicht andere Formen des Erzählens, Zeigens und Vermittelns erlauben. Genau deshalb lohnt es sich, virtuelle Museen nicht nur technisch, sondern wirklich museal zu denken.
FAZIT:
Wichtig ist allerdings: Solche Einteilungen sind hilfreich, aber sie sind nie ganz trennscharf. Viele Museen passen gleich in mehrere Kategorien. Ein Schlossmuseum kann zugleich ein Kunstmuseum sein, ein Industriemuseum ist oft auch ein Technikmuseum und ein archäologisches Museum erzählt fast immer auch Geschichte. Die Kategorien helfen also bei der Orientierung — sie ersetzen aber nicht den Blick auf das einzelne Haus.
Kurz gesagt: Zu den wichtigsten Arten von Museen gehören orts- und regionalgeschichtliche Museen, Kunstmuseen, Schloss- und Burgmuseen, Naturkundemuseen, naturwissenschaftliche und technische Museen, historische und archäologische Museen, Sammelmuseen, kulturgeschichtliche Spezialmuseen und Museumskomplexe. Dazu kommen weitere Formen wie Designmuseen, Kindermuseen, Erlebnismuseen sowie digitale und virtuelle Museen.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Geschichte des Museums
Auch wenn sich der Begriff „Museum“ vom altgriechischen „Museion“ ableitet, heißt das nicht, dass die Geschichte der Museen, wie wir sie heute verstehen, tatsächlich bis in die hellenistische Antike zurückreicht.
Museen, wie wir sie heute kennen, sind aus anderen und deutlich jüngeren Wurzeln entstanden.
Der Deutsche Museumsbund führt die Wurzeln der Museen, wie wir sie heute kennen, auf die Zeit der Renaissance zurück — also grob auf die Zeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert.
Früher hieß es auf der Website des Deutschen Museumsbundes zur Geschichte der Museen:
„Vorläufer heutiger Museumssammlungen sind die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance sowie die fürstlichen Sammlungen des Barock, in denen Objekte unterschiedlichster Herkunft und Zweckbestimmung gemeinsam präsentiert wurden. Als „theatrum mundi“ sollten die Gegenstände – Kunstwerke, Antiquitäten, Bücher, Naturalien, technische Geräte sowie auch Kuriositäten und Raritäten – den universalen Zusammenhang der Welt darstellen. Die Kunst- und Wunderkammern von Ferdinand II von Tirol (1529-1595) auf Schloss Ambras bei Innsbruck und von Kaiser Rudolf II (1576-1612) in Prag beispielsweise zählen noch heute zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art.
Die Naturwissenschaften – mit ihrer systematischen Betrachtungsweise und dem Messen und Verzeichnen von Objekten – bestimmten die ersten wissenschaftlichen Ordnungssysteme, nach denen diese naturwissenschaftlichen Sammlungen katalogisiert wurden. Während die fürstlichen Sammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts der höfischen Repräsentation und persönlichen Erbauung dienten, bildeten sich in der Zeit der Aufklärung auch bürgerliche Sammlungen heraus, wie z.B. die von August Hermann Franke (1663-1727) aus Halle, die in erster Linie zu Unterrichtszwecken herangezogen wurden. Kunst- und Wunderkammern sind heute in Form von Staatssammlungen oder als Grundstock städtischer oder privater Sammlungen erhalten.
Zu den ersten öffentlichen Museen in Europa zählen das British Museum in London (eröffnet 1753) und das Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig (1754). Die älteste eigens für diesen Zweck errichtete Museumsarchitektur in Europa ist das 1779 eröffnete Museum Friedericianum in Kassel.
Während es sich bei den Sammlungen der frühen Museen (Darmstadt, Dresden, Karlsruhe, München, Stuttgart) noch um Bestände aus feudalen Kunstkammern handelte, kam es im 19. Jahrhundert in vielen Städten zu bürgerlichen Museumsneugründungen (Bremen, Frankfurt a.M., Hamburg). Im weiteren Verlauf der Museumsgeschichte entstand eine Vielfalt auf unterschiedliche Gattungen spezialisierte Museen.“
Man sieht daran: Die Geschichte des Museums ist keine geradlinige Entwicklung vom Musentempel zur modernen Ausstellungshalle. Sie ist vielmehr eine Geschichte des Sammelns, Ordnens, Forschens, Zeigens und Öffnens. Aus zunächst oft privaten, höfischen oder gelehrten Sammlungen wurden nach und nach öffentliche Institutionen — und damit Orte, an denen Wissen nicht nur bewahrt, sondern auch geteilt werden sollte.
Kurz gesagt: Die Geschichte des Museums im heutigen Sinne beginnt nicht in der Antike, sondern vor allem mit den Kunst- und Wunderkammern der Renaissance und den fürstlichen Sammlungen des Barock. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten sich daraus zunehmend öffentliche Museen, die nicht nur repräsentieren, sondern sammeln, forschen, bilden und vermitteln sollten.
Was ist das größte Museum der Welt?
Das wohl größte Museum der Welt findet sich — und das ist vielleicht keine allzu große Überraschung — in China. Das National Museum of China in Peking wurde bis 2011 umfangreich renoviert und erweitert. Seither verfügt es über eine Fläche von rund 192.000 Quadratmetern — eine beinahe unglaubliche Zahl! Allein für die Besichtigung des Museums sollte man also einen kompletten Urlaub einplanen — oder sich auf kleinere Themengebiete fokussieren.
Das Nationalmuseum befindet sich in Peking in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tiananmen-Platz. Einer Statistik aus dem Jahr 2016 zufolge zog es damals 7,5 Millionen Besucher:innen an und zählte damit auch zu den meistbesuchten Museen der Welt.
Übrigens: Für den Um- und Ausbau des Museums zu einem derart riesigen Musentempel zeichnete das Hamburger Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner verantwortlich. Die erste Ausstellung, die hier am 1. April 2011 eröffnet wurde, trug den Titel „Kunst der Aufklärung“ und wurde maßgeblich aus Deutschland vorbereitet und auch teilweise finanziert. Vorbereitet wurde die Ausstellung nämlich vom damaligen Dresdner Museumsdirektor Martin Roth, der später als Direktor an das Londoner Victoria and Albert Museum ging. Viele der Leihgaben stammten aus den Staatlichen Museen zu Berlin, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München.
Ganz eindeutig ist die Antwort auf die Frage nach dem größten Museum der Welt allerdings nicht. Das National Museum of China gilt vor allem mit Blick auf seine Gebäudefläche als größtes Museum. Fragt man dagegen nach dem größten Kunstmuseum der Welt oder nach der Gesamtfläche eines Museumsareals, landet man sehr schnell beim Louvre in Paris.
Kurz gesagt: Als größtes Museum der Welt wird häufig das National Museum of China in Peking genannt. Es verfügt seit seiner Erweiterung über rund 192.000 Quadratmeter Fläche. Der Louvre in Paris gilt dagegen als größtes Kunstmuseum der Welt.
Welches ist das meistbesuchte Museum der Welt?
Das meistbesuchte Museum der Welt ist — und bleibt wohl auch noch eine Weile — der Louvre in Paris! Allerdings ist der Abstand zu anderen großen Häusern nicht mehr ganz so selbstverständlich, wie er vielleicht einmal schien — und auch chinesische Museen spielen in den internationalen Besucher:innenrankings inzwischen eine immer größere Rolle.
Die Top Ten verändern sich allerdings von Jahr zu Jahr und hängen auch davon ab, welche Häuser in welchem Ranking berücksichtigt werden. In aktuellen internationalen Übersichten finden sich neben dem Louvre unter anderem das National Museum of China in Peking, die Vatikanischen Museen, das British Museum, das Natural History Museum in London, das Metropolitan Museum of Art in New York und mehrere große chinesische Museen.
Der Louvre kam 2024 auf 8,7 Millionen Besucher:innen. Das ist etwas weniger als 2023, aber noch immer eine Zahl, bei der man sich fragt, wie viel Museum ein Museum eigentlich aushalten kann. Denn Besucher:innenrekorde sind nicht nur Erfolgsmeldungen, sondern auch eine Belastungsfrage.
Wer auf den internationalen Listen der meistbesuchten Museen nach einem deutschen Museum sucht, sucht meistens vergebens. Deutsche Museen sind international bedeutend, aber bei den ganz großen Besucher:innenzahlen spielen andere Häuser in Paris, London, Rom, New York, Peking oder Seoul meist in einer anderen Liga. Auch österreichische Museen tauchen in solchen weltweiten Spitzenlisten meist nicht ganz oben auf — was allerdings wenig über ihre Qualität aussagt.
Wichtig ist dabei: Besucher:innenzahlen sagen viel über Bekanntheit, Tourismus, Lage, Eintrittspreise, Sonderausstellungen und internationale Reiserouten aus — aber nicht automatisch über die Qualität eines Museums. Ein kleines Stadtmuseum kann hervorragende Arbeit leisten und trotzdem nie in einer weltweiten Top-Ten-Liste auftauchen.
Am Louvre zeigt sich außerdem sehr deutlich, dass hohe Besucher:innenzahlen nicht nur ein Erfolg sind. Sie bringen auch Probleme mit sich: lange Warteschlangen, überfüllte Räume, schwierige Besucher:innenlenkung und die Frage, wie ein Museum seine Sammlung, seine Mitarbeiter:innen und seine Besucher:innen gleichermaßen schützen kann.
Kurz gesagt: Das meistbesuchte Museum der Welt ist der Louvre in Paris. Im Jahr 2024 besuchten ihn rund 8,7 Millionen Menschen. Damit lag er erneut an der Spitze internationaler Museumsrankings.
Museen in Deutschland – Wie viele Museen gibt es in Deutschland?
Laut der Statistischen Gesamterhebung des Instituts für Museumsforschung wurden für das Jahr 2023 insgesamt 6.781 Museen in Deutschland angeschrieben. Für 2023 meldeten die Museen zusammen 100.941.079 Besuche. Hinzu kamen Ausstellungshäuser, also Häuser, die Ausstellungen zeigen, ohne eigene Sammlung zu besitzen. Zusammen verzeichneten Museen und Ausstellungshäuser 2023 rund 106 Millionen Besuche.
Das Bundesland mit den meisten Museen ist traditionell Bayern, dicht gefolgt von Baden-Württemberg. Auch Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehören zu den museumsreichen Bundesländern, wenn auch mit deutlichem Abstand zu Bayern und Baden-Württemberg. Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Brandenburg zeigen ebenfalls, dass die Museumslandschaft in Deutschland nicht nur von den großen Flächenländern im Süden geprägt wird. Auch kleinere Bundesländer und ostdeutsche Flächenländer verfügen über eine erstaunlich dichte Museumslandschaft — nur eben mit anderen Größenordnungen. Bei den Stadtstaaten und kleineren Bundesländern muss man ohnehin vorsichtig vergleichen: Die absolute Zahl der Museen sagt wenig aus, wenn Fläche, Einwohner:innenzahl, Tourismus und Museumsdichte nicht mitgedacht werden.
Wer sich für eine detaillierte Aufschlüsselung interessiert, sollte einen Blick in die aktuellen Zahlen des Instituts für Museumsforschung werfen. Dort finden sich nicht nur Besuchszahlen, sondern auch Angaben zu Museumsarten, Bundesländern, Trägerschaften, Öffnungszeiten und Eintrittspreisen. Eine gute Informationsquelle stellt auch der Wikipedia-Artikel „Museen in Deutschland“ dar.
Damit haben sich die Besuchszahlen nach den Pandemiejahren deutlich erholt. 2023 meldeten die Museen rund 19,6 Millionen Besuche mehr als 2022. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung um 24 Prozent.
Kurz gesagt: In Deutschland gibt es rund 6.800 Museen. Für das Jahr 2023 wurden vom Institut für Museumsforschung 6.781 Museen angeschrieben; diese meldeten zusammen rund 100,9 Millionen Besuche. Zusammen mit Ausstellungshäusern kamen Museen und Ausstellungshäuser in Deutschland 2023 auf rund 106 Millionen Besuche.
Bedeutende Kunstmuseen in Deutschland
Beim Wort Museum denken tatsächlich viele Menschen zunächst an Kunstmuseen — und davon gibt es in Deutschland sehr viele. Wie gesehen ist auch das besucherstärkste Museum der Welt — der Louvre in Paris — tatsächlich ein Kunstmuseum. Aber auch in Deutschland gibt es zahlreiche hervorragende und bedeutende Kunstmuseen.
Schaut man sich im Internet, in Museumsführern oder auf Bewertungsplattformen um, findet man zahlreiche Kunstmuseen, die als bedeutend und besonders sehenswert gelten. An dieser Stelle seien einige von ihnen genannt, wobei die Liste weder eine Wertung noch ein Ranking darstellen soll:
- Neue Nationalgalerie Berlin: Schon das Gebäude selbst kann als Kunst durchgehen. Es wurde von Ludwig Mies van der Rohe entworfen und nach mehrjähriger Sanierung 2021 wiedereröffnet. Die Sammlung umfasst vor allem Kunst des 20. Jahrhunderts.
- Alte Nationalgalerie Berlin: Wer es nicht ganz so mit Moderner Kunst hat, sondern es lieber etwas älter mag, ist in der Alten Nationalgalerie gut aufgehoben. Hier finden sich vor allem Werke des 19. Jahrhunderts.
- In Potsdam macht das Museum Barberini immer wieder von sich reden. Hier findet sich Kunst von den Alten Meistern bis hin zur zeitgenössischen Kunst, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Impressionismus.
- Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln zählt zu den bekanntesten deutschen Kunstmuseen. Geschaffen hat die Sammlung Ferdinand Franz Wallraf. Geschaffen hat die Sammlung Ferdinand Franz Wallraf. Sie umfasst Gemälde, Druckgrafik und Zeichnungen aus dem Europa des 13. bis 20. Jahrhunderts.
- Ist man gerade in Köln, dann sollte man auch beim Museum Ludwig vorbeischauen.Hier findet sich eine der bedeutendsten Pop-Art-Sammlungen Europas und eine große Picasso-Sammlung. Ergänzt wird die Sammlung durch zahlreiche Werke des deutschen Expressionismus, der russischen Avantgarde und eine Sammlung zur Geschichte der Fotografie.
- Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden ist vor allem auf die Kunstgeschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts spezialisiert. Renaissance, Barock und niederländische Malerei sind hier besonders stark vertreten. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde die Gemäldegalerie 2020 wiedereröffnet.
- Das „Städel Museum“ in Frankfurt am Main existiert seit 1815 und wurde von Johann Friedrich Städel gegründet. Heute gilt das Städel als eine der ältesten und renommiertesten Museumsstiftungen in Deutschland. 700 Jahre europäische Kunstgeschichte sind hier unter einem Dach vereint.
- Die Alte Pinakothek in München beherbergt „Alte Meister“ vom 14. bis zum 18. Jahrhundert. Die Sammlung, die auf die bayerischen Kurfürsten zurückgeht, basiert in Teilen auch auf der alten Kunstsammlung der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg in Düsseldorf.
- Neben der Alten gibt es in München auch die Neue Pinakothek. Sie ist wegen einer grundlegenden Sanierung weiterhin geschlossen; eine Auswahl von Hauptwerken des 19. Jahrhunderts wird während der Schließung in der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack gezeigt.
- Ebenfalls in München ist das Lenbachhaus. Die Sammlungsschwerpunkte dieses Museums liegen auf der Kunst des 19. Jahrhunderts, dem Blauen Reiter und der Neuen Sachlichkeit, ergänzt durch internationale Gegenwartskunst.
- In Stuttgart findet sich die Alte Staatsgalerie, deren ältere Sammlung bis in das Jahr 1843 zurückreicht. Das Hauptaugenmerk liegt hier unter anderem auf Kunst vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
- Wen wundert es: in Stuttgart gibt es auch eine Neue Staatsgalerie. Hier steht vor allem die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Mittelpunkt.
- In Essen macht seit Jahren das Museum Folkwang von sich reden. Die umfassende Sammlung des Museums kann man – zumindest teilweise – vor einem Besuch auch schon online erkunden!
Natürlich ließe sich diese Liste noch lange fortsetzen. Deutschland hat mit der Hamburger Kunsthalle, der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, dem Sprengel Museum Hannover, dem Museum Brandhorst in München, der Kunsthalle Mannheim oder dem Museum Wiesbaden noch zahlreiche weitere Kunstmuseen, die einen Besuch mehr als lohnen.
Und auch hier gilt: Bedeutung lässt sich nicht nur an Besucher:innenzahlen messen. Manche Kunstmuseen sind wegen ihrer Architektur berühmt, andere wegen einzelner Schlüsselwerke, wieder andere wegen ihrer Sammlungsgeschichte, ihrer Forschung, ihrer Vermittlung oder ihrer Sonderausstellungen.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Private Museen in Deutschland
„Ein Privatmuseum ist eine Sammlung zu einem meist sehr begrenzten Thema und wird von einzelnen Liebhabern, Sammlern und Vereinen betrieben. Im Gegensatz zu einem staatlichen bzw. öffentlichen Museum ist eine wissenschaftliche Begleitung und systematische Dokumentation nicht immer gewährleistet. Daher haben Privatmuseen für die geschichtliche Forschung oft nur insofern eine Bedeutung, als sie die staatlichen Sammlungen ergänzen.“ heißt es zum Thema „Private Museen in Deutschland“ bei Wikipedia. Und sicher ist an dieser Einschätzung etwas dran — aber sie trifft eben längst nicht auf alle privaten Museen zu. Zumal eine solche Definition nur auf einen Teil der privaten Museumslandschaft schaut und vor allem die vielen privaten Kunstmuseen, Stiftungsmuseen und Unternehmensmuseen ein wenig außer Acht lässt. Dabei gibt es gerade in diesem Bereich viele Häuser, die auf privaten Sammlungen oder Stiftungen beruhen und durchaus als private Museen gelten können — auch wenn sie teilweise staatliche oder kommunale Zuwendungen erhalten.
Außerdem sollte man immer eines im Blick behalten: Viele Themen fänden einfach nicht statt, und ihre Geschichte — oder besser: ihre Geschichten — würden vergessen, gäbe es nicht private Museen, die sich ihrer annehmen. Da gibt es zum Beispiel das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg, das Hutmuseum in Nürnberg, das Frauenmuseum in Bonn und viele, viele andere Museen, bei denen sich der Besuch und die Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema durchaus lohnen.
Private Museen sind dabei ausgesprochen unterschiedlich. Manche entstehen aus der Leidenschaft einzelner Sammler:innen, andere aus Vereinen, Stiftungen oder Unternehmen. Einige arbeiten fast ausschließlich ehrenamtlich, andere verfügen über professionelle Teams, wissenschaftliche Betreuung und große Ausstellungsflächen. Genau deshalb ist „privat“ zunächst einmal nur eine Aussage über die Trägerschaft — nicht automatisch über die Qualität.
Besonders sichtbar ist das im Bereich der Kunst. Viele bedeutende Kunstmuseen gehen auf private Sammlungen, Stiftungen oder einzelne Mäzen:innen zurück. Man denke nur an Häuser wie das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, das Museum Barberini in Potsdam oder die Kunsthalle Weishaupt in Ulm. Sie zeigen, dass private Initiative in der Museumslandschaft nicht nur eine Ergänzung sein kann, sondern manchmal selbst prägend wird.
Kurz gesagt: Private Museen sind Museen, die nicht von der öffentlichen Hand, sondern von privaten Personen, Vereinen, Stiftungen oder Unternehmen getragen werden. Sie können kleine Spezialmuseen sein, aber auch große, professionell geführte Kunst- oder Unternehmensmuseen.
Einzigartige Museen in Deutschland
Wenn man mit „einzigartig“ vor allem ungewöhnlich meint, dann gibt es in Deutschland sehr viele einzigartige Museen, die sich zum Teil mit Themen beschäftigen, die man im ersten Moment nicht zwingend als „museal“ ansehen würde. Aber bei genauerer Betrachtung haben auch diese Museen durchaus ihre Berechtigung — und sei es nur deshalb, weil es dann doch erstaunlich viele Menschen gibt, die sich für dieses Thema interessieren.
Andererseits sollte man auch feststellen, dass im Grunde jedes Museum für sich genommen einzigartig ist. Denn jedes Museum hat Exponate, sprich Ausstellungsstücke, zu bieten, die es in genau dieser Zusammenstellung in keinem anderen Museum gibt. Und jedes Museum hat seine Sammlungen anders zusammengestellt, legt andere Schwerpunkte und wirft einen eigenen Blick auf Stücke, die im ersten Moment vielleicht ganz ähnlich aussehen. Das alles führt zur Einzigartigkeit jedes einzelnen Museums.
Aber bleiben wir bei der Einzigartigkeit im Sinne des Ungewöhnlichen und Besonderen: Dann kann in der Reihe dieser einzigartigen Museen in Deutschland sicherlich das Deutsche Hygiene Museum in Dresden genannt werden. Dort gibt es von Liebesbriefen bis hin zu Geburtsstühlen eine Menge Dinge zu sehen, die mit „Hygiene“ im weitesten Sinne zu tun haben. Einzigartig – zumindest in Deutschland – ist sicherlich auch das „Soul of Africa“ in Essen, wo sich vieles um Voodoo, Heilung und Magie in Westafrika dreht. Interessant und besonders – und das nicht nur für Pharmazeut:innen und der Medizin verhaftete Menschen – ist auch das Deutsche Apotheken-Museum in Heidelberg.
Aber es gibt auch einzigartige und ungewöhnliche Museen, die offenbar dann doch nicht vom Erfolg beseelt sind, so etwa das Deutsche Currywurst-Museum in Berlin, das seit Dezember 2018 geschlossen ist. Mit den Steuern sieht es übrigens nicht ganz anders aus: Auch das Deutsche Steuermuseum in Brühl hatte immer wieder mit seiner Unterbringung zu kämpfen, denn die Bundesfinanzakademie, die dem Museum Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, brauchte diese am Ende selbst.
Was es aber noch immer gibt, das ist ein ganz besonders süßes Museum, das sicher bei fast allen Besucher:innen – es sei denn sie sind gerade auf Diät – für gute Laune sorgt: das Schokoladenmuseum in Köln. Das ist übrigens ein privates Museum — und wer dort war, wird kaum übersehen haben, dass Lindt hier eine ziemlich sichtbare Rolle spielt.
Man könnte diese Liste natürlich noch lange fortsetzen: mit dem Deutschen Tapetenmuseum, dem Brotmuseum in Ulm, dem Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven, dem Deutschen Zusatzstoffmuseum in Hamburg oder all den kleinen Spezialmuseen, die sich einem Thema mit einer Hartnäckigkeit widmen, die man nur bewundern kann.
Wobei man eines nicht vergessen sollte: „einzigartig“ heißt nicht automatisch kurios. Ein Museum kann einzigartig sein, weil es ein ungewöhnliches Thema behandelt. Es kann aber auch einzigartig sein, weil es eine besondere Sammlung besitzt, an einem besonderen Ort steht oder eine Geschichte erzählt, die sonst kaum irgendwo erzählt wird.
Kurz gesagt: Einzigartige Museen in Deutschland sind nicht nur besonders ungewöhnliche Museen. Einzigartig kann ein Museum durch sein Thema, seine Sammlung, seinen Standort, seine Geschichte oder seine besondere Art der Vermittlung sein.

Spezialmuseen in Deutschland
Mit diesem letzten Beispiel zu den „einzigartigen Museen in Deutschland“ sind wir dann eigentlich auch schon beim Thema „Spezialmuseen in Deutschland“ angekommen. Denn im Regelfall sind besonders einzigartige und ungewöhnliche Museen auch gleich Spezialmuseen, da sie sich einem einzigen und oft sehr begrenzten Thema widmen. So etwa das oben bereits erwähnte Schokoladenmuseum Köln, ebenso wie das Soul of Africa Museum in Essen oder das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden. Erwähnen kann man in diesem Zusammenhang sicherlich auch das Bier- und Oktoberfestmuseum in München, ebenso wie diverse Karnevalsmuseen im Rheinland, etwa in Düsseldorf oder Köln.
Ganz anderer Natur – im wahrsten Sinne des Wortes – ist zum Beispiel das Bienenmuseum in Duisburg. Es besteht bereits seit 1952 und widmet sich der Geschichte der Imkerei, der Bienenforschung und der Umweltbildung.
Gerade an einem solchen Beispiel sieht man schön, dass Spezialmuseen keineswegs nur „kurios“ sein müssen. Sie können sehr konkrete Themen behandeln und zugleich Fragen berühren, die weit über das einzelne Sammlungsthema hinausgehen — in diesem Fall etwa Biodiversität, Artensterben, Landwirtschaft und Umweltbildung.
Wer sich eher für Sport interessiert, der dürfte mit dem Golfmuseum in Regensburg glücklich werden — oder mit dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.
Besonders häufig gibt es übrigens Automobilmuseen. Da hat im Grunde jede größere Marke ihr eigenes, und dazu kommen diverse Oldtimerfans und Oldtimerclubs, die ebenfalls größere oder kleinere Museen unterhalten. Auf Wikipedia gibt es eine durchaus beeindruckend lange Liste von Automuseen in Deutschland, für alle, die es genau wissen möchten.
Gerade Spezialmuseen zeigen, wie weit der Museumsbegriff tatsächlich reicht. Sie beschäftigen sich mit Dingen, die im großen kulturhistorischen Überblick oft nur am Rand vorkommen: mit Alltagsobjekten, Handwerken, Sportarten, Lebensmitteln, regionalen Bräuchen, technischen Entwicklungen oder ganz speziellen Sammler:innenleidenschaften. Und genau dadurch bewahren sie oft Wissen, das sonst schnell verschwinden würde.
Der Unterschied zu den „einzigartigen Museen“ ist dabei gar nicht immer sauber zu ziehen. Ein Spezialmuseum kann einzigartig sein, muss es aber nicht. Und ein einzigartiges Museum ist nicht automatisch ein Spezialmuseum. Die Übergänge sind — wie so oft in der Museumswelt — fließend.
Kurz gesagt: Spezialmuseen sind Museen, die sich einem bestimmten Thema, Objektbereich oder Ausschnitt der Kultur-, Natur-, Technik- oder Alltagsgeschichte widmen. Das können sehr große Häuser sein, aber auch kleine Museen zu Bienen, Hüten, Bier, Fußball, Autos, Schokolade oder Karneval.
Interaktive Museen, Erlebnismuseen und Museen für Kinder in Deutschland
Alltagsgeschichte vergangener Jahrhunderte greifbar nah erleben, in die Arbeitswelt der Menschen früherer Epochen eintauchen oder einfach durch ihre Straßen und Häuser streifen und sich zurückversetzt fühlen — irgendwie das Gefühl haben, eine Zeitreise zu machen und selbst in dieser vergangenen Zeit zu sein. Das ist wohl am ehesten das, was die meisten Menschen suchen, wenn sie ein Erlebnismuseum oder auch ein sogenanntes „interaktives Museum“ besuchen möchten..
Seit geraumer Zeit erleben solche Museen einen ungeheuren Aufschwung — nicht zuletzt, weil viele Besucher:innen heute mehr erwarten, als nur still vor einer Vitrine zu stehen. Das liegt sicher vor allem daran, dass man gerade Erlebnismuseen besonders gut mit Kindern besuchen kann. Denn sie müssen hier nicht still einfach nur Vitrinen oder Bilder anstarren, sondern können selbst aktiv werden, Dinge ausprobieren und Vergangenheit, Natur, Technik oder Kunst hautnah erleben.
Ein gutes Beispiel für ein Museum, in dem es richtig etwas zu erleben gab, war lange Zeit das Odysseum in Köln, das vielen als „Museum mit der Maus“ bekannt war. Auch beim Explorado muss man inzwischen genauer hinschauen: Solche Häuser und Konzepte verändern sich, ziehen um, schließen oder werden neu gedacht — gerade im Bereich der Kinder- und Erlebnismuseen ist die Museumslandschaft in Bewegung.
Übrigens: Es muss nicht immer ein spezielles Erlebnis- oder Mitmachmuseum sein, wenn man ein Museum sucht, in dem man etwas mitmachen und erleben kann. Auch viele „klassische“ Museen haben den Trend inzwischen erkannt und ihre Programme und Ausstellungen in dieser Hinsicht verändert. Empfehlenswert sind vor allem Archäologische Parks und Freilichtmuseen. Sie bieten im Grunde immer die Möglichkeit, Geschichte, Alltag und Handwerk ganz nah zu erleben und zu entdecken. Ein gutes Beispiel ist hier der Archäologische Park Xanten.
Und auch Museen, die auf den ersten Blick ganz klassisch und vielleicht sogar ein wenig langweilig anmuten, sind in Sachen Interaktion längst auf dem Vormarsch. Gute Beispiele fanden sich hier schon früh. Als Beispiel kann man hier sicherlich das Goethe-Museum in Düsseldorf mit seinem Faust-Labor nennen, wo man nicht nur die Experimente des Herrn Goethe nachmachen kann. Auch das LVR-Landesmuseum macht immer mehr in dieser Hinsicht. Gut sichtbar wurde dies bereits in der 2018/19 stattgefundenen Sonderausstellung „Ritter und Burgen – Zeitreise ins Mittelalter“.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Museen in Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen gehört zu den museumsreichen Bundesländern in Deutschland. In den bundesweiten Vergleichen liegt NRW traditionell weit vorn — auch wenn Bayern und Baden-Württemberg bei der reinen Anzahl der Museen meist noch darüber liegen. Gerade bei solchen Vergleichen muss man aber vorsichtig sein: Die absolute Zahl der Museen sagt noch wenig darüber aus, wie dicht, vielfältig oder gut erreichbar eine Museumslandschaft tatsächlich ist.
Die Bandbreite der Museen in Nordrhein-Westfalen ist enorm; das klang in den vorangegangenen Abschnitten ja auch bereits an. Sie reicht vom Schokoladenmuseum in Köln über das Bienenmuseum in Duisburg und das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund bis hin zu großen Archäologischen Parks, klassischen Landes- und Stadtmuseen und natürlich Kunstmuseen.
Dabei sind es nicht immer nur die großen und besonders bekannten Museen, die den Fokus auf sich lenken. Vielfach sind es kleinere Museen, die man vielleicht nicht sofort auf dem Schirm hat, die aber durch besondere Aktionen, kluge Vermittlung und viel Engagement auf sich aufmerksam machen.
Zu diesen vielleicht nicht ganz so bekannten, aber stets aktiven und innovativen Häusern zählen etwa das Goethe-Museum in Düsseldorf oder auch das Museumszentrum Burg Linn in Krefeld. Es ist erstaunlich, welchen Themen man sich hier widmet. Zu entdecken gibt es sowohl hier als auch da deutlich mehr, als der Name vermuten lässt.
So wie das Goethe-Museum und das Museums-Zentrum Burg Linn gibt es viele ausgesprochen innovative Museen in Nordrhein-Westfalen bei denen sich ein Besuch mehr als lohnt.
Gerade Nordrhein-Westfalen ist als Museumsland spannend, weil hier so unterschiedliche Geschichten nebeneinanderliegen: Industriekultur und Bergbau, Rhein und Ruhr, Römer und Mittelalter, Kunstsammlungen von internationalem Rang, Stadtgeschichte, Alltagskultur, Technik, Migration, Arbeit, Religion und natürlich jede Menge Spezialthemen.
Interessant ist auch ein Blick auf Sonderausstellungen: Für 2023 wies die NRW-Kulturstatistik 239 Museen aus, die zusammen 612 Sonderausstellungen anboten. Das zeigt sehr schön, dass Museen in NRW nicht nur Sammlungen bewahren, sondern laufend neue Themen setzen.
Viele dieser Häuser tauchen hier auf dem Blog immer wieder auf — mal mit Ausstellungsbesprechungen, mal mit Blick auf Digitalisierung, Vermittlung oder die Frage, welche Rolle Museen als Standortfaktor Kultur spielen.
Kurz gesagt: Nordrhein-Westfalen gehört zu den museumsreichsten Bundesländern Deutschlands. Die Museumslandschaft reicht von großen Kunst- und Landesmuseen über Industriemuseen, Archäologische Parks und Stadtmuseen bis hin zu kleinen Spezialmuseen.
Museen und Ausstellungen
Ausstellungen sind das Kerngeschäft von Museen — zumindest in Sachen Außenwirkung. Denn Museen dienen dazu, interessierten Menschen Kunst, Geschichte, Natur, Technik, Kultur und Wissen näherzubringen, sie darzustellen und zu erklären. Dazu gehört es, Objekte zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen, in einen Kontext zu stellen und sie der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Grundsätzlich unterscheidet man in Museen zwischen zwei großen Ausstellungsformen: Da gibt es zum einen die sogenannte „Dauerausstellung“. In dieser präsentiert das Museum in aller Regel einen Überblick über seine Sammlung oder seine Sammlungen. Bei historischen und auch archäologischen Museen sind dies meist chronologisch oder auch thematisch gegliederte Ausstellungsbereiche. Bei Kunstmuseen sieht das nicht wesentlich anders aus.

Zum anderen gibt es die sogenannten „Sonderausstellungen“. Diese finden in vielen Museen ein- bis mehrmals im Jahr statt und beschäftigen sich mit speziellen Themen. Dabei können dies Themen sein, die tatsächlich eng mit dem Museum, seinen Sammlungen und seinen Kernthemen verbunden sind, wie zum Beispiel die Ausstellung „Gelduba – Abenteuer Großgrabung“ im Museumszentrum Burg Linn in Krefeld. Schließlich ist das archäologische Museum in Krefeld einst vor allem ins Leben gerufen worden, um die Funde aus dem benachbarten „Gelduba“, dem heutigen Krefeld-Gellep, zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Andererseits gibt es auch Sonderausstellungen, die zu einem speziellen Thema erarbeitet wurden und nur am Rande mit dem Kerngeschäft des jeweiligen Museums zu tun haben. Für solche Ausstellungen tragen die entsprechenden Museen aus anderen Häusern Exponate zusammen, leihen sie aus und entwickeln daraus eine eigene, neue Ausstellung. Ein Beispiel für eine solche Sonderausstellung war etwa die Ausstellung „Pest!“ im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Eine besondere Form der Sonderausstellung sind sogenannte Wanderausstellungen. Diese werden zumeist von einem Verbund von Museen, von Stiftungen, Verlagen oder anderen Institutionen zusammengestellt und dann in ganz Deutschland, Europa oder sogar weltweit auf Reisen geschickt und an wechselnden Orten gezeigt. Ein gutes Beispiel für eine solche Wanderausstellung ist „Europa in Bewegung“, eine Ausstellung, die 2019 im LVR-LandesMuseum Bonn gezeigt wurde.
Vereinfacht gesagt: Die Dauerausstellung zeigt, wofür ein Museum grundsätzlich steht. Sonderausstellungen zeigen, welche Fragen, Themen oder Perspektiven ein Museum zusätzlich aufgreift — manchmal aus der eigenen Sammlung heraus, manchmal mit Leihgaben aus anderen Häusern.
In den letzten Jahren habe ich selbst noch einmal einen ganz anderen Blick auf Ausstellungen bekommen. Als Kuratorin durfte ich verschiedene Sonder- und Dauerausstellungen mitkonzipieren — und dabei wird sehr schnell deutlich: Eine Ausstellung entsteht nicht einfach dadurch, dass man interessante Dinge in einen Raum stellt. Sie ist Auswahl, Ordnung, Erzählung, Gestaltung und Vermittlung zugleich. Im besten Fall entsteht daraus ein Erlebnisraum: ein Raum, in dem Besucher:innen nicht nur schauen und lesen, sondern ein Thema betreten, Zusammenhänge erfahren und Geschichte, Kunst oder Kultur auf mehreren Ebenen wahrnehmen können.
Dabei sind Ausstellungen längst nicht mehr nur Objekte in Vitrinen oder Bilder an Wänden. Zu einer Ausstellung gehören heute oft Texte, Raumgestaltung, Licht, Medien, Hands-on-Stationen, Audioguides, digitale Angebote, Führungen, Workshops und Vermittlungsprogramme. Eine Ausstellung ist also immer auch eine Erzählung — und die Frage ist, wie gut diese Erzählung funktioniert.
Gerade Sonderausstellungen sind für viele Museen wichtig, weil sie neue Besucher:innen anziehen, aktuelle Themen aufgreifen und einen Anlass schaffen, ein Museum nicht nur einmal, sondern immer wieder zu besuchen.
Kurz gesagt: Museen zeigen ihre Sammlungen meist in Dauerausstellungen und Sonderausstellungen. Die Dauerausstellung präsentiert die Sammlung und das Grundthema eines Museums dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum. Sonderausstellungen widmen sich einzelnen Themen, laufen zeitlich begrenzt und entstehen oft mit Leihgaben aus anderen Museen.
Museen und Digitalisierung – Gegenwart und Zukunft
Digitalisierung ist ein Schlagwort, das nicht nur unser Alltagsleben inzwischen in weiten Teilen prägt. Digitalisierung hält auch immer mehr Einzug in die Museen — wobei man heute eigentlich sagen muss: Sie ist längst dort angekommen. Dabei ist in Deutschland weiterhin Luft nach oben. Allerdings wäre es heute zu einfach, nur zu sagen: In den USA oder den Niederlanden ist man weiter, hierzulande hinken alle hinterher. Treffender ist vielleicht: Die digitale Museumslandschaft ist sehr ungleich. Einige Häuser arbeiten längst mit Online-Sammlungen, offenen Daten, digitalen Vermittlungsformaten, Apps, 3D-Modellen, virtuellen Räumen oder KI-gestützten Werkzeugen. Andere kämpfen noch mit ganz grundlegenden Fragen: fehlendes Personal, fehlende Zeit, fehlende Mittel, uneinheitliche Datenbanken, Rechtefragen und der schlichten Frage, wer all das dauerhaft pflegen soll.
Herausragende internationale Beispiele für Museen, die Digitalisierung früh als Chance erkannt und genutzt haben, sind sicherlich weiterhin das Metropolitan Museum of Art in New York und das Rijksmuseum in Amsterdam. Hier lassen sich die Sammlungen bereits vor einem Besuch online erkunden, Bilder recherchieren, eigene Auswahlbereiche zusammenstellen und vieles mehr. Ein besonderer Coup des Rijksmuseum war sicherlich auch „Operation Night Watch“, also die Erforschung und Restaurierung der berühmten „Nachtwache“, die online begleitet werden konnte und bis heute digital dokumentiert wird.
Aber auch deutsche Museen haben in den letzten Jahren deutlich nachgezogen und öffnen ihre Sammlungen, ihre Forschung und ihre Vermittlung immer stärker ins Digitale. Ein gutes Beispiel für diese Öffnung bietet das Lenbachhaus in München, das – soweit die urheberrechtlichen Bestimmungen es zulassen – seine Sammlung online zur Verfügung stellt. Auch die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat mit ihren Digitorials früh gezeigt, wie digitale Vermittlung eine Ausstellung vorbereiten, vertiefen und eigenständig begleiten kann.
Ein anderes Beispiel für die zunehmende Digitalisierung im Museumsbereich sind Museen oder Ausstellungen, die von vornherein online oder hybrid geplant werden. So konnte man mit dem virtuellen Fastnachtsmuseum Fastnacht 365 Tage im Jahr erleben und sich mit unterschiedlichen Aspekten der Fastnacht beschäftigen, etwa mit Figuren, Musik oder Bräuchen. Das und noch viel mehr bietet das virtuelle Fastnachtsmuseum. Entstanden ist es im Rahmen des Verbundprojekts „museum4punkt0“, das von 2017 bis 2023 digitale Vermittlungsangebote für Museen entwickelte, testete und evaluierte.
Wichtig ist dabei nicht nur, dass einzelne digitale Anwendungen entstanden sind. Besonders wertvoll ist, dass museum4punkt0 Wissen gesammelt und weitergegeben hat — etwa über die sogenannte Werkzeugkiste für digitale Vermittlungsangebote. Denn genau daran scheitert Digitalisierung in Museen oft: Nicht an einer guten Idee, sondern daran, dass Wissen, Erfahrungen, Fehler und Lösungen nicht weitergetragen werden.
Diese Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich in Sachen Digitalisierung in deutschen und internationalen Museen in den letzten Jahren getan hat — und weiterhin tut. Das Thema ist umfangreich und wird beinahe täglich umfangreicher. Das liegt vor allem daran, dass Digitalisierung längst nicht nur den nach außen sichtbaren Bereich der Museen betrifft, sondern auch ihre Arbeit im Innern.
Digitalisiert werden nicht nur Ausstellungen, Websites oder Social-Media-Kanäle. Digital betroffen sind auch Inventarisierung, Sammlungsdatenbanken, Restaurierungsdokumentation, Provenienzforschung, Leihverkehr, Rechteklärung, Langzeitarchivierung und Forschungsdaten. Mit anderen Worten: Digitalisierung ist nicht nur das, was Besucher:innen sehen. Sie verändert auch das, was Museen hinter den Kulissen tun.
Aufgrund des Umfangs und des Facettenreichtums des Themas „Museen und Digitalisierung“ gibt es hier auf dem Blog inzwischen immer wieder Beiträge dazu — und es werden sicher nicht die letzten gewesen sein. Dabei geht es vor allem um die Chancen, aber auch um die Grenzen, Probleme und Nebenwirkungen, die Digitalisierung für Museen und den Kulturbereich mit sich bringt. Zu nennen sind hier nicht nur Social Media, Internetauftritte und Online-Sammlungen, sondern auch digitale Vermittlung, virtuelle Museen, 3D-Digitalisierung, Virtual und Augmented Reality — und inzwischen natürlich auch Künstliche Intelligenz.
Gerade Künstliche Intelligenz ist inzwischen ein Thema, an dem Museen kaum vorbeikommen. KI kann bei Recherche, Verschlagwortung, Bildsuche, Transkription, Übersetzung, Provenienzforschung, Besucher:innenkommunikation oder Ausstellungsvorbereitung helfen. Zugleich stellen sich neue Fragen: Welche Daten werden genutzt? Welche Verzerrungen stecken in ihnen? Wer kontrolliert die Ergebnisse? Und was passiert mit Autorschaft, Vertrauen und wissenschaftlicher Genauigkeit?
Auch das Thema virtuelle Museen gehört in diesen Zusammenhang. Ich habe es oben bereits kurz angesprochen: 2024 ist im Deutschen Kunstverlag die Handreichung „Virtuelle Museen“ erschienen, die ich gemeinsam mit Bernd Günter und weiteren Kolleg:innen erarbeitet habe und die von AVICOM gefördert und unterstützt wurde. Darin geht es genau um die Frage, wie digitale Räume nicht nur als Ergänzung analoger Museen, sondern als eigenständige museale Form gedacht werden können.
Kurz gesagt: Digitalisierung im Museum bedeutet weit mehr als eine Website oder einen Social-Media-Kanal. Sie betrifft Online-Sammlungen, digitale Vermittlung, virtuelle Ausstellungen, Sammlungsdatenbanken, 3D-Modelle, Open Access, KI, Barrierefreiheit, Kommunikation, Forschung und die tägliche Arbeit hinter den Kulissen.

Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0
Museum Quotes
„Gebt mir ein Museum, und ich werde es füllen.“ – Pablo Picasso (1881-1973), span. Maler
„Die meisten Dummheiten in der Welt muss sich wahrscheinlich ein Gemälde in einem Museum anhören.“ – Edmond de Goncourt (1822-1896), frz. Schriftsteller
„Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern.“ – Jeanne Moreau (1928-2017), frz. Sängerin und Schauspielerin
„Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schöne Zukunft bestimmt ist.“ – Papst Johannes XXIII. (1883-1961)
„Ich ging oft ins Heidelberger Schloss, um mir das Raritätenkabinett anzusehen, und eines Tages überraschte ich den Leiter mit meinem Deutsch, und zwar redete ich ausschließlich in dieser Sprache. Er zeigte großes Interesse; und nachdem ich eine Weile geredet hatte, sagte er, mein Deutsch sei sehr selten, möglicherweise ein »Unikat«; er wolle es in sein Museum aufnehmen.“ – Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller
„Die öffentliche Wertschätzung des Museums wird insbesondere durch seine publikumswirksamen Präsentationen in Dauer- und Sonderausstellungen bestimmt. Dies sind jedoch nicht die alleinigen Kennzeichen der professionellen Museumsarbeit. Ein erheblicher Teil der originären Aufgaben der Museen bleibt dem Besucher und den politisch Verantwortlichen in der Regel verborgen: das Sammeln, Bewahren und Forschen. Die Ergebnisse der Arbeit in diesen Bereichen sind die Grundlage für das Ausstellen und Vermitteln – und damit das öffentliche Erleben der Museumssammlungen.“ – Deutscher Museumsbund
Mein persönliches Fazit:
Museen sind also weit mehr als Räume voller alter Dinge. Sie sind Orte des Sammelns, Bewahrens, Forschens, Zeigens, Erzählens, Fragens und Streitens. Sie können analog sein, digital, virtuell, groß, klein, staatlich, privat, weltberühmt oder fast unbekannt. Und vielleicht liegt genau darin ihre Stärke: Museen bewahren nicht nur Vergangenheit, sie helfen uns auch dabei, Gegenwart zu verstehen und Zukunft zu denken.
Dieser Beitrag erschien ursprünglich 2020 und wurde 2026 umfassend überarbeitet und aktualisiert.

Dr. Anja Kircher-Kannemann
Promovierte Historikerin, Autorin, Kulturvermittlerin und Bloggerin.
Themen: digitale Kulturvermittlung – #digKV – Social Media – Storytelling – Geschichte(n) erzählen
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